Karas: Die Finanzkrise ist noch nicht vorbei - Wachstum als entscheidendes Ziel

Vortrag beim 10. Europarechtstag in Wien

Wien/Brüssel, 8. Oktober 2010 (OTS) Beim 10. Europarechtstag in Wien warnte EVP-Vizepräsident Mag. Othmar Karas heute davor, angesichts der noch nicht überstandenen Wirtschafts- und Finanzkrise wieder zum Alltagsgeschäft über zu gehen. "Die Wirtschaftslage hat sich vielleicht in manchen Staaten stabilisiert. Auf Grund der hohen Verschuldungsgrade vieler Staaten, der verschlechterten Ertragsaussichten sowie eines erschwerten Zugang zu Krediten ist die Wirtschaft jedoch weiterhin anfällig", so Karas. "Die Aufräumarbeiten sind nicht abgeschlossen. Vor allem dürfen wir uns nicht damit zufrieden geben, nur einen Zustand wie vor der Krise erreichen zu wollen - denn genau dieser Zustand hat die Krise ja ausgelöst. Die notwendigen Reformen und Änderungen sind im Werden, aber eben noch nicht abgeschlossen", betonte der ausgewiesene Finanzexperte in seinem Vortrag im Haus der Europäischen Union in Wien. ****

Karas warnte nachdrücklich davor, die schwach positiven Wachstumszahlen in der EU als Zeichen für ein Ende der Krise zu werten. Das Wachstum in den USA (+1,4 %, 4. Quartal 2009) und in Japan (+0,9 %, 4. Quartal 2009) sei wesentlich robuster als in der EU (+0,1 %, 4. Quartal 2009), darüber hinaus stütze sich das EU-Wirtschaftswachstum noch zu sehr auf den privaten Konsum und die öffentlichen Ausgaben. "Auf Grund der steigenden Arbeitslosenzahlen -in Österreich 5,3 Prozent, in der EU 9.5 Prozent - besteht die reale Gefahr, dass sich die Wirtschafts- und Finanzkrise zu einer Sozialkrise auswächst", so Karas.

Europa müsse sich jetzt mit aller Kraft der Aufgabe stellen, durch eine rasche Verabschiedung der notwendigen Reformmaßnahmen den Mangel an passenden Regulierungen zu beheben. "Die Kombination aus hoch komplexen Finanzprodukten und einem hohen Grad an Liberalisierung ohne entsprechende Aufsichtsmechanismen führte zur Krise. Daraus müssen wir unsere Konsequenzen ziehen. Das Europäische Parlament stellt sich aktiv der Herausforderung, die richtige Balance zwischen Liberalisierung und Regulierung zu finden. Sowohl im Wirtschaftsausschuss als auch im Krisenausschuss kann ich maßgeblich dazu beitragen, die gesetzlichen Regelungen und die politischen Grundlinien zur Krisenbewältigung zu definieren", informierte der EVP-Vizepräsident.

Als wesentliches zweites Standbein der Krisenbewältigung nannte Karas die Wiederbelebung des europäischen Binnenmarktes. "Mehr Wachstum muss unser entscheidendes Ziel sein: Investitionen in Forschung und Entwicklung, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Wissensgesellschaft und qualifizierte Arbeitskräfte sind die Antwort auf die Krise. Das Binnenmarktpaket der EU-Kommission wird uns die Möglichkeit geben, Lücken zu schließen, die Wirtschaft zu stärken und den Bürgern gegenüber durch vollen Einsatz für eine soziale Marktwirtschaft und Vollbeschäftigung das europäische Versprechen einzulösen", so Karas abschließend.

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