TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Montag, 13. September 2010, von Wolfgang Sablatnig: "Der Beginn eines langen grünen Wegs"

Eva Glawischnig sitzt fest im Sattel. Jetzt muss sie ihre Stärke für eine echte Reform der Partei nützen.

Innsbruck (OTS) - Mit ihren 96 Prozent Zustimmung beim Bundeskongress bräuchte sich die grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig auch bei einer Partei "alten" Zuschnitts nicht zu verstecken. Nach vielen Negativ-Schlagzeilen hat die Partei auch keine andere Chance, als geschlossen aufzutreten.
Eva Glawischnig muss ihre Stärke jetzt aber auch nützen. Zuletzt hatten die Grünen stagniert. Seit der ersten Wahl Glawischnigs an die Parteispitze im Jänner 2009 hat die Partei keinen wirklichen Wahlerfolg mehr feiern können.
Als Erstes muss die Partei die Personalauswahl in den Griff bekommen. Immer wieder entzünden sich daran Auseinandersetzungen, die Inhalte zudecken.
Ein neues Parteistatut soll Abhilfe schaffen. Wirksam sind neue Regeln aber nur dann, wenn sie auf allen Ebenen gelten. Durchschlagskräftig - oder, wie es die Grünen wohl lieber hören, kampagnefähig - wird ein Parteiapparat erst dann, wenn Beschlüsse der Spitze auch von den Funktionären mitgetragen werden.
Vor allem aber muss Glawischnig die Frage klären, welchen Weg die Partei künftig einschlagen will. Ein bisschen Öko, ein bisschen Menschenrechte, ein bisschen Soziales, zum Drüberstreuen ein bisschen Kontrolle. Das klingt nett. Wenn bei dieser Melange die erkennbaren Schwerpunkte fehlen, ist es aber zu wenig, um sich dauerhaft als Alternative mit Gestaltungs- und Regierungsanspruch zu präsentieren. Das kämpferische Motto "Raus aus Öl" bei der Bundesversammlung in Graz könnte ein Anfang dafür sein. Sich nur wehleidig zu beklagen, dass andere Parteien nicht auf diese Themen einsteigen, reicht da aber nicht.
Und die Grünen müssen beherzigen, was sich die Delegierten in Graz gewünscht haben: mehr Zuspitzung und Verständlichkeit in der politischen Auseinandersetzung. Dann hören vielleicht auch die Wähler wieder mehr zu.

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