Häupl/Brauner/Mailath: Wissenschaftshauptstadt Wien

Wien (OTS) - Wissen, Forschung und deren ökonomische Verwertung in Form neuer Technologien und innovativer Produkte bzw. Prozesse sind die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des Standorts Wien. Als Stadt der Wissenschaft und Forschung kann Wien auf eine lange Tradition verweisen. Neun Universitäten, vier Fachhochschulen, zahlreiche international renommierte Forschungsorganisationen, eine hohe Konzentration von Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt die Ballung industrieller Forschungs- und Innovationskompetenzen in der Stadt tragen zum Renommee als Wissensstandort bei. Die Stadt arbeitet aktiv daran, diese Entwicklung fortzusetzen und zu verstärken. Die Situation der Universitäten hinsichtlich Ressourcen, Personal und Räumen ist allerdings kritisch, und eine ausreichende Finanzierung für die Zukunft daher unerlässlich.

"Wir brauchen Universitäten des 21. Jahrhunderts, damit diese die intelligentesten Köpfe des 21. Jahrhunderts ausbilden können. Dafür benötigen die Universitäten aber auch modernste Infrastruktur. Die Stadt Wien hilft den Universitäten bei der Finanzierung und versucht junge WissenschafterInnen nachhaltig an die Stadt zu binden. Klar ist: Wir müssen alles daran setzen, die Zukunft von Österreichs Universitäten langfristig abzusichern. Nur so können wir unseren StudentenInnen bestmögliche Ausbildungschancen garantieren", so Bürgermeister Dr. Michael Häupl.

Die Wiener Universitäten - Zukunft der Wissensstadt Wien

Heute studieren in Wien über 153.000 Studierende an 6 wissenschaftlichen und 3 künstlerischen Universitäten. Dazu kommen über 10.000 Studierende an Wiener Fachhochschulen. Damit liegt Wien in einem ähnlichen Bereich wie vergleichbare metropolitane Regionen in Europa. Im nationalen Vergleich nimmt Wien eine Ausnahmestellung ein, da fast 60 Prozent aller in Österreich an Universitäten Studierenden in Wien studieren. Die Wiener Universitäten beschäftigen mittlerweile über 18.000 wissenschaftliche und künstlerische MitarbeiterInnen in rund 400 Forschung und Entwicklung betreibenden Einheiten (Institute, Uni-Kliniken u.ä.).

Wien finanziert Forschungsinfrastruktur

Obwohl die Förderung der Universitäten gemäß Kompetenzverteilung eindeutig dem Bund unterliegt, unterstützt Wien aufgrund der Wichtigkeit der Wiener Universitäten als zentrale Akteure im Bildungs-, Forschungs- und Innovationsbereich diese zusätzlich und gezielt in einzelnen ausgewählten Stärkefeldern.

So investiert die Stadt Wien in moderne, international konkurrenzfähige und gemeinschaftlich nutzbare Forschungsinfrastruktur. Beispielsweise wird die Schaffung neuer Einrichtungen wie des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (2 Mio. Euro) und des Quantenphysikzentrums an der Technischen Universität Wien (1 Mio. Euro) unterstützt. Weiters erhält der Campus Vienna Biocenter - dort sind Universität Wien und Medizinische Universität Wien über die Max F. Perutz Laboratories vertreten - von der Stadt Wien in den kommenden Jahren über 18 Millionen Euro für die Umsetzung ihrer "Vision 2020". Und die Universität für Bodenkultur bekommt für einen "Großgerätepool" über einen Zeitraum von 10 Jahren für die Anschaffung von Geräteinfrastruktur 10 Millionen Euro von der Stadt Wien.

Wien fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs

Durch Fonds wie die Hochschuljubiläumsstiftung oder den Fonds der Stadt Wien für interdisziplinäre Krebsforschung ermöglicht die Stadt hochaktuelle Spitzenforschung. Junge WissenschafterInnen werden über zahlreiche Stipendienprogramme gefördert, mit Stiftungsprofessuren wird die universitäre Lehre in spezifischen Themenfeldern verstärkt. Über den WWTF (Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds) fördert die Stadt Wien die Universitäten seit längerem mit dem Wiener Impulsprogramm für Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und mit dem Universitäts-Infrastrukturprogramm (UIP). Mit den Vienna Research Groups (VRG) wird ein weiterer Akzent in der Nachwuchsförderung in für Wien wichtigen Forschungsfeldern gesetzt. Für die ersten 3 ausgewählten "Vienna Research Groups" (VRG) stellt die Stadt Wien insgesamt 4,5 Millionen Euro zur Verfügung. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen wird im Jahr 2011 eine zweite Ausschreibungsrunde für zwei weitere Gruppen mit insgesamt 3 Millionen Euro finanziert. Insgesamt hat der WWTF seit 2003 bereits 60 Millionen Euro an Forschungsmitteln ausgeschüttet.

Bundespolitisches Finanzierungsbekenntnis fehlt

Diese zusätzlichen, freiwilligen, zielgerichteten und spezifischen Unterstützungen der Stadt Wien können jedoch ein zukunftsorientiertes Gesamtkonzept des gemäß Kompetenzverteilung zuständigen Bundes für die Universitäten nicht ersetzen. Aus Sicht der Wissenschaftsstadt Wien ist eine ausreichende Dotierung des tertiären Bildungssektors von Bundesseite unerlässlich, um den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Wien langfristig zu sichern. Folgende Punkte sind dafür zentral:

  • Anhebung des Universitätsbudgets auf 2 Prozent des BIP bis 2015 und die Zweckwidmung dieser Mittel für Lehre und Forschung
  • Sicherung von ausreichend Studienplätzen und Lehrpersonal
  • Wirksame Maßnahmen zur Anhebung der AkademikerInnenquote auf europäisches Niveau
  • Keine Wiedereinführung der Studiengebühren
  • Sicherstellung der studentischen Mitbestimmung
  • Eine an Inhalten orientierte Umsetzung des Bologna-Prozesses, die statt Verwaltungsfragen den zeitgemäßen und interdisziplinären Zugang zu wissenschaftlichen Fragestellungen in den Vordergrund rückt
  • Wirksame soziale Absicherung für Studierende: Grundlegende Reform des österreichischen Stipendiensystems

Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny zur Bedeutung der Universitäten für den Wissensstandort Wien: "Die Zukunft der Universitäten bestimmt die Zukunft der Gesellschaft. Wien braucht gut ausgebildete WissenschafterInnen und Universitäten, an denen die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen gelebt und gefördert wird. Die Stadt unterstützt die Hochschulen nach Kräften, es braucht aber vor allem auch ein bundespolitisches Bekenntnis zur ausreichenden Finanzierung".

Forschung und Innovation als Motor für den Wirtschaftsstandort Wien

Über 34.000 Menschen arbeiten in Wien in der Forschung in über 1.000 privaten oder öffentlichen Forschungseinrichtungen. Mit 3,2 Prozent Forschungsquote hat Wien das Barcelona-Ziel der EU bereits heute übertroffen. Die Wiener Universitäten sind Häuser der Wissenschaft, aber auch wichtige Akteure des Wiener Innovationssystems und unverzichtbarer Forschungs- und Bildungspartner für die innovationsaktiven Wiener Unternehmen. In dieser Rolle sind sie auch ein wichtiger Partner des ZIT - der Technologieagentur der Stadt Wien.

Wien fördert Wissenstransfer

So hat das ZIT beispielsweise im Rahmen der sogenannten "Technologieberatung" seit 2008 Institute von Wiener Universitäten mit Wiener KMU in 38 Projekten zusammengebracht und so den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die (klein-)betriebliche Praxis gefördert.

Dem Technologietransfer widmet sich auch das Universitäre Gründerzentrum "INiTS", das bereits 100 jungen Unternehmen den Weg von der Wissenschaft in die Wirtschaft geebnet hat. INiTS wird vom ZIT gemeinsam mit der Universität Wien und der Technischen Universität Wien getragen und von Seiten der Stadt mit rund 600.000 Euro pro Jahr unterstützt.

35 Wiener Universitätsinstitute sind auch an Wiener Kompetenzzentren, die von der Stadt Wien mit maximal 5 Millionen Euro pro Jahr mitfinanziert werden, beteiligt (24 von der TU Wien, 6 von der BOKU, 4 von der Uni Wien und 1 von der WU Wien).

Im Rahmen der regulären betrieblichen Technologieförderungen der Stadt Wien über das ZIT (sogenannte "Calls") stehen den Universitäten alle Programme für partnerschaftliche Anträge mit Wiener Unternehmen offen - im Förderprogramm "Kommunikation" können Universitäten auch alleine einreichen. Von 2002 bis heute hat die Stadt Wien über das ZIT insgesamt rund 17,5 Millionen Euro Förderzuschüsse an 34 geförderte Projekte vergeben, die von Wiener Universitäten selbst durchgeführt wurden oder bei denen Wiener Universitäten Partner eines Unternehmens sind.

"Wien wird seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung auch unter wirtschaftlich schwierigsten Rahmenbedingungen halten. Denn jeder hier investierte Euro ist eine Investition in die Zukunft des Standortes. In die Zukunft der Arbeitsplätze, der Wirtschaftskraft und nicht zuletzt in die Zukunft der Lebensqualität aller Wienerinnen und Wiener", so Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Mag.a Renate Brauner.

Wissenschaft als Basis gesellschaftlicher Entwicklungen

Um gesellschaftliche Entwicklungen zu analysieren und in Folge darauf zu reagieren, ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung unbedingt notwendig. Mit dem diesjährigen Call des Wiener Impulsprogramms für Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, "Diversität - Identität", fördert die Stadt Wien über den WWTF Projekte, die das Zusammenleben in der Stadt beforschen, mit 1,2 Millionen Euro. Die Themen decken ein breites Spektrum ab - vom integrationsstiftenden Potenzial sozialer Netzwerke und Online-Spiele über das Thema Musik/DJing für Jugendliche in Wien, die Bedeutung mehrsprachiger Kommunikation für MigrantInnen, bis hin zu demografischer Forschung mit spezifischem Blick auf die familiendemografische Analyse der Jüdischen Gemeinde in Wien.

Wien setzt auf Wissenschaftsvermittlung

Auch die Wiener Vorlesungen sind in diesem Kontext zu sehen: Mit diesem erfolgreichen Wissenschaftsvermittlungsprojekt wird aktuelle Forschung allgemein verständlich aufbereitet und bei Veranstaltungen mit bisweilen über 1.000 BesucherInnen verhandelt. Seit dem Beginn der Veranstaltungsreihe haben über 3.000 prominente WissenschafterInnen und ExpertInnen in über 1.100 Veranstaltungen eine Fülle an Themen vor über 500.000 ZuhörerInnen behandelt - offen für alle und bei freiem Eintritt. Die Wiener Vorlesungen tragen damit als Dialogforum der Stadt zu einem Klima der Offenheit und zu einer produktiven Auseinandersetzung von Gesellschaft und Wissenschaft bei. Begleitend zu den Vorträgen sind in 9 Buchreihen insgesamt über 200 Publikationen erschienen - aber auch die neuen Medien werden zur Dokumentation genutzt: Von einigen Terminen gibt es auf der Homepage auch Audio- oder Videomitschnitte sowie Aufzeichnungen in österreichischer Gebärdensprache (ÖGS).

BesucherInnen-Rekord beim 3. Wiener Forschungsfest

Auch das Wiener Forschungsfest, das vergangenes Wochenende zum 3. Mal stattfand widmet sich der Vermittlung von Forschungsinhalten und -erfolgen "made in Vienna". Beim "Wiener Forschungsfest 2010" im Prater konnten 14 Wiener Universitätsinstitute als Aussteller gewonnen werden. Und ein Großteil der renommierten Vortragenden bei den Vorlesungen im "Forschungsrad" lehren an Wiener Universitäten. Gut 25.000 WienerInnen besuchten am Wochenende das Ausstellungszelt auf der Kaiserwiese im Prater. Am Montag kamen nochmals rund 1.500 SchülerInnen aller Altersklassen und Schulstufen dazu.

Rückfragen & Kontakt:

Jakob Scholz
Mediensprecher StR Dr. Andreas Mailath-Pokorny
Tel.: 01/4000-81192
E-Mail: jakob.scholz@wien.gv.at

Mag.a Cécile Kochwalter
Mediensprecherin Vizebürgermeisterin Mag.a Renate Brauner
Tel.: 01/4000-81219
E-Mail: cecile.kochwalter@wien.gv.at

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