Tag der Lehre: Duales Ausbildungssystem nicht verkommen lassen

ÖGJ fordert: Durchlässigkeit zwischen Schule und Lehre erhöhen

Wien (OTS/ÖGB) - "Es gibt 300 Lehrberufe, fast die Hälfte von jedem Jahrgang macht eine Lehre, die Wirtschaft reißt sich um die Absolventinnen und Absolventen - und trotzdem hängen die Lehrlinge imagemäßig immer noch hinter MaturantInnen nach", kritisiert Jürgen Michlmayr, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), aus Anlass des "Tag der Lehre", der heuer morgen, am 12. Oktober abgehalten wird. Das duale Berufsausbildungssystem, das Vorbildcharakter für viele Länder hatte, droht aber nicht nur an Imageproblemen zu scheitern, sondern am Rückzug der Wirtschaft.++++

"Es braucht mehr Druck auf die Unternehmen, damit diese wieder Lehrlinge ausbilden. Eine Möglichkeit stellt ein Berufsausbildungsfonds dar, in dem verantwortungslose Betriebe einen spürbaren Beitrag leisten, der den ausbildenden Unternehmen und damit den Jugendlichen zugute kommt", fordert Michlmayr. Überbetriebliche Lehrlingsausbildung sei zwar als Auffangnetz für jene wichtig, die keine Lehrstelle finden können - der Focus müsse aber auf die betriebliche Lehrausbildung gerichtet werden.

AbsolventInnen werden als Lehranfänger eingestuft und bezahlt

Die ÖGJ fordert Maßnahmen, um leichter zwischen Lehre und schulischen Ausbildungsformen wechseln zu können bzw. die wechselseitige Anrechenbarkeit von Wissen und Kenntnissen. "Schule und Lehre - beide Wege müssen zu gleichwertigen Qualifikationen führen", verlangt Michlmayr: "Es muss endlich Schluss damit sein, dass sich Unternehmen zum Beispiel erfolgreiche Absolventen von Handelsakademien oder Tischlerschulen suchen, und diese dann mit der Lehrlingsentschädigung abspeisen, statt sie ordentlich als Geselle einzustufen und auch entsprechend zu bezahlen."

Technisch formuliert: Die ÖGJ fordert die Wiedereinführung des §28 BAG (Berufsausbildungsgesetz), in dem bis 1993 geregelt war, dass Ausbildungen in Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) als Berufsausbildungen anerkannt sind.(fk)

ÖGB, 11. Oktober 2010

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