"Jetzt Gegensteuern!" Umfrage bestätigt Handlungsbedarf bei Bürokratieabbau in Wien

Gfk-Umfrage im Auftrag des Wiener Wirtschaftsbundes zeigt, dass 73% der Unternehmer sich problematisch über die Wiener Verwaltung äußern. 250 Mio. Euro Einsparungen wären zu heben.

Wien (OTS) - Wiens Wirtschaft sichert mit ca. 90.000 Unternehmern über 600.000 Arbeitsplätze und leistet dabei einen unverzichtbaren Anteil für den gesellschaftlichen Wohlstand in der Bundeshauptstadt. Aber nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Ausbilder und als Impulsgeber für Forschung und Entwicklung ist die Wirtschaft für Wien wichtig. Die Unternehmer der Hauptsstadt haben auch in der Krise Verantwortung gezeigt. Dennoch wird den Gewerbetreibenden das Wirtschaften nicht leicht gemacht. In Bratislava benötigt man für die Genehmigung einer Betriebsstätte durchschnittlich 66 Tage, in Wien dauert ein Verfahren 122 Tage. "Das dadurch viel an ökonomischer Dynamik und somit an Wertschöpfung verloren geht, liegt auf der Hand" zeigt sich Jank, Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes und Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, besorgt.

73% sehen Bürokratie kritisch - 2 von 3 sogar zunehmend
2.300 Unternehmen nahmen an der Umfrage, die mittels der CAWI-Methode online durchgeführt wurde, teil. Dr. Peter Ulram, vom Institut Gfk-Austria fasst zusammen: "73% der Befragten sehen die städtische Verwaltung als notwendiges Übel und Hindernis für ihre unternehmerische Tätigkeit, 2 von 3 Selbständigen (63% zu 37%) sehen eine Zunahme von Verwaltungshemmnissen.

Verwaltungsabläufe wurden differenziert abgefragt
15 Verwaltungsfälle aus dem durchschnittlichen Unternehmensleben wurden untersucht; bei Behördenverfahren sind üblicherweise bis zu 5 Verwaltungsabteilungen befasst.
56% der Selbständigen erwarten sich bessere Förderungen und Unterstützung bei der Suche von Betriebsflächen.
53% sind mit der Abwicklung von Anträgen im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung unzufrieden.
Besonders kritische Erfahrungen machen die Unternehmer bei Ansuchen um Ladezonen, 57% sind mit der Abwicklung und den Ergebnissen nicht zufrieden.
Erfahrungen bei Betriebsanlagengenehmigungen und Bauverfahren werden von 49% der Befragten als negativ beschrieben.
Mit 65% bzw. 64% positiver Nennung wurde die Abwicklung der Gewerbeanmeldung und Standortverlegung beurteilt.

"Bei der Zersplitterung der Kompetenzen innerhalb der Stadtregierung, weiß oftmals die linke Hand nicht was die rechte tut" sieht Jank Handlungsbedarf. Die damit einher gehenden Verlängerungen der Verfahrensdauer sind in doppelter Weise kostenintensiv - sie belasten die Unternehmen und das Verwaltungssystem gleichermaßen. "Künftig müssen sämtliche Verwaltungsverfahren mit denen Unternehmer konfrontiert sind neu organisiert und strukturiert werden. Die politische Verantwortung muss im Wirtschaftsressort liegen".

Vorschläge zur Steigerung der Effizienz und Akzeptanz der Verwaltungsabläufe
Befragt nach den Vorschlägen für eine effizientere Verwaltung ergaben sich sieben Hauptanliegen.
? 83% erwarten sich vor allem berechenbare und nachvollziehbare Auflagen.
? Fast gleich auf mit fast 75% fordern die Unternehmer mehr Beratung vor Entscheidungen durch die zuständigen Behörden und einen Hinweis auf Musteranträge (72%)
? 82% der Befragten wünschen einen Ausbau des Online Service
? 76% fordern eine Senkung der Abgaben für Behördenverfahren
? 65% wünschen sich eine elektronische Aktensammlung
? 67% sehen die Einrichtung eines Verfahrenskoordinators als entscheidende Entlastung (eine Person, die Unternehmer zu den richtigen Stellen bringt und bei sämtlichen Verfahrensschritten hilfestellend und optimierend begleitet).

Woran es am Wiener Wirtschaftsstandort fehlt
Obwohl Wien das Wirtschafts- und Bildungszentrum Österreichs ist, hinkt es dem Bundesschnitt mittlerweile kräftig hinterher. So lag das durchschnittliche jährliche reale Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahrzehnt mit +2,2 Prozent deutlich hinter dem gesamtösterreichischen (+2,8 Prozent). Zusätzlich verläuft der Rückgang der Arbeitslosenzahlen in Wien am schleppendsten von allen Bundesländern.

Aus diesem Grund fragte der Wirtschaftsbund in der "Jetzt Gegensteuern" Umfrage woran es am Wiener Wirtschaftsstandort fehlt. Die Top-Nennungen sind:
? Bürokratie abbauen
? Verfahrensvereinfachung
? Gebührensenkung
? Vereinfachung und bessere Abstimmung des Förderwesens
? mehr Investitionen in die Infrastruktur
? mehr Investitionen in Forschung und Innovation

250 Mio. Euro Entlastung möglich
In Wien bestehen Hunderte von Landesgesetzen und Verordnungen mit einigen Tausenden von Paragrafen. Diese müssen rigoros durchforstet und sämtliche die Wirtschaft belastenden Bestimmungen abgeschafft werden. "Ich fordere daher einen Durchführbarkeits-Check für alle Wiener Gesetze und Verordnungen, damit die Gesetzesfolgekosten in die Entscheidung einfliessen können. Denn: Eine Reduktion der bestehenden Überregulierung um 25% würde die daraus resultierenden wettbewerbschädlichen Kosten für die Wiener Wirtschaft um rund 250 Mio. Euro verringern!" zeigt sich Jank überzeugt. (Schluss)

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