Respekt.net: Neue Online-Börse für gesellschaftspolitisches Engagement

Wien (OTS) - Wenn die Politik sich um ein brennendes Thema nicht kümmert, dann schreiten Bürgerinnen und Bürger oft selbst zur Tat: In Bürgerinitiativen und anderen Projekten. Damit solche Initiativen leichter zu Geld kommen, wurde von Privatleuten die Online-Börse Respekt.net gegründet. Auf ihr können engagierte Österreicher in genau jene Projekte investieren, die ihre Anliegen vertreten. Bis Ende 2011 sollen 200 Projekte mit einer halben Million Euro finanziert werden.

Die Österreicherinnen und Österreicher gelten als politikverdrossen - gerade in Wahlzeiten ein häufig verwendetes Argument. Eine repräsentative Studie des Instituts meinungsraum.at unter 1.000 Österreichern zeigt jedoch, dass die Verdrossenheit vorwiegend die Parteien betrifft: Nur jeder Zehnte kann sich die Mitarbeit bei einer Partei oder einer parteinahen Organisation vorstellen.

Die Bereitschaft zum Engagement in privaten Initiativen ist hingegen hoch: Mitarbeit in einer Bürgerinitiative ist für ein Drittel der Bevölkerung vorstellbar, gesellschaftspolitisches Engagement in Vereinen sogar für jeden Zweiten. Immerhin können sich 15 Prozent der Bevölkerung die Gründung eigener Initiativen vorstellen.

Was solchen Initiativen hauptsächlich fehlt, ist Geld, denn öffentliche Förderungen werden meistens von den etablierten Strukturen abgeschöpft. Um diesen Bedarf abzudecken, hat eine Gruppe von Privatleuten eine Online-Projektbörse eingerichtet, auf der jedermann und jede Frau gesellschaftspolitische Projekte finanzieren kann. "Die Web-Plattform Respekt.net ist ein Marktplatz, auf dem Engagement und Geld zusammen gebracht werden", so der Gründer von Respekt.net, Martin Winkler.

Das Potenzial für Geldgeber scheint hoch zu sein: Laut der meinungsraum-Studie wollen zwei von drei Österreichern private Politik-Initiativen mit Geld unterstützen, wenn diese das gewünschte Ziel verfolgen.

Dass sich mit 86 Prozent die meisten Österreicher mehr zivilgesellschaftliches Engagement wünschen, liegt an der Kluft zwischen den Themen der Tagespolitik und den Anliegen der Bevölkerung: 98 Prozent meinen, dass wichtige Probleme von der Politik einfach ignoriert werden, die Hälfte stimmt dieser Aussage sogar "vollkommen" zu. Für Winkler ein deutliches Signal: "Der Mangel in der Politik bringt viele Möglichkeiten für die Zivilgesellschaft. Heute muss jeder selbst dafür sorgen, dass sein Anliegen gehört wird. Mit Wählen alleine erreicht man das nicht mehr."

Bei den Themen gibt es klare Spitzenreiter: Von allen Fehlentwicklungen in der österreichischen Gesellschaft werden besonders die steigende Armut (36 Prozent), steigende Gewaltbereitschaft (34 Prozent) und die Korruption (25 Prozent) bedauert.

Zu diesen und anderen Themen kann jede Studentengruppe, jede Bürgerinitiative und jede Privatperson auf Respekt.net ein Projekt einreichen. Finanziert werden nur jene Projekte, die ausreichend zahlungswillige "Investoren" finden. Winkler: "Bei Respekt.net regiert das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Jeder kann ein Projekt einreichen, jeder kann mitfinanzieren. Zusätzlich zum Geld stellen wir den Initiativen auch Know-how für die Projekteinreichung zur Verfügung."

In dreimonatiger Testphase bereits zwölf Projekte finanziert

In einer dreimonatigen Testphase wurden erste Projekte eingereicht und von spendenwilligen Privatpersonen finanziert. Derzeit sind auf Respekt.net 40 Projekte vertreten, 32 davon zur Finanzierung freigegeben. Zwölf Projekte wurden schon ausfinanziert, ihre Umsetzung hat begonnen. In der Testphase wurden von neunzig Geldgebern mehr als 44.000 Euro "investiert". Insgesamt suchen die eingereichten Projekte rd. 130.000 Euro.

Das Spektrum der Projekte ist groß, auch aus politischer Sicht:
Von Initiativen für Demokratieförderung und Zivilcourage, Unterstützung von Scheidungskindern, Integrationsprojekte, Initiativen für mehr Gleichberechtigung bis zur Simulation einer UNO-Konferenz an Österreichs Schulen reicht das Angebot.

Eines der finanzierten Projekte nennt sich "Get Active" und ist ein Jugendforum. Der 28-jährige Josef Kreitmayer hat auf Respekt.net eine sechstägige Veranstaltung mit Jugendlichen eingereicht: "Uns haben rund zweitausend Euro gefehlt, um starten zu können", so Kreitmayer, "zehn Privatpersonen hat unser Projekt gefallen und sie haben das fehlende Geld zur Verfügung gestellt. Respekt.net ist für Menschen wie uns, die mit Eigeninitiative etwas auf die Beine stellen wollen, ein wichtiger Kanal zur Projektfinanzierung."

"Investition" in Zivilgesellschaft via Kreditkarte und Online-Banking

Laut der Gründungsinvestorin Maria Baumgartner soll Respekt.net nicht bei der Finanzierung von kleineren Projekten stehen bleiben. Bis Ende 2011 sollen 200 Projekte mit einer halben Million Euro finanziert werden. 2012 will man eine Million Euro erreichen.

Das nötige Geld dafür soll nicht nur von wohlhabenden Einzelpersonen kommen, sondern auch von Kleinspendern. "Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten mehrere tausend Personen sich auf Respekt.net registrieren und mindestens in ein Projekt investieren werden", so Baumgartner zu den Entwicklungszielen. Um den Usern das Spenden leicht zu machen, kann Geld an Projekte mit jedem üblichen Zahlungssystem überwiesen werden: Via Kreditkarte, Online-Überweisung und PayPal. Respekt.net übernimmt das Controlling und überprüft stichprobenartig die zweckmäßige Verwendung der Mittel.

"Versteuertes Geld" als Voraussetzung

Bisher sind 41 Privatpersonen in den Kreis der Gründer eingetreten. Sie haben den Verein Respekt.net gegründet und 350.000 Euro für den Aufbau und den Betrieb der Online-Projektbörse gespendet. "Die Gründer stellen ausschließlich ihr versteuertes Geld zur Verfügung", so Winkler. Sie zahlen zwischen 3.000 und 18.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Da der Aufbau und Betrieb von Respekt.net bis 2012 rund 500.000 Euro kostet, werden noch weitere Gründungsinvestoren aufgenommen.

Winkler, Unternehmensberater von Beruf, verweist auf die weltanschauliche Breite von Respekt.net: "Die Liste der Gründer ist vielfältig. Unternehmer, Wissenschafter, Künstler, Ärzte und Arbeitnehmer haben sich hier zusammengefunden, um etwas Neues zu erschaffen. Ebenso breit ist das Spektrum der politischen Meinungen -von konservativ bis links ist alles vorhanden." Einzig radikale Positionen wolle man nicht im Kreis von Respekt.net aufnehmen:
"Brandstifter lehnen wir ab, egal von welcher Seite sie kommen. Wir sind für die Brückenbauer da. Das erklärt auch unseren Namen", so Winkler abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Andrea Hiller
Generalsekretärin Respekt.net
0664 3841768
andrea.hiller@respekt.net
http://www.respekt.net

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