Alzheimer: Gesundheitssystem nicht fürs Altern gerüstet

Dorner: Betreuungsstrukturen sind mangelhaft / Unterstützung für Angehörige fehlt / Demenz darf kein Tabu sein

Wien (OTS) - Den Ausbau einer flexiblen, mobilen Pflege, mehr Tageszentren sowie spezielle Demenz-Wohngemeinschaften und mehr Unterstützung der Angehörigen - im Vorfeld des Welt-Alzheimer-Tages am 21. September forderte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, am Sonntag in einer Aussendung bessere Betreuungsstrukturen für Demenz- und Alzheimerkranke.

Derzeit gibt es über 100.000 Betroffene, doch Expertenschätzungen gehen laut letzt verfügbaren Daten von bis zu rund 270.000 Demenzfällen im Jahr 2050 aus. Alzheimer, die häufigste Form der Demenz, dürfe kein gesellschaftliches Tabu mehr sein, so Dorner. Österreich hinke bei flächendeckenden Vorsorge-, Früherkennungs- und Betreuungsprogrammen im internationalen Vergleich hinterher. "Wenn wir jetzt keine Strategien mit entlastenden Strukturen entwickeln, um Demenzkranke optimal zu betreuen, wird diese Krankheit zur tickenden Zeitbombe für unser Gesundheitssystem", warnte der Ärztepräsident. Studien würden zeigen, dass die Gesundheits- und Pflegekosten durch Demenz von derzeit rund 1,7 Mrd. Euro auf 4,6 Mrd. Euro im Jahr 2050 steigen.

"Besonders flächendeckende dezentrale Versorgungsnetze wie Tageszentren zur Kurzzeitbetreuung, einheitliche Pflegestandards oder die Verankerung der medizinischen Hauskrankenpflege in den Kassen-Verträgen sind gefordert", so Dorner. Denn immerhin würden die Angehörigen die Hauptlast der Pflege tragen. "Bis zu 80 Prozent der Alzheimer-Patienten werden zu Hause versorgt, der Großteil von Frauen. Diese Menschen brauchen besondere Unterstützung. 50 Prozent sind bereits selbst krank", schlug Dorner Alarm. In diesem Zusammenhang seien Diskussionen um Pflegegeldkürzungen mehr als zynisch. Stattdessen bräuchte es Supervision für Angehörige und Krisentelefone. "Mir ist klar, dass das alles Geld kostet, aber wenn wir schon davon reden: In häuslicher Pflege kostet ein Demenzpatient etwa 10.700 Euro pro Jahr, in einer stationären Einrichtung 25.000 bis zu 43.000 Euro", rechnete der Ärztechef vor. "Von einer Unterstützung der Angehörigen profitieren alle."

Die Gesellschaft müsse endlich lernen, angemessen mit dem Altern umzugehen, appellierte der Ärztepräsident. "Krankheiten wie Alzheimer kann man nicht wegcremen. Auch die Vorsorge und Früherkennung müssen daher forciert werden." Dazu würden neben einem gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung auch das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten und die intellektuelle Beschäftigung bis ins hohe Alter zählen. Bei der Früherkennung stünden Angehörige neben den Hausärzten an vorderster Front. "Symptome wie häufige Vergesslichkeit, Wesensänderungen oder ein eingeschränktes Urteilsvermögen gehören schnellstmöglich abgeklärt", erklärte Dorner abschließend. (zk)

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