Ärztekammer fordert Umsetzung des Hausarztmodells ein

Mediziner als Lotse im System bereits gelebte Realität - Ausbau des Modells steigert Zufriedenheit und senkt Kosten

Wien (OTS) - Die Betonung der hausärztlichen Funktion reklamierte der Bundeschef der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Günther Wawrowsky, vor dem Hintergrund der Diskussionen über Kosten und Reform des Gesundheitssystems sowie des zunehmenden Pflegebedarfs, am Mittwoch in einer Aussendung. "Die rasche Umsetzung des Hausarztmodells ist ein Gebot der Stunde oder wir werden bei einer immer älter werdenden Gesellschaft und drohendem Ärztemangel an unsere Grenzen stoßen", warnte der Kurienobmann. Noch nähme Österreich Platz 4 der patientenfreundlichsten Gesundheitssysteme Europas ein.

Das Modell sehe einen geregelten Zugang zum Gesundheitssystem vor. Der Hausarzt - der Facharzt oder Allgemeinmediziner sein kann -fungiere als Lotse und Begleiter seiner Patienten. Das biete vor allem für Kinder und chronisch Kranke enorme Vorteile, so Wawrowsky. Als Vertrauensarzt begleite er seine Patienten optimalerweise ein Leben lang, kenne ihre Krankengeschichte und sein soziales Umfeld und sei erster Ansprechpartner bei Gesundheitsfragen. "So kann vermieden werden, dass die Patienten verloren im Gesundheitssystem herumirren, was für die Kranken ein zusätzliches Martyrium bedeutet und zudem auch unnötig Kosten verursacht."

Dass eine hausärztliche Versorgung vielfach schon gelebte Realität sei, zeige eine Umfrage des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. "Rund 93 Prozent der Bevölkerung haben schon einen Hausarzt, 80 Prozent halten ihm seit mehr als fünf Jahren die Treue", erklärte der Kurienobmann. In kleinen Gemeinden seien die Zahlen noch eindrucksvoller: Da hätten bereits 96 Prozent einen Vertrauensarzt. Ihm käme auch eine gewisse Lotsenfunktion zu, denn 41 Prozent der Befragten gehen mit Überweisung zu einem Facharzt. Wawrowsky: "Die meisten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sehen sich selbst ohnehin jetzt schon als Begleiter der Patienten."

Von der raschen Umsetzung des Hausarztmodells würden also beide Seiten profitieren, ist der Vizepräsident überzeugt. "Durch die Aufwertung der hausärztlichen Funktion wird der Beruf für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiver und wir können einem drohenden Ärztemangel entgegenwirken." Der würde sich bei der demografischen Entwicklung verheerend auswirken. Wawrowsky: "Gerade die sozialmedizinische Komponente wird die Gesellschaft noch beschäftigen. Die Koordination von Pflege und medizinischer Versorgung etwa wird unser Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen stellen." Politik und Sozialversicherung müssten im ureigensten Interesse hier die Rahmenbedingungen verbessern, forderte der Kurienobmann abschließend. (zk)

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