Erstmaliger Anstieg der Bilanzsumme der Banken seit Ende 2008

Unkonsolidierte Geschäftsentwicklung der österreichischen Banken im 1. Halbjahr 2010

Wien (OTS) - Bei der unkonsolidierten Bilanzsumme wurde erstmals seit Ende 2008 wieder ein Anstieg (+4,03 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2010) verzeichnet, welcher großteils auf Forderungen an ausländische Kreditinstitute und Verbindlichkeiten gegenüber diesen zurückzuführen war. Der Stand Ende Juni 2010 ereichte jedoch nicht das Niveau und den Höchststand (1.071,10 Mrd EUR) zum Zeitpunkt des Beginns der Wirtschaftskrise (Ende September 2008). Im ersten Halbjahr 2010 war weiters ein Wachstum der Einlagen um 4,33 Mrd EUR (+1,6%) erkennbar. Dabei erhöhte sich vor allem der Stand der Sichteinlagen deutlich (+4,87 Mrd EUR). Im Gegensatz dazu ging das Volumen der Spareinlagen leicht zurück (-1,3%). Die Auslandsforderungen erhöhten sich um 4,4% und die Auslandsverbindlichkeiten um 3,7%. Der Zuwachs im Auslandsgeschäft ging hauptsächlich auf das Interbankengeschäft zurück.

Ende Juni 2010 belief sich die unkonsolidierte Bilanzsumme der in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute auf 1.037,98 Mrd EUR. Aufgrund der folgenden Entwicklungen konnte in den ersten 6 Monaten ein leichter Anstieg von 0,4% festgestellt werden:

Die Gesamteinlagen bei allen in Österreich meldepflichtigen Kreditinstituten beliefen sich auf ein Volumen von 283,45 Mrd EUR. Die Einlagenentwicklung war durch einen deutlichen Zuwachs der Sicht-(+4,87 Mrd EUR bzw. +5,6%) und Termineinlagen (+1,47 Mrd EUR bzw. +4,4%) charakterisiert. Der Stand der Spareinlagen reduzierte sich hingegen um 2,02 Mrd EUR. Ende Juni 2010 verteilte sich das Volumen auf 55,4% Spareinlagen (156,97 Mrd EUR), 32,4% Sichteinlagen (91,70 Mrd EUR) und 12,2% Termineinlagen (34,78 Mrd EUR). Das Einlagenwachstum war sektoral mehrheitlich auf nichtfinanzielle Unternehmen (+2,39 Mrd EUR) zurückzuführen - in der Kategorie Sichteinlagen (+2,45 Mrd EUR) war der größte Zuwachs zu beobachten. Auch die Nichtbanken-Finanzintermediäre (+0,86 Mrd EUR) und der Sektor Staat (+0,49 Mrd EUR) wiesen Gesamteinlagenzuwächse auf. Die privaten Haushalte wiesen in Summe einen geringen Zuwachs von 0,26 Mrd EUR aus, welcher sich aus einem deutlichen Plus bei den Sichteinlagen (+2,24 Mrd EUR) sowie aus Rückgängen bei den Spar-(-1,84 Mrd EUR) und Termineinlagen (-0,14 Mrd EUR) zusammensetzt.

Der Stand der Direktkredite war im Vergleich zum Ultimo 2009 leicht ansteigend und belief sich Ende Juni 2010 auf 308,22 Mrd EUR (+2,0%). Bei volkswirtschaftlich-sektoraler Betrachtung fällt auf, dass der Zuwachs der Forderungen hauptsächlich auf die beiden Sektoren private Haushalte (+4,16 Mrd EUR) und nichtfinanzielle Unternehmen (+1,54 Mrd EUR) zurückzuführen war.

Der Stand der Auslandsforderungen erhöhte sich im ersten Halbjahr 2010 um 14,89 Mrd EUR und die Auslandsverbindlichkeiten um 9,22 Mrd EUR. Die "Forderungen an ausländische Kreditinstitute" stiegen um 12,83 Mrd EUR und die "Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Kreditinstituten" um 9,57 Mrd EUR. Durch die unterschiedlichen Wachstumsraten im ersten Halbjahr 2010 betrug die Nettoforderungsposition österreichischer Kreditinstitute gegen das Ausland 93,88 Mrd EUR (+5,67 Mrd EUR). Ende Juni 2010 lag der Anteil der Auslandsaktiva (352,47 Mrd EUR) an der Bilanzsumme bei 34,0% und jener der Auslandspassiva (258,59 Mrd EUR) bei 24,9%.

Ende Juni 2010 betrug das Volumen der Derivativgeschäfte 2.586,59 Mrd EUR. Im ersten Halbjahr 2010 war ein Anstieg um 13,4% erkennbar. Der Großteil des Derivativgeschäfts entfiel auf Zinssatzverträge (79,9% Anteil), der Rest fast ausschließlich auf Wechselkurs- bzw. Goldverträge (19,0% Anteil). Bei Edelmetall-, Waren- und Substanzwertverträgen wurde auch 2010 kaum ein Bankgeschäft getätigt.

Die nach den Bestimmungen von Basel II errechneten unkonsolidierten anrechenbaren Eigenmittel betrugen Ende Juni 2010 94,18 Mrd EUR, was einer Erhöhung im ersten Halbjahr von 0,92 Mrd EUR bzw. 1,0% entsprach. Mit 74,23 Mrd EUR (+2,16 Mrd EUR) entfielen rund 79% der Eigenmittel auf das Kernkapital. Die unkonsolidierte Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage (solvency ratio) betrug 18,7% (unveränderte Relation im Vergleich zum Ultimo 2009).

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