Vom Pferdefuhrwerk zum Kameraroboter - Kanalräumung ist mehr als im Abwasser zu waten

Harter Job, sensible Technik: Die Kanalräumer - eine Berufsgruppe stellt sich vor - Immer mehr Augenmerk auf Prävention von Rohrverstopfungen und Schäden

Wien (OTS/PWK708) - Ein Schatten huscht durch ein
Ziegelgewölbe. Im Halbdunkel läuft ein Mann mit Hut und Mantel durch verworrene Gänge. Dazu der Klang von Zittermusik. Szenen, die den Film "Der dritte Mann" weltberühmt machten. Szenen, die die "Unterwelt" einer Stadt so anschaulich präsentierten wie noch nie zuvor - so spannend kann die Kanalisation sein. Dass Touristen heute bei Führungen auf den Spuren von Harry Lime nicht brusttief im Abwasser oder durch unzählige Rattennester laufen müssen, dafür sorgt die Berufsgruppe der Kanalräumer. Und noch viel mehr: Sie sind dafür zuständig, dass alles, was wir ins Kanalsystem "einbringen", nicht plötzlich an unerwünschten Orten wieder auftaucht. "Die Tätigkeit der Kanalräumer umfasst mehr, als das Reinigen und die Spülung verschmutzter Abwasserleitungen, -kanäle und Schächte", erklärt Helmut Ogulin, Obmann des Fachverbands für Abfall- und Abwasserwirtschaft der WKÖ. "Unsere Mitgliedsunternehmen der Branche sind ebenso zuständig für die Räumung von Senk- und Sickergruben sowie Rückhaltebecken von Kläranlagen."

Kanalreinigung - wozu?

In jedem Haushalt fließen täglich mehrere hundert Liter Wasser durch die Abwasserkanäle. Mit dem Abwasser werden auch Feststoffe in die Kanalisation eingeleitet, die dort gar nicht hingehören. Zum einen sind das falsch entsorgte Abfälle, die in die Toilette geleert werden. Zum anderen Kies, Sand und Steine, die mit dem Abwasser eingeschwemmt werden. "Es gelangt ja nicht nur Abwasser aus dem WC in den Kanal", klärt Ogulin auf. "Waschbecken, Geschirrspüler- und Waschmaschinenabläufe sind allein die Abwasserzuläufe aus Haushalten. Dazu kommen noch Industrieabwässer und Regenwasser bzw. Abwässer von Straßen und Grundstücken. Vor allem durch letztere werden Kies und Sand eingeschwemmt." Ist die Fließgeschwindigkeit des Abwassers zu gering, kommt es zu Verstopfungen. Spätestens beim nächsten starken Regenfall sucht sich das Abwasser dann den Weg wieder zurück nach oben. Ebenso bilden sich durch Gärung Beläge und Gase, die für Geruchsbelästigung sorgen und die Rohre angreifen - Probleme, die Private ebenso betreffen wie Unternehmen und (vor allem) Kommunen. "In den vergangenen Jahrzehnten wurden in Österreich Milliarden Euro in die Abwasserbehandlung investiert, ein Anschlussgrad von über 70 Prozent an Kläranlagen wurde erreicht", stellt Ogulin die Situation in Österreich dar. "Wichtig ist es, die öffentliche Kanalisation werterhaltend zu warten, reinigen und instand zu halten. Die Unternehmen unserer Branche haben genügend Kapazität und Potenzial, jederzeit überall hin zu kommen und im Notfall für fachgerechte Reinigung zu sorgen." Letztendlich ebenfalls wichtiger Aspekt der Kanalreinigung: Der Ansammlung von Ungeziefer wird vorgebeugt - in regelmäßig gereinigten und durchgespülten Rohren bilden sich seltener Rattennester.

Kanalreinigung - wie?

Heutzutage gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Kanaltypen (Senkgrube, Industriekanal, Mischkanäle, Trennkanäle, Abwasserrohre,...) und Materialien, aus denen diese hergestellt sind. Die Idee der Reinigung ist aber immer dieselbe: Rasche und gründliche Entfernung der Feststoffe durch Wasser und "Belüftung" des Kanals. Dazu kommen Reinigungsfahrzeuge mit Hochdruckpumpen und einem speziellen Schlauch- und Düsensystem zum Einsatz. Eine durch einen Schlauch mit dem Fahrzeug verbundene Spezialdüse wird gegen Flussrichtung in das Rohr eingebracht. Der von der Pumpe erzeugte Wasserdruck (mehr als 100 Bar) treibt diese im Rohr vorwärts. Wenn das Ende der zu reinigenden Strecke erreicht ist, wird der Schlauch maschinell zurückgezogen und durch nach hinten gerichtete Düsenöffnungen das abzutransportierende Material von den Rohren gelöst und abgesaugt. Diese Reststoffe werden danach zu Kläranlagen geliefert, wo abgesaugter Sand gereinigt und zur Wiederverwendung aufbereitet wird. Die restlichen Materialien werden der fachmännischen Verwertung (Deponie, Energiegewinnung, ...) zugeführt.

Harter Job, sensible Technik

Bewältigt wird ein Reinigungseinsatz meist von zwei ausgebildeten Facharbeitern. Und das hat seine guten Gründe: Nicht nur kann unsachgemäße Reinigung die Rohre und Geräte beschädigen, auch die Gesundheit der Arbeiter selbst steht dabei auf dem Spiel. Ein Einstieg in Kanalisationen oder Gruben birgt immer Risiken in Form von Gas-, Rutsch- oder Absturzgefahr in sich. Gruben und Kanäle werden von Fachleuten daher erst nach erfolgter Kontrolle mittels Gaswarngerät bestiegen. Wie sehr sich die Technik in den vergangen hundert Jahren weiterentwickelt hat, zeigt sich am Tätigkeitsfeld der Kanalreiniger. Während in den Anfängen die Reinigung von Senkgruben und Kanälen mit Handpumpen und Pferdefuhrwerken das Kerngeschäft der Branche bildeten, wird heute großes Augenmerk auf die Prävention von Rohrverstopfungen und Schäden gelegt. Druckdichteprüfungen gehören ebenso zum Alltag der Kanalreiniger, wie die Kontrolle von Rohren und Schächten. "Seit Jahren verwenden unsere Mitgliedsunternehmen Kanalfernsehen", geht Ogulin auf die neuesten technischen Errungenschaften ein. "Mittels einer kleinen Kamera können selbst schmalste Rohre kontrolliert werden und etwaige Mängel lokalisiert werden." Neuester Clou der Kanalreiniger: Mit Kameras ausgestattete Roboter werden ins Rohr eingeführt und können ferngesteuert einfache Tätigkeiten, wie das Ausfräsen überstehender Einmündungsrohre, ausführen. Ebenso können schadhafte Rohre von innen (ohne diese ausgraben zu müssen) repariert werden. Besonders umweltfreundlich erweisen sich Recylingfahrzeuge bei der Kanalreinigung: Sie filtern das bei der Spülung abgesaugte Wasser und verwenden es gleich wieder für die Wasserdüsen - bei Wasserdurchflussmengen von 200 bis 600 Litern in der Minute eine durchaus löbliche Erfindung. (JR)

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Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der Abfall- und Abwasserwirtschaft
Mag.Christian Zinniel
Tel.: 01/522 25 92-14
E-Mail: zinniel@dieabfallwirtschaft.at

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