TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Mittwoch, 22. September 2010, von Alois Vahrner: "Berglandmilch steht unter Zugzwang"

Tirols Milchbauern haben ganz klar für die heftig umkämpfte Fusion mit Bergland votiert. Diese steht nun unter genauer Beobachtung.

Innsbruck (OTS) - Zwei Drittel waren nötig, die mehr als 88
Prozent Zustimmung bei der entscheidenden Generalversammlung lassen keine Zweifel offen: Die Überzeugungs-Tournee der Tirol-Milch-Führung durch alle Bezirke hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Und auch der jüngste Schwenk der Landesspitze, allen voran von LH Günther Platter und Bauernbund-Obmann Anton Steixner. Beide warben zunächst für eine eigenständige Milch-Zukunft, sie konnten aber auch angesichts der Ende September auslaufenden Angebotsfrist der Oberösterreicher keine echte Alternative auf die Beine stellen. Die ins Spiel gebrachte Kooperation mit den Südtirolern war eine nette Idee, aber einfach noch zu wenig handfest. Und ein Alleingang erschien den Verantwortlichen nach den Fehlern und Flops der letzten Jahre zu riskant.
Mit der Tirol Milch kommt jetzt das prominenteste Symbol der Tiroler Nahrungsmittelerzeugung, ja der gesamten Landwirtschaft, unwiderruflich unter das Kommando der Berglandmilch. Diese warb mit allerlei Schalmeienklängen, Absichtserklärungen (wie Erhalt des Standorts Lienz) und echten Zugeständnissen um die Tirol Milch. Weil die oberösterreichischen Milchbosse genau wissen, welchen Wert die Marken Lattella und vor allem Tirol Milch haben (können). Dass daraus bisher viel zu wenig gemacht wurde und als Folge der Milchpreis für die Bauern ans unterste österreichische Ende gerasselt ist, schreckte Bergland nicht ab.
Kurzfristig winkt Tirols Bauern bereits ein höherer Milchpreis. Auf Sicht muss sich ein Erfolg der Fusion aber erst herausstellen. Die bisher sehr große Solidarität der Kunden mit den heimischen Bauern bleibt wohl nur dann gesichert, wenn in allen Tirol-Milch-Produkten tatsächlich nur Tiroler Milch drin ist.

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