Gewerkschaften müssen mitgestaltende Kraft sein

Internationaler Gewerkschaftsbund zieht Bilanz nach 20 Jahren Wende

Wien (OTS/ÖGB) - Veränderungen der industriellen Beziehungen standen im Mittelpunkt der Beratungen am zweiten Tag der PERC-Konferenz im ÖGB-Haus in Wien. Welche Systeme gibt es, mit welchen Strategien gingen und gehen die Gewerkschaften die industriellen Beziehungen an, mit welchen Resultaten, und welche Lehren zieht man heute daraus.

Heribert Kohl vom Büro für wissenschaftliche Publizistik und Politikberatung in Erkrath/BRD, ging auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für Gewerkschaftsbewegungen in Europa ein, ebenso auf mögliche gemeinsame Strategien. "Die meisten Staaten halten sich aus dem sozialen Dialog heraus", berichtete Kohl. "In Frankreich kann allerdings ein Tarifvertrag von der Regierung auf den gesamten Sektor ausgeweitet werden." Als Best-Practice-Beispiel für gelungene Zusammenarbeit im Tarifsektor nannte Kohl das "Wiener Memorandum". Dabei vereinbarten Gewerkschaften aus Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Bayern verstärkte Kooperation im Rahmen der Tarifverhandlungen.

In Zeiten der Sowjetunion seien die Gewerkschaften auch gesellschaftspolitisch eine dominierende Kraft gewesen, berichtete Nina Kuzmina, Vizepräsidentin des größten russischen Gewerkschaftsverbandes FNPR. Nach dem Zerfall der Sowjetunion hätten die Gewerkschaften viele Rechte verloren und sich neu etablieren müssen. "Wir haben nicht an einem Strang gezogen, wurden gegeneinander ausgespielt, die Nachwirkungen sind immer noch deutlich sichtbar", so Kuzmina. Einfluss der Gewerkschaften auf die Politik sei dennoch vorhanden, allerdings bedauerte Kuzmina, dass es auch "Informationssperren" gäbe, "Gewerkschaften werden zum Beispiel zu Fernsehdiskussionen nur eingeladen, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt."

Frank Hantke von der Friedrich Ebert-Stiftung in Berlin legte bei seinen Ausführungen den Fokus auf Gesamt-Europa, nicht bloß die so genannten Transformationsländer: "Wenn sich Gewerkschaften nicht so entwickelt haben wie gedacht, gibt es eine Gesamtverantwortung", so Hantke. Nach der Wende hätte es eine Vielzahl an Hilfsangebot an die sich neu orientierenden Gewerkschaften gegeben - "war es zuviel, zu unkoordiniert? Wir müssen das in den Griff bekommen", sagte Hanke über die Zusammenarbeit von Gewerkschaften in Europa und die gegenseitige Unterstützung.

Die Konferenz ist zu jeder Zeit für MedienvertreterInnen zugänglich.

15. bis 17. September 2010
ÖGB, Bürohaus Catamaran
Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien

PERC steht für Pan European Regional Council, ist innerhalb des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) angesiedelt und wurde im März 2007 gegründet. Mikhail Shmakov, Präsident der Russischen FNPR, ist derzeit PERC-Vorsitzender.

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