Kärnten forciert Initiativen im Lehrlingsbereich

LHStv. Scheuch will neue Lehrberufe im Sozial- und Altenbereich einführen und fordert eigenes Staatsekretariat für Lehrlingswesen

Klagenfurt (OTS/LPD) - Der Geburtenrückgang führe auch bei der Lehrlingsausbildung zu neuen Herausforderungen, sagte Lehrlingsreferent LHStv. Uwe Scheuch heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz. Im Pflichtschulbereich gebe es jährlich 500 bis 1.000 Schüler weniger. Seine Aufgabe sei es daher, die Anreize für die Lehre zu steigern, um auch künftig die Facharbeiterausbildung sicherzustellen. "Mit Initiativen bei der Berufsorientierung und der Sozial- und Altenpflege wollen wir Verbesserungen erreichen. Weg von den üblichen Berufsbildern, hin zu einem modernen Bild der Lehrlingsausbildung", kündigte der Kärntner Lehrlingsreferent an.

In Kärnten gibt es derzeit rund 10.000 Lehrlinge. Im August standen 700 Lehrstellensuchende 500 offenen Stellen gegenüber, ein für diesen Zeitraum durchschnittliches Verhältnis. Im überwiegenden Fall wollen Mädchen klassische Berufe wie Friseurin oder Verkäuferin, Burschen beispielsweise KFZ-Techniker erlernen, dieser eintönige Trend erschwert die Lehrstellensuche. Waren üblicherweise immer mehr als 50 Prozent der Jugendlichen in der Lehrlingsausbildung, so hat sich dieses Verhältnis umgekehrt: Derzeit sind rund 55 Prozent der jungen Kärntnerinnen und Kärntner in der Schule, und nur 45 Prozent in einer Lehre. Mit verschiedenen Initiativen versucht man in Kärnten, hier gegenzusteuern. Lehre mit Matura, Heimkostenzuschüsse für Lehrlinge, die Lehrlingsakademie des Landes mit rund 20 bis 25 Lehrlingen jährlich und das Jugendstartgeld, über das bereits rund eine Mio. Euro für die Förderung von Mobilität, Zweitwohnsitz oder Weiterbildung an 1.800 Lehrlinge geflossen ist, sind nur einige davon.

Besonderes Augenmerk will Scheuch jetzt auf die richtige Berufsorientierung legen. "Wir fördern seit 2009 besondere Berufs-und Bildungsorientierungsberater als Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft. Außerdem werden wir die Eltern noch stärker in diesen Prozess einbinden, weil sie wichtige Faktoren bei der Berufswahl der Kinder sind. Spezielle Informationen für oder Lehrlings-Schnuppertage mit Eltern sind geplant", erklärte Scheuch.

Mit der Bundesregierung steht man auch in Verhandlungen bezüglich der Frage des Versicherungsschutzes für alle Lehrlings-Schnuppertage außerhalb der Pflichtschulzeit. "Bisher hat sich der Lehrherr wegen der fehlenden Unfallversicherung oft nicht getraut, den Schnupperer in seinem Betrieb über das jeweilige Berufsbild zu informieren. Die Schnuppertage sind ja außerhalb der Pflichtschulzeit keine Schulveranstaltung im Sinne des SchUG. Dieses Manko gehört behoben. Außerdem möchte ich mit der Bundesregierung ausverhandeln, dass die in den Unterstufen möglichen Schnuppertage bei Bedarf verlängert werden können. Jeder Schüler soll das Recht auf eine umfangreiche Berufsorientierung haben. Das würde viele Jugendliche im richtigen Zeitpunkt noch gezielter und intensiver bei der richtigen Berufswahl unterstützen", so Scheuch. Weiters fordert er, dass das Projekt "Lehre mit Matura", dessen Laufzeit mit 2012 begrenzt ist, dauerhaft eingeführt wird.

Eine Lücke im Gesetz gibt es auch bei Freifahrten von Jugendlichen in Qualifizierungsmaßnahmen. "Wenn jemand zum Beispiel Vorbereitungskurse für lernschwache Jugendliche besucht oder andere Qualifizierungsmaßnahmen absolviert, die nicht dem §30 BAG Ausbildungen entsprechen, so bekommt er keine Freifahrt. Auch hier wollen wir eine Gleichstellung erreichen, die dem Berufsausbildungsgesetz unterliegt", so Scheuch.

Besonderer Schwerpunkt der kommenden Monate würden Verhandlungen über die Anerkennung neuer Lehrberufe in der Sozial- und Altenpflege sein, versprach Scheuch. "Aufgrund der demographischen Entwicklung werden Berufe wie Heilmasseur, Kranken- oder Altenpfleger immer wichtiger. Diese sind aber keine anerkannten Lehrberufe, eine Lehrlingsausbildung ist daher bisher nicht möglich. Unser Ziel ist es, das Sozialministerium zu überzeugen, damit wir ab Sommer 2011 in Kärnten mit einem Ausbildungspilotversuch starten können", so Scheuch.

Scheuch fordert von der Bundesregierung ein sichtbares Zeichen für die Facharbeiterausbildung in Österreich. "Die österreichische Wirtschaft ist auf heimische Fachkräfte angewiesen. Meiner Meinung nach wäre es ein durchaus überlegenswertes positives Signal, mit der Einführung eines eigenen Staatsekretariats den 120.000 Lehrlingen in Österreich auch eine eigene Ansprechstelle zu geben. Dieser Staatssekretär soll sich für die Anliegen der Lehrlinge und Lehrherren einsetzen, um neue Lehrberufe bemühen und als Schnittstelle zwischen Jugend, Schule und Wirtschaft dienen", meinte der Kärntner Lehrlingsreferent.
(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Kärntner Landesregierung, Landespressedienst
Tel.: 05- 0536-22 852
http://www.ktn.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NKL0001