Kapellari: Faires Miteinander von Christen und Muslimen nötig

Muslime so integrieren, dass Parallelgesellschaften nicht weiter anwachsen

Klagenfurt, 29.09.10 (KAP) Zu einem fairen Miteinander von Christen und Muslimen in Europa hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari aufgerufen. Die wachsende Präsenz des Islam in Europa erwecke "inmitten einer schrumpfenden und überalterten angestammten Bevölkerung rational begründete Sorgen, aber auch irrationale Ängste", stellte Kapellari bei einem Vortrag am Dienstagabend auf Einladung des Europahauses Klagenfurt an der Universität Klagenfurt fest. Diese Sorgen und Ängste seien durch lange Zeit von manchen europäischen Eliten in Politik und Medien ignoriert und als "political non correct" eingestuft worden. "Eine solche Verdrängung löst aber keine Probleme, sondern vermehrt sie und liefert Wasser auf die Mühlen von Populisten, die sich schrecklicher Vereinfachungen bedienen", so der Bischof.

Abseits "eines solchen Populismus einerseits und eines naiven Optimismus andererseits" müsse aber ein Weg gesucht werden, "Muslime so zu integrieren, dass muslimische Parallelgesellschaften nicht weiter anwachsen können". Diesbezüglich sei in Jahrzehnten viel versäumt worden, und ungelöste Probleme kehrten auch in diesem Bereich der Gesellschaft verstärkt zurück. Es gebe in Europa keine Alternative zu einem Zusammenleben mit Muslimen, und "wir sollten das Unsere tun, um daraus nicht bloß ein Nebeneinander oder gar ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander werden zu lassen", hob der Bischof hervor.

Die christlichen Kirchen und zumal auch die katholische Kirche "tun in Europa auf vielen Ebenen viel, um ein friedliches Zusammenleben mit anderen Religionen und besonders auch mit dem Islam zu fördern", hielt Kapellari fest. Sie könnten daher glaubwürdig "ohne falsche Tabus mit islamischen Verbänden in Europa auch darüber reden, ob diese nicht gegen grobe Menschenrechtsverletzungen und -beschränkungen z. B. der Religionsfreiheit in ihren Herkunftsländern öfter und deutlich ihre Stimme erheben sollten, um Misstrauen bei der hiesigen angestammten Bevölkerung abzubauen".

Die Frage einer solchen Reziprozität sei bisher von den europäischen Eliten immer wieder tabuisiert worden. "Ein solches Tabu ist aber meines Erachtens rational nicht überzeugend begründbar", unterstrich Kapellari, der in seiner Zeit als Grazer Hochschulseelsorger und Leiter des Afro-Asiatischen-Instituts (und Hochschulseelsorger) zahlreiche Kontakte zu Muslimen besonders aus dem Iran, aus arabischen Ländern und aus der Türkei pflegte und auch heute noch pflegt. "Mein kritischer Blick auf den Islam ist daher differenziert und sollte einer oberflächlichen Kritik standhalten können", so der Bischof. Seine Argumentation im Blick auf den Islam müsse als ganzes gesehen werden, sie lasse keine Einseitigkeiten und Vereinfachungen zu.

Herausforderung für Christen

Die Herausforderung durch den Islam stelle aber auch den Christen hier in Europa besonders die Frage, wie stark ihr eigener Glaube ist und warum so viele Getaufte dieses Glaubens offenbar müde geworden sind. "Die Provokation durch diese Frage könnte sehr fruchtbar werden", sagte der Bischof in seinem Vortrag zum Thema "Hat Europa noch christliche Werte?".

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