Lugger und Amann präsentieren bei 16. St. Wolfganger Tagen aktuelle Analyse der Wohnkosten in Österreich:

Zu hohe Qualitätsnormen gefährden stabiles System

St. Wolfgang (OTS) - Eine Analyse der Wohnkosten in Österreich präsentierten bei den 16. St. Wolfganger Tagen der Obmann der ARGE Eigenheim, Prof. Dr. Klaus Lugger und Dr. Wolfgang Amann. Dabei ging es den Studienautoren vor allem darum, eine allgemein taugliche Interpretationsgrundlage der zahlreichen Basisdaten zu erarbeiten. Lugger: "Damit könnte die gängige Praxis beendet werden, dass jede Lobby immer nur das aus der Wohnstatistik herausliest, was ihr gerade in den Kram passt." Die zu hohen Qualitätsnormen gefährden Lugger zufolge immer mehr die bisher stabile Entwicklung.

ÖVP-Wohnbausprecher NR Johann Singer, Oberösterreichs Wohnungsreferent LHStv. Franz Hiesl und Bauexpertin Dr. Margarete Czerny vom Wifo betonten die Wichtigkeit von Luggers und Amans Analyse, die von den rund 100 Delegierten intensiv diskutiert wurde. Singer: "Es ist sehr wichtig, die Entwicklung der Wohnkosten im Auge zu behalten damit der Wohnungsmarkt weiterhin allen sozialen Schichten zugänglich bleibt."

Hiesl betont: "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss die Leistbarkeit von sozialem Wohnbau für die Menschen sichergestellt sein. Manche gesetzliche Anforderungen sind einfach nicht mehr zeitgemäß, aber sie verursachen höhere Wohnkosten. Deshalb müssen wir das System der Wohnbauförderung weiterentwickeln und alle Rahmenbedingungen genau unter die Lupe nehmen".

Für Czerny ist "sicheres Wohnen ein Gebot der Stunde - vor allem vor dem Hintergrund der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung. Die wohnungspolitischen Instrumente sind ein wichtiger Grant für die Sicherung einer leistbaren Wohnungsversorgung in der Zukunft".

Die Entwicklung der Wohnkosten ist ein politisches Topthema, ist Amann überzeugt: "Mit dieser Studie konnten wir aufzeigen, dass sich nicht alle von der Statistik festgestellten Kostensteigerungen im Geldbeutel der Österreicher auswirken. In vielen Fällen ist die Statistik selbst für die Kostensteigerungen verantwortlich. Wir müssen mit den verfügbaren Daten wirklich behutsam umgehen. Die Wohnkostenstatistik ist eine wertvolle Quelle für wohnungspolitische Analysen. Sie eignet sich aber nicht für interessenpolitische Schnellschüsse. Wenn sie dafür missbraucht wird, kommt es leicht dazu, dass von denselben Daten gegensätzliche Positionen abgeleitet werden. Das ist offensichtlich wenig hilfreich, wenn es darum geht, unser wohnungspolitisches System ohne ideologische Scheuklappen weiterzuentwickeln."

Moderater Anstieg der Wohnkosten ähnlich der Gesamtteuerung

Die Wohnkosten in Österreich steigen gemäß Mikrozensus moderat an. Die stark überdurchschnittlichen Kostensteigerungen 2004 sind überwiegend auf methodologische Gründe zurückzuführen. Im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2009 stieg der Wohnungsaufwand um 2,4% pro Jahr, ohne Berücksichtigung der Jahre 2004 und 2005 um nur 1,8%. Der durchschnittliche Anstieg des Verbraucherpreisindex lag im selben Zeitraum bei 1,9%.

Betriebskosten stagnieren bei kaum der halben Inflation

Bemerkenswert ist die geringe Zunahme der Betriebskosten um nur 0,7% p.a. zwischen 2001 und 2009. Dadurch ist ihr Anteil am gesamten Wohnungsaufwand von 35% in den 1990er Jahren auf 31% gesunken. Die Betriebskosten können damit nicht mehr länger als Kostentreiber gebrandmarkt werden. Sie tragen im Gegenteil zur Stabilisierung der Wohnkosten bei.

Stabile Wohnkostenbelastung

Der durchschnittliche Wohnungsaufwand aller Wohnungen (inkl. Betriebskosten und USt., aber ohne Energie) liegt aktuell bei 5,50 Euro/m2, jener der Mietwohnungen bei 6,20 Euro/m2. Die EU-Armutsstudie belegt eine stabile Situation der Wohnversorgung mit überwiegend guten oder sehr guten Werten im internationalen Vergleich, allerdings mit einer Verschärfung der Situation für armutsgefährdete Haushalte. 2009 liegen die Mieten im gemeinnützigen Sektor bei 5,70 Euro/m2 um 13% unter jenen privater Mietwohnungen (Euro 6,60.-).

Steigende Wohnkosten wegen zunehmender Wohnflächen

Gemäß Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung macht Wohnen (einschließlich Energie) 22,4% der Konsumausgaben privater Haushalte aus. Dieser Anteil steigt seit Jahrzehnten an. Er lag Anfang der 1990er Jahre bei ca. 17% und erreichte 2005 21%. Der langfristige Anstieg der Konsumausgaben für Wohnen ist gut aus der Zunahme der durchschnittlichen Wohnfläche pro Person erklärbar, die seit Anfang der 1990er Jahre um fast 30% auf heute über 42m2 zulegte.

Wohnbauförderung unter massivem Druck

Amann: "Zuletzt trugen die sehr niedrigen Kapitalmarktzinsen dazu bei, dass der zusätzliche Aufwand kaum auf die Mieten durchschlug. Dies wird sich mittelfristig mit Sicherheit ändern. Die Wohnbauförderung der Länder wird in sinkendem Ausmaß in der Lage sein, den steigenden Kostendruck abzufedern. Die Wohnbauförderung steht unter massivem Druck, einerseits aufgrund von Budgetrestriktionen, andererseits wegen dem verstärkten Einsatz in der Sanierung und die steigenden Kosten für Wohnbeihilfen."

Lugger warnt vor zu hohen Qualitätsstandards

Sorgen bereiten dem ARGE-Obmann die vielfältigen Kostenschübe im Bereich der Grund- und Bau- und Bewirtschaftungskosten. An Beispielen nennt Lugger:

Zu viele vorgeschriebene Tiefgaragenplätze (Pro Wohneinheit bis zu drei TG-Plätze); das Nullenergiehaus; Ergebnisse von Architektenwettbewerben, die mehr die äußere Hülle als die Kundenbedürfnisse zum Inhalt haben, Liftanlagen ab dem 2. Stock, Verbot von Wohnungen im Erdgeschoß usw.

Rückfragen & Kontakt:

Prof. Dr. Klaus Lugger
Obmann der ARGE Eigenheim
Tel. +436502004505, lugger@nht.co.at

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