Bayr zu Welternährungsgipfel: Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern gewährleisten

Neue Richtlinien zur Verhinderung von "Land-Grabbing" und Nahrungsmittelspekulationen gefordert

Wien (OTS/SK) - "Die Tatsache, dass derzeit weltweit fast eine Milliarde Menschen hungern, ist kein gott- oder naturgegebenes Schicksal", erklärte Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für Umwelt und Globale Entwicklung, anlässlich des heute in Rom beginnenden Welternährungsgipfels der FAO (Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen). "Das Problem ist weniger die absolut produzierte Nahrungsmittelmenge, sondern vorrangig die Leistbarkeit und der Zugang der Bevölkerung in den Entwicklungsländern zu Nahrung. Besonders Nahrungsmittelspekulationen und Land-Grabbing bedingen hier strukturelle Missstände, die es international zu bekämpfen gilt", erläuterte Bayr am Montag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

"Land-Grabbing" - der Trend, dass reiche Staaten und internationale Konzerne riesige Flächen fruchtbaren Landes in Entwicklungsländern erwerben, um dort Nahrungsmittel und Energiepflanzen für den Export anzubauen - sei "eine neue Form des Kolonialismus, der unbedingt gestoppt werden muss", so Bayr, "denn an erster Stelle muss die arme lokale Landbevölkerung von Investitionen in ihre Gebiete profitieren. Wir müssen einen globalen rechtlichen Rahmen schaffen, der verhindert, dass Menschen in Entwicklungsländern mit undurchsichtigen Verträgen buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen werden kann."

Das Problem der Nahrungsmittelspekulationen, durch welche die Preise von Grundnahrungsmitteln in die Höhe getrieben werden, sei ebenso zu bekämpfen. "Es müssen die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um illegitimen Landraub, sowohl durch Finanzspekulanten als auch durch Staaten, zu unterbinden", betonte Bayr.

Voraussetzung für nachhaltige ländliche Investitionen sei, dass lokale Gemeinschaften in die Verhandlungen über Landtransaktionen miteinbezogen werden, ihre Landrechte gestärkt und respektiert werden. "Ernährungssicherheit der eigenen Bevölkerung muss für jede Regierung bei Land-Transaktionen oberste Priorität haben. Staatliche und private Akteure sollten nur dann in großem Stil in die Landwirtschaft investieren dürfen, wenn sie ökologische, soziale und menschenrechtliche Standards respektieren." Der jetzt tagende Welternährungsgipfel sollte daher Richtlinien für die Verhinderung von Land-Grabbing ausarbeiten, die auch realpolitisch durchgesetzt werden können.

"Ein neu zu schaffender UN-Rat für wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung könnte mit der Kompetenz ausgestattet werden, ausbeuterische und sittenwidrige Verträge, die nicht im langfristigen Interesse der Bevölkerung sind, rückwirkend für ungültig zu erklären - auch wenn sie von Regierungen abgeschlossen worden sind, die demokratisch legitimiert sind", so Bayr.(Schluss) sc/mp

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