Kärntner Volksabstimmung: Vitalität von drei Kulturen und Sprachen als Chance der Zukunft

LH Dörfler bei 10.-Oktober-Festakt im Landhaus: Kärnten ist schon im Morgen

Klagenfurt (OTS/LPD) - Im großen Wappensaal des Klagenfurter Landhauses fand heute, Freitag, ein Festakt zum Jubiläum "90 Jahre Volksabstimmung" statt. Er stand ganz im Zeichen des Gedenkens an die Ereignisse von 1918 bis 1920, war aber auch voller Optimismus in die Zukunft gerichtet. Die Worte der Festredner orientierten sich damit am Jubiläums-Motto "Gestern - Heute - Morgen". Es wurde das wirtschaftliche, innovative und kreative Potential Kärntens in der Euregio "Senza Confini" ebenso angesprochen, wie das gute Zusammenleben mit der slowenischen Volksgruppe und den Nachbarn. Thema war auch die Ortstafelfrage, zu der große Lösungsbereitschaft gezeigt wurde.

Landeshauptmann Gerhard Dörfler sagte, dass 1920 für eine gute Zukunft unseres Landes gestimmt wurde. Diese Zukunft gelte es, gemeinsam zu gestalten. Damals sei auch die Geburtsstunde der Republik Österreich gewesen. Die Menschen seien vom Guten überzeugt gewesen, hätten mit ihrem Votum für Österreich Frieden, Rechtsstaat und Demokratie gewollt. Dörfler betonte die lange Freundschaft Kärntens mit den oberitalienischen Regionen und die immer enger werdende Freundschaft mit Slowenien. Mit Friaul-Julisch Venetien und dem Veneto habe man die Euregio gegründet und er freue sich schon auf den Beitritt Sloweniens und Kroatiens. "Die Vitalität der drei Kulturen und Sprachen ist unsere Chance der Zukunft."

Der Landeshauptmann strich weiters das gute Miteinander zwischen Mehrheitsbevölkerung und Volksgruppe in Kärnten hervor. Symbol für die gemeinsame Zukunft sei für ihn vor allem die "Jörg-Haider-Brücke". Bei ihrer Eröffnung seien 5.000 Menschen dabei gewesen und sie sei auch entscheidend für Betriebsansiedlungen gewesen. "Für mich gibt es auch kein Unterkärnten, das war eine Wertung. Ich spreche bewusst von Südkärnten", betonte Dörfler, dem besonders Bleiburg ans Herz gewachsen sei.

"Kärnten ist heute schon im Morgen", verwies er auf Erfolge bei Forschung und Wissenschaft. Die Baltisch-Adriatische Achse mit der Koralmbahn sowie Kooperationen dieses Infrastrukturprojektes mit den Adriahäfen würden Kärnten ebenfalls zum internationalen Spieler machen. Außerdem bewerbe sich Kärnten gemeinsam mit Slowenien und Friaul um die Dreiländer-Schi-WM. In diesem Sinne wandte sich Dörfler an all jene innerhalb und außerhalb Kärntens, die eine Situation herbeireden würden, die es gar nicht gebe. "Kärnten ist ein vitales und offenes Land", betonte er.

Heimat sind für den Landeshauptmann die 132 Kärntner Gemeinden, von denen viele zweisprachig seien. Bei der Ortstafelfrage sei man reif genug, eine Lösung zu finden. Es dürfe jedoch niemand damit überfordert werden, man müsse sich auf der Mitte der Brücke treffen. Das Gedenken zum 10. Oktober sieht er als Dank, es sei kein schrulliger Rückblick. In Kärnten blicke man nicht rückwärtsgehend in die Zukunft.

Als Vertreter der slowenischen Volksgruppe sprach der Obmann des Rates der Kärntner Slowenen und Spitzendiplomat Valentin Inzko. Sein verstorbener Vater hatte bereits 1995 für die Kärntner Slowenen bei einer 10.Oktober-Feier gesprochen. Der Diplomat skizzierte Kärntens Stärken und Kernfähigkeiten. Kärnten sei eine Kulturgroßmacht durch Literatur, Malerei, Musik und das Kärntnerlied. Vorteile seien die Events, Sport und Wellness, vor allem auch Kärntens geographische Lage, die Nähe zum Nachbarn Slowenien und die Brückenfunktion nach Südosteuropa. Kärnten sei zudem stark bei Hochtechnologie, Wirtschaft und Humankapital.

Inzko verwies darauf, dass die Volksgruppe in vielen gesellschaftlichen Bereichen präsent sei. Zwei Sprachen würden doppelte Chancen im Sinne von Geschichte und Kultur sowie größeren wirtschaftlichen Möglichkeiten bedeuten. Zur Ortstafelfrage meinte er, dass die Volksgruppe jeder Regelung zustimmen würde, die mit Anstand zustande komme. Diese Lösung sollte auf der österreichischen Verfassung und der österreichischen Rechtsprechung beruhen. Als Vision für 2020, den 100. Jahrestag der Volksabstimmung, sehe er Kärnten als fest in der Vergangenheit verwurzelt, jedoch mit einer erfolgreichen, toleranten, weltoffenen, mehrsprachigen und vorwärts gerichteten Gesellschaft.

Hausherr, Landtagspräsident Josef Lobnig, sagte, dass das Landhaus ein historischer Ort sei, weil die provisorische Landesverwaltung hier 1918 den bewaffneten Widerstand gegen die SHS-Truppen beschlossen habe. Der 10. Oktober sei ein Vermächtnis, es gelte, für unsere Kultur, stolze Geschichte und unser Brauchtum einzustehen. Wichtig sei es, dass sich die Kärntner beider Sprachen gegenseitig Respekt und Vertrauen entgegenbringen und gemeinsam an einer gedeihlichen Zukunft für die Menschen bauen. Lobnig forderte aber auch, dass Slowenien die "menschenverachtenden" Avnoj-Beschlüsse aufhebe und die slowenischen Bürger mit deutscher Muttersprache anerkenne. Dies wäre ein wichtiger Beitrag, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen.

Der Präsident von Friaul-Julisch Venetien, Renzo Tondo, lobte Kärntens Freundschaft und Kooperationsbereitschaft im Sinne von "Senza Confini". Für Friaul sei es ein offener und ehrlicher Partner. Wie Dörfler verwies er auf die gemeinsame Euregio und auf die Bewerbung um die Dreiländer-Schi-WM.

LHStv. a. D. Rudolf Gallob sprach für die Plattform "Unser Kärnten". Er strich die Wichtigkeit des Abwehrkampfes hervor, der die Mächtigen der Welt auf unser kleines Land aufmerksam gemacht habe. Bei der Ortstafelfrage sei er zuversichtlich, dass eine Lösung ins Haus stehe. Bei dieser dürfe es jedoch keinen großen Sieger geben, sie müsse verbindlich sein und die Bevölkerung müsse dafür sein. "Wir wollen als Partnerschaft unseren Beitrag leisten", versicherte Gallob.

Jüngster Redner beim Festakt war der neunjährige Patrick Beclin aus Velden. Ihn hatte der Landeshauptmann gebeten, seine Vorstellungen von 2020 zu beschreiben. Patrick hat sich fest vorgenommen, so viele Sprachen wie möglich zu lernen. Italienisch und Slowenisch hat er schon in der Volksschule, bald wird er auch Englisch gut können. Er will sich in Italien und Slowenien weiterbilden und träumt von der Gründung einer internationalen Hotelkette in Velden, Kranjska Gora und Jesolo.

Beim live auf ORF Kärnten im Fernsehen übertragenen Festakt wurden von Landtagspräsident Lobnig begrüßt: der dritte Nationalratspräsident Martin Graf, die gesamte Landesregierung mit LHStv. Uwe Scheuch, LHStv. Peter Kaiser, den Landesräten Josef Martinz, Harald Dobernig, Beate Prettner und Christian Ragger, Bischof Alois Schwarz, Superintendent Manfred Sauer, der altkatholische Pfarrer Erich Ickelsheimer, die Landtagspräsidenten Rudolf Schober und Johann Gallo für alle Landtagsabgeordneten, Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider für alle Gemeindevertreter, der ukrainische Botschafter Andrii Bereznyj, der österreichische Botschafter in Slowenien, Erwin Kubesch, sowie der frühere ungarische Botschafter Istvan Horvath. Die Feier wurde musikalisch umrahmt vom Bläserquartett der Militärmusik Kärnten unter Leitung von Oberst Professor Sigismund Seidl, vom Chor der Musikhauptschule Seeboden unter Leitung von Christine Russek sowie vom Chor des BG und BRG für Slowenen in Klagenfurt unter Leitung von Roman Verdel.
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