WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Tourismus in Europa ist eine Megabranche - von Günter Fritz

Deutschland und England sind die touristischen Herzschrittmacher

Wien (OTS) - Wenn von Krisen und deren Bewältigung die Rede ist, wird zuerst an Branchen wie Bau, Gewerbe oder Auto gedacht - der Tourismus spielt da meist nur eine Nebenrolle. Dabei fristet dieser Wirtschaftszweig zu Unrecht ein Schattendasein, ist er doch eine echte Megabranche: Fünf Prozent des europäischen BIP, rund 590 Milliarden Euro, gehen auf das Konto der Tourismusbetriebe, die zusammen 9,7 Millionen Mitarbeiter beschäftigen. Getrieben wird der kontinentale Fremdenverkehr mit zuletzt rund 460 Millionen Ankünften von den zwei Hauptquellmärkten Deutschland und Großbritannien, die gewissermaßen als Herzschrittmacher im innerkontinentalen Reiseverkehr fungieren.

Die Deutschen, lange Zeit als eher griesgrämige, trockene und weitgehend humorlose Zeitgenossen verschrien, haben sich in den vergangenen Jahren von ihrem traditionellen Piefke-Image weitgehend befreit und sind derzeit die touristischen Gewinner. Auch die Österreicher fliegen regelrecht auf ihr Nachbarland und machen dort immer öfter Urlaub. Was doch eine Wiedervereinigung samt Integration neuer kultureller Destinations-Highlights und eine Fußball-WM, die die hölzernen Germanen als geradezu fröhliches Volk präsentierte, ausmachen können. Da tun sich auch die Österreicher mit ihrem angeblich weltberühmten Charme schwer, mitzuhalten.

Der europäische Tourismus ist trotz hartem Wettbewerb der einzelnen Länder untereinander, sehr durchlässig: 80 Prozent der Urlauber in Europa kommen aus dem eigenen Kontinent, zehn Prozent aus Nord- und Südamerika und weitere zehn Prozent aus Asien. Und von letzterem Kontinent geht auch die größte Gefahr für den europäischen Tourismus aus, denn dort wird es in den kommenden Jahren die größten Zuwächse geben. Laut Studien wird Europas Marktanteil am Welttourismus von derzeit 52 Prozent auf 46 Prozent abnehmen - mit möglichen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen, die nicht zu unterschätzen sind.

Die Verantwortlichen der europäischen Urlaubsländer, die auf EU-Ebene in der European Travel Commission organisiert sind, zerbrechen sich derzeit ihre Köpfe, wie dieser Trend zu stoppen ist - und wie Europa im globalen touristischen Wettbewerb seine Position stärken kann. Das ist nicht nur für die Reisebranche allein wichtig, sondern für alle Bereiche, die direkt und indirekt mit ihr verbunden sind. Schließlich leben wir in Zeiten intensiv miteinander kommunizierender wirtschaftlicher Gefäße.

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