WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was haben wir aus der Krise gelernt? von Wolfgang Unterhuber

Wer nicht rücksichtslos nach Geld giert, ist ein Loser

Wien (OTS) - Nichts! Zugegeben: Es wird jetzt für den internationalen Kapitalverkehr ein paar Spielregeln geben, nachdem solche zum Beispiel für den internationalen Seeverkehr schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts existieren. Und im Unterschied zu den 30ern haben die Regierungen diesmal fleißig Konjunkturpakete geschnürt - die Mega-Schulden müssen halt irgendwie abgebaut werden. Ansonsten gilt die Formel von Albert Einstein: Das Universum und die Dummheit des Menschen sind unendlich. Dass einem Fass ohne Boden namens Griechenland sinnlos Milliarden nachgeworfen werden, um vorrangig deutsche und französische Banken zu stützen, die in diesem Fass dummerweise tief drinnen hängen, zeigt das eindrucksvoll. Ebenso die Einführung einer Bankensteuer hierzulande, die dann ohnedies der Kunde zahlt. Aber das verstehen SPÖ, Arbeiterkammer und Gewerkschaft nicht.

Doch lassen wir das. Im Übrigen gilt es, die Einsteinsche Unendlichkeitstheorie zu erweitern: Auch die Gier des Menschen ist unendlich. Und die lässt sich weder kontrollieren noch abschaffen. Das ist jedoch keine Lehre aus der Krise, sondern ein uraltes Faktum. An der Gier des Individuums ist immerhin schon der Kommunismus gescheitert. Die romantiksozialistische-neoliberale Nomenklatur in Peking weiß davon ein Lied zu singen.

Nachhaltigkeit, Rückbesinnung auf die wahren Werte, langsames statt überhitztes Wachstum - das alles macht Sinn und darüber zu diskutieren lohnt sich allemal. Aber gegen die Gier des Menschen kommt das alles nicht an. Geld hat in den vergangenen Jahrzehnten einen besonderen Wert erhalten. Einen sozialen, ja einen moralischen Wert. Wer nicht rücksichtslos nach Geld giert, ist nicht nur ein Loser - er ist ein Nichts. Viele Politiker, Wirtschaftsforscher, Sozialwissenschafter sehen das Problem und plädieren für einen Mentalitätswandel.

Vor dem Hintergrund von Milliarden Chinesen und Indern, die gierig nach Wohlstand lechzen, sowie vor dem Hintergrund der Supermacht USA, die dem langsamen, aber steten militärischen, politischen und ökonomischen Abstieg mit aller Gewalt trotzen wird, kann es keinen Mentalitätswandel geben. Das Spiel lautet auch zwei Jahre nach Lehman: Der Schnellste gewinnt. Und es sind alle faulen Tricks erlaubt.

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