WKÖ: "Migration ist unverzichtbare ökonomische Ressource für Österreichs Betriebe"

.: Expertenrunde bei Medien.Messe.Migration mahnt Chancen der Migration in Österreich besser wirtschaftlich zu nutzen

Wien (OTS/PWK717) - Nützt Österreich die verschiedenen Kulturen und Communities im eigenen Land zu seinem wirtschaftlichen Vorteil? -war die zentrale Frage der Diskussion "Internationalität und Interkulturalität als ökonomische Chance" gestern, Mittwoch, auf der Medien.Messe.Migration im Haus der Wirtschaft. Zwar werde Migration als ökonomische Chance begriffen, so der einhellige Tenor, doch würden zahlreiche Problemfelder ungelöst bestehen: ungenügende Vernetzung von migrantischen Communities nach außen, bürokratische Schwierigkeiten für Zuwandererbetriebe, mangelnde Qualifikationen der migrantischen Arbeitskräfte.

"Migranten sind für Österreich eine unverzichtbar wertvolle Ressource. Wir brauchen Zuwanderung - ohne sie brechen die sozialen Systeme zusammen. Der Wirtschaft geht es keineswegs um Billigarbeitskräfte - wir brauchen die Besten für unseren Wirtschaftsstandort und müssen jene, die bei uns im Land sind, entsprechend den wirtschaftlichen Erfordernissen weiterbilden", verdeutlicht Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozial und Gesundheitspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Auch in Hinblick auf die Exporte sei Migration unerlässlich: "Während in Österreich ein Konjunkturlüftchen bläst, weht in Süd-Ost-Europa ein kräftiger Wind. Diesen Wind braucht die rot-weiß-rote Exportwirtschaft dringend, um zu wachsen. Hier liegen unsere Zukunftsmärkte und von dort stammen auch die meisten der in Österreich lebenden Menschen mit Migrationshintergrund"

Hannes Knett, WIFI Österreich, brachte es auf den Punkt: "Ein Schmoren alleine im rot-weiß-roten Saft, bringt uns um. Österreich kann es sich nicht leisten, auf das riesige Potenzial von Know-how und Interkulturalität zu verzichten. Auch erkennen und nutzen Wirtschaftstreibenden die Chance, die sich durch Zweisprachigkeit ergibt zu wenig."

"80 Prozent der Unternehmer sagen, sie nutzen ihr Exportpotenzial nicht vollständig - zum Beispiel weil es an den sprachlichen Kompetenzen im Betrieb fehlt", so Thomas Mayr, Geschäftsführer des Institutes für Bildungsforschung der Wirtschaft. "Hervorragende Deutschkenntnisse für Migranten sind unerlässlich, um das interkulturelle Potenzial zu nutzen." Mayr forderte auch, Probleme bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Arbeitsqualifikationen auszuräumen und verweist auf den besten Schutz vor Arbeitslosigkeit:
Bildung.

Alexander Biach, Direktor des Wiener Wirtschaftsbundes verwies auf den hohen Anteil von Personen mit migrantischem Hintergrund in Wien:
"Jeder vierte Wiener hat ausländische Wurzeln. Die migrantischen Betriebe waren in der Krise ein Fels in der Brandung, auf den die Wiener Wirtschaft bauen konnte", so Biach. Er zitierte aus einer Studie des Wirtschaftsbundes: "Der Bürokratieaufwand verursacht bei 73 Prozent der Wiener Betriebe Schwierigkeiten im Unternehmensalltag. Unter den migrantischen Betrieben waren es gar 86 Prozent. Hier muss es rasch zum Abbau bürokratischer Hemmnissen kommen."

Akan Keskin, Vizepräsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes, versuchte mit einem - seiner Meinung nach weitverbreiteten - Vorurteil aufzuräumen: "Migranten in Österreich arbeiten längst nicht nur als Gemüsehändler oder am Bau, sie sind beispielsweise auch als Finanzdienstleister und Unternehmensberater im Einsatz. Die Vernetzung mit anderen Kulturen bringt für Österreich - besonders in Wien - große Chancen, hier muss ein Umdenken in Gang gesetzt werden".

"Die Vernetzung von migrantischen Unternehmen erfolgt sehr stark innerhalb der Community. Wir müssen eine Vernetzung auch nach Außen ermöglichen", bekräftigte Petra Gregorits, PGM Marketing Research Consulting.

Abschließend bringt Gleitsmann ein weiteres Argument für Interkulturalität als ökonomische Chance: "Wien ist wegen seiner kulturellen Vielfalt als Standort für Headquarters von internationalen Konzernen gefragt. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir die Chancen der Zuwanderung nutzen und aktiver als bisher gestalten." (AC)

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