WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Hoffnung muss man noch nicht abschreiben - Hans-Jörg Bruckberger

Allerdings scheinen wir zuletzt nicht viel gelernt zu haben

Wien (OTS) - Intelligente Manager lernen aus Fehlern." Das war der lapidare Kommentar von Ferdinand Piech, als er Bernd Pischetsrieder 2002 das Steuer bei VW überließ. Ausgerechnet jenem Mann, der drei Jahre zuvor als BMW-Chef wegen des Rover-Debakels seinen Hut nehmen musste. So ein Fehler passiert einem, so die Piech'sche Logik, kein zweites Mal. Das hat was. Krisen haben oft etwas Bereinigendes. Mögen sie in der Situation noch so hart sein, am Ende hat sich dann doch etwas gebessert - Missstände werden korrigiert, Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Schließlich lernen wir gerade durch Misserfolge und Niederlagen ja dazu.

So viel zur Theorie. Die Praxis schaut - leider! - oft anders aus. Das zeigt gerade auch die jüngste bzw. aktuelle (je nachdem, wie optimistisch oder pessimistisch man ist) Finanz- und Wirtschaftskrise. Deren Auslöser waren ja ein Übermaß an Gier, Spekulation, Großmannsucht und Größenwahn. All diese feiern vielerorts schon wieder fröhliche Urständ. Von neuerlich abkassierenden Bankern bis zu den haussierenden und teils Bad News ignorierenden Börsen.

Auch das Übernahmekarussell hat wieder Fahrt aufgenommen, was an sich ja sogar erfreulich ist. Die gebotenen Preise jedoch sind teilweise schon wieder absurd. Bergbaugigant BHP beispielsweise hat ein 40-Milliarden-$-Offert für den Düngemittelriesen Potash gemacht. Das entspricht mehr als dem achtfachen Umsatz, sechsfachen Buchwert bzw. 30-fachen Gewinn.

Und täglich werden neue Mega-Deals bzw. - wie beim kolportierten Daimler-Interesse an der Fiat-Nutzfahrzeugsparte - zumindest Gerüchte bekannt. Ebenso täglich werden unterdessen gigantische Abschreibungen auf sündteure Übernahmen aus vergangenen Tagen bekannt. Siemens etwa muss in der Medizintechnik im vierten Quartal bis zu 1,4 Milliarden Euro abschreiben. Hintergrund sei eine, wie es heißt, "Neubewertung mittelfristiger Wachstumserwartungen und langfristiger Marktentwicklungen" in der Labordiagnostik. Diese wurde erst durch 2006 und 2007 getätigte Zukäufe groß aufgebaut. Vernunft, Sachlichkeit, Augenmaß und ein gesunder Realitätssinn wären bei künftigen Deals angebracht. Allein, wir haben, wie es scheint, eben doch nichts gelernt.

Genau hier gibt uns aber erst wieder Herr Piech Hoffnung: "Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben", sagte er, nachdem er Pischetsrieder erst wieder "abgesägt" hatte. Das Leben ist eben doch ein ständiger Lernprozess - selbst für so ein Kaliber wie den VW-Patriarchen.

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