Berlakovich im "Spiegel"-Interview : Deutschland soll seine Atomkraftwerke abschalten

Umweltminister im Interview mit deutschem Wochenmagazin: Deutschland muss uns Rede und Antwort stehen - Klimaschutz über atomare Hintertüre funktioniert nicht

Wien, 13. September 2010 (ÖVP-PD) Im Interview mit dem deutschen Wochenmagazin "Der Spiegel" geht Umweltminister Niki Berlakovich scharf mit dem Energiekonzept der deutschen Regierung ins Gericht: "Die Verlängerung der AKW-Laufzeiten ist ein fatales Signal über Deutschland hinaus. Die ganze Welt redet angesichts des Klimawandels von einer Stärkung der erneuerbaren Energien. Die Atomkraft gehört eindeutig nicht dazu." Berlakovich fordert:
"Deutschland soll seine Atomkraftwerke abschalten." Atomkraft ist eine Technologie von gestern, die mehr Fragen offen lässt, als sie Antworten gibt. "Vor allem gibt es weltweit kein Endlager für atomaren Müll", kritisiert Berlakovich die Kurzsichtigkeit der deutschen Entscheidung. ****

Österreich hat im Gegensatz zu Deutschland einen langfristigen, sicheren Weg eingeschlagen und nimmt europaweit eine Vorreiterrolle im Bereich erneuerbare Energien ein: Während Österreich einen Anteil von 28,8 Prozent an der Stromproduktion hat und bis 2020 auf 34 Prozent kommen will, liegt Deutschland bei nur 10 Prozent. "Bislang habe ich Deutschland als wichtigen Partner beim Ausbau erneuerbarer Energien gesehen, umso enttäuschender ist das jetzige Signal", betont der Umweltminister.

Bezüglich des deutschen Reaktors Isar I hat sich Berlakovich bereits mehrfach an seine deutschen Amtskollegen, den deutschen Bundesumweltminister Röttgen und seinen bayrischen Kollegen Söder gewandt. Seine Forderung bleibt aufrecht: "Isar I ist ein alter Reaktor und muss sofort abgeschaltet werden." Es geht dabei um maximale Sicherheit für die Bevölkerung. Berlakovich räumt im Interview mit dem deutschen Wochenmagazin ein, dass er mit seinen massiven Bedenken beim seinem Amtskollegen auf offene Ohren stoße, auch Röttgen habe sich für höhere Sicherheitsauflagen ausgesprochen. "Die jetzige Entscheidung ist daher enttäuschend. Hier ist hoffentlich noch nicht das letzte Wort gesprochen."

Abschießend betont Berlakovich gegenüber dem "Spiegel": "Die Deutschen werden uns ihre Beschlüsse erklären müssen, so wie die Frage, welche Konsequenzen sich für Österreich ergeben. Es geht darum, gemeinsame Lösungen zu finden. Ich habe daher eine Sondersitzung im Rahmen des bilateralen Nuklearinformationsabkommen zwischen Deutschland und Österreich urgiert. Deutschland muss uns Rede und Antwort stehen."

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