Sprachlosigkeit in zwei Landessprachen (von Bertram Karl Steiner)

Ausgabe 9. Okt. 2010

Klagenfurt (OTS) - Haben Sie das nie erlebt, in einem Wirtshaus,
am Stammtisch, wenn plötzlich ein haarigeres Problem zur Sprache kommen wollte, aber doch nicht zur Sprache kommen konnte, weil "Da derfst nix sagn, is gscheiter, man redt nix davon". Aus einer Südkärntner Gaststube, die ich vor Jahren zu betreten im Begriffe war, hörte ich die Leute slowenisch diskutieren. Als sie dann meiner ansichtig wurden, verfielen sie sofort in ein betont "dajtsches" Idiom. Und versuchten mich zu der Ansicht zu bekehren, wie gefährlich doch die Stärkung der slowenischen Sprache in Kärnten sei. Und überhaupt, "denen" sei nicht zu trauen. Auf meinen Einwand, sie hätten doch alle miteinander soeben selber slowenisch geredet: Nix, Schweigen. In einem mit zwei (im Dialekt unlösbar ineinander verflochtenen) Sprachen gesegneten Land kann es so weit kommen, dass das scheue Schweigen zur gemeinsamen Sprache wird ...

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