BAUERNBUND KÄMPFT UM ZUKUNFT DER HÖFE

Grillitsch: "Unterschriftenaktion zur Zukunftssicherung der Landwirtschaft"

Graz (OTS) - Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer verweist darauf, dass die rund 42.000 steirischen Bauern einen unverzichtbaren Beitrag zur Lebensqualität in unserem wunderschönen Bundesland leisten. Neben der Versorgungssicherheit mit hochqualitativen Lebensmitteln sorgen unsere Bauern für sauberes Wasser, eine reine Luft, eine gesunde Umwelt und eine lebenswerte Kulturlandschaft in der Steiermark, unterstreicht er gleich zu Beginn die Bedeutung der Bäuerinnen und Bauern für die Gesellschaft. "Wir haben in der Steiermark noch eine echte bäuerliche Landwirtschaft, denn 70% der landwirtschaftlichen Betriebe sind unter 20 Hektar groß" untermauert der Landeshauptmann-Vize sein Argument.

Die Herkunft von Lebensmitteln ist neben Qualität, Frische und dem Gesundheitsaspekt für Konsumenten besonders wichtig. Besonderer Wert wird auf die regionale Herkunft der Lebensmittel gelegt. Zudem ist "Regionalität" für den Tourismus wichtig, weil die Kulinarik eine große Rolle in der Auswahl des Urlaubszieles Österreich spielt. Wenn man Touristen fragt, ist das "Genießen landes-typischer Speisen und Getränke" eine der Top-Aktivitäten der Urlaubsgäste in Österreich. Die kulinarischen Schätze der Steiermark sind ein unverzichtbarer Bestandteil steirischer Identität und Lebensart. Sie prägen durch ihre traditionelle Erzeugung die Regionen, deren gepflegte Kulturlandschaften das Tourismusland und machen die Steiermark einzigartig", meint Schützenhöfer.

"Unsere weiß-grüne Lebensqualität ist ein großer Wachstumsmarkt:
Wohlfühlen, Entspannen, Sinnlichkeit und Genuss sind dabei ganz entscheidende Faktoren" verweist Landeshauptmann-Vize Hermann Schützenhöfer unter dem Motto "mit allen Sinnen wahrnehmen" auf die Bedeutung von Landwirtschaft und Kulturlandschaft auf den Tourismus.

"Die Steiermark hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich als Land der Genusskultur etabliert und hat heute unter Österreichs Bundesländern den Ruf, das "Schlaraffenland" schlechthin zu sein. Reiht sich doch eine herzhafte Köstlichkeit an die andere, ganz zu schweigen von kulinarisch so einzigartigen Leitprodukten wie der Almo, Grazer Krauthäuptel, der Murtaler Steirerkäs oder das Kürbiskernöl" nennt Schützenhöfer nur einige Beispiele.

"Die Steiermark hat auf jeden Genusswunsch die passende Antwort -von den Bergregionen bis zum Thermenland, vom Almo bis zum Weinland. Die wunderschöne Kultur-, Natur- und Erholungslandschaft bietet Einheimischen und Gästen eine hervorragende Lebensgrundlage. Diese von unzähligen fleißigen Händen geformte "Heimat" können wir nur dann in dieser Pracht erhalten, wenn unsere Bauern, auch in Zukunft einen angemessenen Preis für ihre Leistungen, vor allem auch für ihre Leistungen für die Gesellschaft erzielen können", meint Schützenhöfer abschließend.

Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch: "Starke Verhandlungsposition für EU-Agrarbudget notwendig."

"Seit Monaten greifen die SPÖ, die AK und die Gewerkschaften die Bäuerinnen und Bauern massiv an. Dabei verfolgen die Sozialisten nur ein Ziel - den Wert der Bauernarbeit zu mindern und die Ausgleichszahlungen in Frage zu stellen", erklärte Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch heute vor Journalisten in Graz. Diese Attacken wolle man nicht länger hinnehmen: "Auch vor dem Hintergrund der massiven Einkommenseinbußen für die bäuerlichen Betriebe im Vorjahr stellen wir uns diesen Angriffen entschieden entgegen und starten eine Unterschriftenaktion bei allen Bäuerinnen und Bauern Österreichs", kündigte Grillitsch die Aktion "Kampf um unsere Bauernhöfe" an. "Mit dieser Initiative kämpfen wir um die existentielle Absicherung unserer bäuerlichen Landwirtschaft, um Investitionssicherheit, um den Erhalt der Kultur- und Tourismusregionen, um bauerngerechte EU-Agrarprogramme, um die Finanzierung von leistungsfähigen Verbänden", führte Bauernbund-Präsident Grillitsch aus.

"EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski hat bereits massive Kürzungen im Agrarbudget angekündigt. Am Vorabend schwieriger Budgetverhandlungen mit Brüssel lassen wir nicht zu, dass unsere Verhandlungsposition in der EU geschwächt wird. Deshalb erheben wir in einer Urabstimmung, ob die Landwirte die Linie des Bauernbundes mittragen", so der Bauernbund-Präsident.
"Uns geht es darum, dass Eigentum und die Ausgleichszahlungen für die Landwirtschaft als existentielle Grundlage gesichert sein und bleiben müssen", stellte Grillitsch klar, dass jeder Euro, der im nationalen Budget gekürzt wird, sich wegen im System der Co-Finanzierung auf 3,30 Euro multipliziert. "Bäuerliche Arbeit stellt einen Milliardenwert dar - dank einer flächendeckenden Versorgung mit Lebensmitteln, genauso wie dem Erhalt von Kultur- und Tourismusregionen. Dieser Wert muß gewürdigt werden", meinte Grillitsch. "Wenn die SPÖ die österreichische Landwirtschaft attackiert, dann soll sie sagen, was dann droht: eine industrialisierte Produktion mit Gentechnik und Hormonfleisch zu Standards bei Mensch und Tier gegen die die Konsumentschützer Sturm laufen werden", warnte der Bauernbund-Präsident vor roten Industrialisierungs-Experimenten.

Bauernbund-Landesobmann Präsident Gerhard Wlodkowski: "Dramatische Situation bei Bauerneinkommen."

Die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft je Betrieb fielen auf 19.000 Euro (-28%) gegenüber 2008 zurück; je nicht entlohnter Arbeitskraft (nAK) waren es 14.521 Euro (-27%). Die Ergebnisse wurden aus den Buchführungsdaten von 2.222 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ermittelt.
Alle Betriebsformen verzeichneten im Vergleich zu 2008 Einkommenseinbußen, die geringste Verschlechterung hatten die Veredelungsbetriebe mit -1%. Relativ glimpflich kamen auch die Betriebe mit 25 bis 50% Forstanteil davon (-9%). Alle übrigen Betriebsformen verzeichneten Einkommenseinbußen von -20% (landw. Gemischtbetriebe) bis -48% (Dauerkulturbetriebe). Marktfruchtbetriebe mussten ein Einkommensminus von 38% hinnehmen, Futterbaubetriebe -26% und die Betriebe mit über 50% Forstanteil -21%.

Die Gründe für den Einkommensrückgang waren der um 9% im Durchschnitt aller Betriebe niedrigere Ertrag, vor allem verursacht durch niedrigere Erträge bei Getreide, Ölfrüchten, Hackfrüchten, Energiepflanzen und im Obst- und Weinbau. Im tierischen Bereich gab es niedrigere Erträge vor allem bei Milch. Der Aufwand hat gegenüber 2008 um nur 1% abgenommen, was zu einer Verstärkung der Einkommensminderung beigetragen hat. Steigender Aufwand wurde bei Düngemitteln, Instandhaltung, AfA, Pacht- und Mietaufwand und beim Personalaufwand verzeichnet. Diese Aufwandssteigerungen wurden durch geringeren Aufwand, insbesondere bei Futtermittel, Energie und Vorsteuer, mehr als wettgemacht.

Die öffentlichen Gelder sind 2009 um 4% gestiegen und trugen damit Wesentlich zur Einkommenssicherung bei. Im Durchschnitt aller Betriebe wurden 17.928 Euro je Betrieb direkt als einkommenswirksam verbucht, das sind 23% vom Ertrag. Nach Förderungsmaßnahmen teilten sich die die öffentlichen Gelder wie folgt auf: Betriebsprämie 36%, ÖPUL 34%, Ausgleichszulage in Benachteiligten Gebieten 15%, Sonstiges 15%.

"Als Anker erwiesen sich die Zahlungen und Leistungsabgeltungen, welche die Einkommen noch einigermaßen stabilisieren konnten. Damit zeigt sich einmal mehr, dass es durch eine starke GAP und nationale Agrarpolitik gelingen kann, den österreichischen Betrieben ein planbares Wirtschaften zu ermöglichen" erklärt Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski die dramatische Situation bei den Bauerneinkommen.

Angesichts dieser extrem negativen Einkommensergebnisse sollten alle Diskussionen über zusätzliche Steuerbelastungen oder Agrarbudgetkürzungen sofort beendet werden. Für die kommende GAP-Reform, für die die Vorbereitungen bereits jetzt intensiv laufen, verlangt Präsident Gerhard Wlodkowski nicht nur im Hinblick auf dieses katastrophale Einkommensergebnis, dass keinerlei Kürzungen oder Umschichtungen im EU-Agrarbudget und im nationalen Budget erfolgen dürfen. "Wer also Bauern will, die für die Gesellschaft Leistungen erbringen, muss auch die nötigen Mittel dafür bereitstellen. Die Bauern sorgen für die Identität des Landes und die Vielfalt der Steiermark", meint Wlodkowski abschließend.

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