Krisenbewältgung nicht zulasten der Menschen

Internationaler Gewerkschaftsbund zieht Bilanz nach 20 Jahren Wende

Wien (OTS/ÖGB) - Um Fragen der Identitäten und Orientierung der Gewerkschaften ging es am Donnerstag Nachmittag bei der PERC-Konferenz in Wien. Durchaus selbstkritisch wurde die eigene Arbeit unter die Lupe genommen. Tenor war dennoch, dass es gerade in der Krise starke Gewerkschaften brauche, denn die Folgen der Krise hätten ansonsten wieder die ArbeitnehmerInnen zu tragen.++++

"In der EU-Startegie 2020 fehlen konkrete Pläne für Osteuropa", kritisierte Prof. Krastyo Petkov von der Universität für nationale und globale Ökonomie in Sofia, Bulgarien. "Die Bekämpfung der Folgen der Krise hilft wieder nur denen, die vom Transformationsprozess in Osteuropa schon profitiert haben. Die breite Masse der Arbeitnehmer und die Pensionisten werden zum zweiten Mal verlieren." Zuerst hätten sie, so Petkov, durch ungerechte Verteilung des Wohlstandes im Zuge des Transformationsprozesses verloren, nun durch die Krisenbekämpfung, die wieder nur den Reichen helfe. "Die Zahl der Millionäre in Bulgarien ist trotz Krise gestiegen", so Petkov.

Boris Kravchenko, Generalsekretär der Gewerkschaft KTR in Russland, sah auch die Rolle der Gewerkschaften durchaus selbstkritisch: "Wir brauchen jetzt sehr konsequente Gewerkschaftspolitik und müssen die Rechte der Gewerkschaften verteidigen und stärken, das ist wichtiger als Sitze im Parlament." Er plädiert dafür, dass die Gewerkschaften ein eigenständiges Image aufbauen und zu ihren Haltungen stehen, selbst wenn dadurch politische Allianzen schwieriger würden. "Wir brauchen aber Allianzen mit anderen Organisationen, denn die Regierung blockiert beim Streikrecht oder beim Arbeitsrecht."

"Die Arbeitslosigkeit in Georgien ist hoch, Arbeitsrecht wird nicht umgesetzt, obwohl das auch internationalen Organisationen zugesagt wurde", kritisierte Irakli Petriashvili, Präsident der georgischen Gewerkschaft GTUC, die Situation in seinem Land. "Die Regierung will nur Schönwetter-Zusammenarbeit, Kritik ist nicht erwünscht, die Gewerkschaften sollen gefügig gemacht werden." Internationale Solidarität sei für die Arbeitnehmer in Georgien die einzige Hoffnung.

"Die Staaten in Zentral- und Osteuropa sind nach der Wende nicht generell schwächer geworden", berichtete Dimitrina Dimitrova, Expertin bei der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf. "Sie waren im Gegenteil sehr stark darin, gute Bedingungen für den Kapitalismus zu schaffen. Das müssen wir umkehren", plädierte die ILO-Expertin für gute Bedingungen für die Menschen in Europa.

Die Konferenz ist zu jeder Zeit für MedienvertreterInnen zugänglich.

15. bis 17. September 2010
ÖGB, Bürohaus Catamaran
Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien

PERC steht für Pan European Regional Council, ist innerhalb des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) angesiedelt und wurde im März 2007 gegründet. Mikhail Shmakov, Präsident der Russischen FNPR, ist derzeit PERC-Vorsitzender.

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