TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 24. September 2010, von Peter Nindler: "Die UMIT braucht rasch einen Doktor"

Das Ende des Doktoratsstudiums muss der Anfang für eine lückenlose Aufklärung der Landesblamage sein.

Innsbruck (OTS) - Der Akkreditierungsrat für die Privatunis mag
mit dem Entzug des Doktoratsstudiums für Gesundheitswissenschaften wegen mangelnder Betreuungsqualität an der UMIT übers Ziel geschossen haben. Denn auch an staatlichen Universitäten wird eine Betreuungsquote von 1:6 zwischen Professoren und Doktoranden wohl kaum erreicht werden. Im Gegenteil. Deshalb ist die Entscheidung des Akkreditierungsrates vielmehr als eindringliche Warnung für eine höchst bedenkliche Entwicklung zu sehen, die die UMIT in den vergangenen Jahren genommen hat.
Verquickungen, persönliche Verflechtungen, hinterfragenswerte Berufungen und undurchsichtige Strukturen wurden jahrelang an der Haller UMIT gepflegt. Die Verantwortlichkeiten sind jetzt zu klären. Mehr denn je benötigt es eine unabhängige Expertenkommission, die die Vorgänge und wissenschaftlichen Standards kritisch durchleuchtet. Daran muss vor allem Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg ein fundamentales Interesse haben, war er doch vor seinem Wechsel in die Politik bis Juli 2008 Rektor der UMIT. Es reicht nicht aus, zu sagen, erst nach seinem Weggang sei die Situation eskaliert. Auch wenn nicht Tilg, sondern LR Patrizia Zoller-Frischauf in der Regierung für die UMIT zuständig ist: Ein Wissenschaftslandesrat braucht eine blütenweiße Weste.
Mit der UMIT steht auch die wissenschaftliche Reputation des Landes auf dem Prüfstand. Hier wird nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet - aber angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit, die in zwei überaus kritischen Rechnungshofberichten zur UMIT niedergeschrieben wurden, ist die Sensibilität besonders groß. Außerdem lässt sich das Land sein wissenschaftliches Prestigeprojekt Millionen kosten. So hat der Steuerzahler ein Recht auf vollständige Aufklärung.

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