film4all: Ab 2012 nur noch barrierefreie Film-DVD's

Arbeitsgemeinschaft "Barrierefreie Filme" plant Gütesiegel und Filmpreis für Audiodeskription & Untertitelung

Wien (OTS) - Ein besonderer Tag für die mehr als eine halbe
Million dauerhaft seh- und hörbeeinträchtigten Menschen in unserem Land: Heute Vormittag wurde im Wiener Café Griensteidl "film4all", die Arbeitsgemeinschaft "Barrierefreie Filme", aus der Taufe gehoben. Gründungsmitglieder sind - neben den Selbsthilfeorganisationen Österreichischer Blinden- und Sehbehindertenverband (ÖBSV) und Österreichischer Gehörlosenbund (ÖGLB) - der ORF, die RTR-GmbH bzw. FERNSEHFONDS AUSTRIA, das Österreichische Filminstitut (ÖFI), der Fachverband der Film- und Musikindustrie sowie die Barrierefreie Filme GmbH.

"Wir setzen uns gemeinsam für den Ausbau des barrierefreien Filmangebotes in Österreich ein", erklärt film4all-Organisator Mag. Raimund Lunzer, PR-Referent des ÖBSV. "Forciert werden sollen vor allem mit Audiodeskription und Untertitelung versehene österreichische Fernseh- und Kinofilme sowie deren barrierefreie Ausstrahlung im ORF, dem Privat-TV, in Kinos sowie via DVD's." Um dieses Ziel zu erreichen, möchten die Verantwortlichen einen Gütesiegel sowie einen Filmpreis "Barrierefreier Film" ins Leben rufen, auch barrierefreie Kinos in ganz Österreich stehen auf der Agenda.

"Ich begrüße die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Filme", freut sich Sissy Mayerhoffer, Leiterin des Humanitarian Broadcasting im ORF. Schließlich hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk seit der letzten Gesetzesnovelle einen klaren gesetzlichen Auftrag zur Barrierefreiheit und arbeitet bereits ambitioniert an einem Ausbau der Angebote für blinde und hochgradig sehbehinderte sowie für gehörlose und hörbehinderte Menschen. Die Bevölkerung wird immer älter, "zusätzliche Angebote wie Untertitelung und Audiodeskription werden in unserer Medienwelt also in jeder Hinsicht an gesellschaftspolitischer Bedeutung gewinnen". (Mayerhoffer).

Breite Unterstützung gibt es auch von Seiten der Filmwirtschaft. Danny Krausz, Obmann vom Fachverband der Film- und Musikindustrie:
"Hier sucht ein wesentliches Publikumssegment Zugang zum Film. Die Anliegen der Arbeitsgemeinschaft "Barrierefreie Filme" zu unterstützen, um den Bedürfnissen seh- und hörbehinderter Menschen besser gerecht zu werden, müssen daher auch Anliegen der Produktionswirtschaft sein."

Unterstützung erhalten die Produzenten von den Förderstellen. Dr. Alfred Grinschgl, Geschäftsführer der RTR-GmbH für den Fachbereich Rundfunk: "Es ist mir ein besonderes Anliegen, dass die Zugänglichkeit und Benutzbarkeit von Informationen und Medien für alle Menschen erleichtert oder sogar sichergestellt wird." Ab dem nächsten Jahr werden vom FERNSEHFONDS AUSTRIA bis zu 80 Prozent der Herstellungskosten von Untertitelung bzw. Audiodeskription gefördert.

"Mein Ziel ist es, dass ab 2012 jede DVD oder vergleichbare Datenträger eines geförderten Films betroffenengerecht zu hundert Prozent barrierefrei, also nicht nur untertitelt, sondern auch mit einer speziellen Audiodeskription versehen sind", lässt
Mag. Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstitutes, aufhorchen. Nachsatz: "Der unbehinderte Zugang aller Bevölkerungsgruppen zum österreichischen Film darf keiner Diskriminierung unterliegen."

"Leider gibt es noch immer viel zu wenig Hörfilme", beklagt Mag. Gerhard Höllerer, Präsident des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes und fordert: "Hier muss man bei den Fördergeldern ansetzen. Es sollten nur noch Filme mit öffentlichen Geldern gefördert werden, die für Menschen mit Sinnesbehinderung barrierefrei und damit mit Audiodeskription bzw. Untertitelung oder Gebärdensprache versehen sind. So sieht es die UN-Behindertenkonvention vor, die in Österreich geltendes Recht ist." Höllerer setzt große Hoffnungen in die neue Arbeitsgemeinschaft "Barrierefreie Filme", in der man sich "gemeinsam für einen konsequenten Ausbau von Audiodeskription und Untertitelung einsetzen" möchte. Auch der Österreichische Gehörlosenbund und sein Dienstleistungsunternehmen Servicecenter ÖGS.barrierefrei sieht es als seine Aufgabe an, "ein Netzwerk mit Filmschaffenden, Medien und Förderern aufzubauen und sich gegenseitig zu unterstützen". Generalsekretär und Vorstandsmitglied Ing. Lukas Huber: "Eine Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft "Barrierefreie Filme" kann für uns alle nur von Vorteil sein!"

Gaststar der heutigen Pressekonferenz war der Schauspieler Manuel "Falco" Rubey, der bereits in zwei barrierefreien Filmen (Echte Wiener 1 und 2) mitgespielt hat und die Anliegen von "film4all" voll unterstützt. Eingeleitet wurde die Podiumsdiskussion mit einer kurzen Vorführung von barrierefreien Filmsequenzen durch die Firma "Barrierefreie Filme GmbH" (am Podium: Alina Flatzek), deren Produzent Robert Winkler ein Pionier in Sachen Barrierefreiheit ist.

Zur Erklärung: Unter Audiodeskription versteht man Hinweise sind notwendig, die erklären, was im Bild vor sich geht. Akustischen Untertiteln vergleichbar, beschreibt eine Audiodeskription in knappen Worten zentrale Elemente der Handlung sowie Gestik, Mimik und Dekors. Die Bildbeschreibungen werden in den Dialogpausen eingesprochen. Audiodeskription heißt das Verfahren, das aus einem Film einen Hörfilm macht.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Raimund Lunzer, film4all
Tel. 0664 140 11 77
pr@blindenverband.at
http://members.aon.at/med4all

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BSV0001