Die Rübenbauern: Studie und Forderungen zu künftigen Politikoptionen

Karpfinger: Erhalt von Außenschutz, Mindestpreis und Quoten sowie Direktzahlungen

Wien (OTS/aiz) - Der Berufsverband "Die Rübenbauern" präsentierte heute in Wien einen Forschungsbericht von Dr. Leopold Kirner, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft (AWI), zur Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus in Österreich je nach Politikoption nach 2013 und legte einen Forderungskatalog mit fünf Punkten für die künftige Gestaltung der Rahmenbedingungen und der Direktzahlungen vor. Dem Forschungsbericht zufolge "decken nach der Zuckermarktreform der EU 2006 die Erlöse aus dem Rübenbau gerade einmal die Vollkosten der Produktion ab" und es drohten in vier der fünf untersuchten Politikoptionen für die Zukunft weitere Verschlechterungen. Die Rübenbauern, so ihr Präsident Dipl.-Ing. Ernst Karpfinger, leiten daraus ein fünf Punkte umfassendes Forderungsprogramm an die politisch Verantwortlichen in Österreich und in der EU ab. Karpfinger: "Wir werden diese fünf Punkte in den nächsten Tagen und Wochen entsprechend an die Entscheidungsträger im Österreichischen Parlament, an den Landwirtschaftsminister und an unsere Vertreterin im Europaparlament herantragen."

Die vor zwei Jahren in Auftrag gegebene Studie kommt, so Kirner, zu dem Resümee, "nur ein Mindestmaß an Außenschutz für Zucker sichert die Produktion in Europa beziehungsweise Österreich" und "Änderungen bei den Direktzahlungen wirken sich deutlich auf die Einkommen von Ackerbaubetrieben aus". Demnach sei die Wirtschaftlichkeit des Rübenanbaus schon mit der EU-Zuckermarktreform 2006 beträchtlich reduziert worden und ein Drittel der europäischen Produktion auf der Strecke geblieben. Der Rübenanbau halte sich jetzt schon nur dank Direktzahlungen über Wasser.

Kirner: In allen fünf untersuchten Szenarien sinkt das Einkommen

Kirner untersuchte fünf Politikoptionen für die Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 sowie der EU-Zuckermarktordnung ab 2014/15 und den Ausgang der Freihandelsgespräche der EU mit dem südamerikanischen Mercosur sowie der Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO). Das Ergebnis: "Die gesamtbetrieblichen Modellrechnungen bestätigen die großen Herausforderungen für Ackerbaubetriebe mit Zuckerrüben nach Umstellung der GAP nach 2013. Bis auf das Szenario mit besonders hohen Agrarpreisen im Jahr 2015 werden für alle Betriebe bei 20%iger Senkung der Direktzahlungen - Betriebsprämie und ÖPUL - niedrigere Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft ausgewiesen als in der Ausgangssituation. Auch wenn die Preise für Ackerkulturen um 25% steigen, sinkt das Einkommen. Daraus kann unter anderem die große Relevanz der künftigen Direktzahlungen für Zuckerrübenbetriebe abgelesen werden, zumal eine 20%ige Kürzung kein worst-case-Szenarium darstellt."

"Umso mehr hängt das Weitermachen nach 2013 von Direktzahlungen ab. Wir sind unter den geltenden Bedingungen schon auf die Direktzahlungen aus dem teilweisen Preisausgleich und dem Umweltprogramm ÖPUL angewiesen, um nicht von der Substanz der Betriebe leben und letztlich zusperren zu müssen. Großverdiener sehen also anders aus", folgert Karpfinger und betont angesichts der düsteren Zukunftsszenarien: "Umso mehr wird es nach 2013 von Direktzahlungen abhängen, ob wir weitermachen können."

Forderungskatalog mit fünf Punkten

Aus der wissenschaftlichen Studie von Dr. Kirner zu den Auswirkungen künftiger Politikoptionen leiten "Die Rübenbauern" zur Erhaltung eines notwendigen Mindestmaßes der europäischen und insbesondere österreichischen Rübenproduktion und damit an Eigenversorgung mit Zucker folgende Forderungen an die österreichische Innenpolitik und die Verantwortlichen in der Europäischen Union ab:

Keine weiteren Zugeständnisse für weitere Zuckerimporte in die EU und fairen Wettbewerb für bestehende Einfuhrmöglichkeiten.

Beibehaltung von Quote und Mindestpreis.

Abschaffung der Produktionsabgabe.

Erhalt des Niveaus der Direktzahlungen im Ackerbau mit Berücksichtigung der Sonderstellung der noch nicht historischen Ausgleichszahlungen im Rübenbau.

Keine weiteren nationalen Belastungen.

Karpfinger: Die Studie beweist, Rübenbauern sind keine geförderten Großverdiener

"Wir Rübenbauern lassen uns keinesfalls als 'geförderte Großverdiener abstempeln' und können dies unter anderem anhand der vorliegenden Studie von Dr. Kirner wissenschaftlich belegt nachweisen. Wir Rübenbauern könnten allerdings aufgrund einer von Vorurteilen fehlgeleiteten Politik wirklich zu den großen Verlierern werden - und in so einem Fall würde das ganze Land verlieren: Die Dörfer, der ländliche Raum, die Umwelt und die Menschen - der Arbeitsmarkt und die gesamte Volkswirtschaft. Deshalb werden wir in der kommenden politischen Auseinandersetzung nachdrücklich auf die Erfüllung unserer Forderungen pochen", schloss Karpfinger. (Schluss)

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