TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 9. September 2010, von Gabriele Starck: "Universitäten bringen dem Staat Geld"

Es ist nicht nötig, den Teufel an die Wand zu malen. Es gibt Argumente, mehr Geld in die Unis zu investieren.

Innsbruck (OTS) - Universitäten schließen? Professoren entlassen? Die Drohung von ÖVP-Wissenschaftsministerin Beatrix Karl für den Fall, dass die Unis 2012 nicht mehr Geld erhalten, ist nicht ernst zu nehmen. Und doch: Dass Karl am Dienstag den Teufel an die Wand gemalt hat, war wohl überlegt und hat fürs Erste auch den Zweck erreicht:
Aufmerksamkeit zu erregen.
Auch wenn ihre drastische Wortwahl von Schließungen und Entlassungen den Uni-Chefs nicht behagte - wer verunsichert seine Arbeitnehmer schon gern derart - sind sie der Ministerin dankbar. Karl hat öffentlich Partei für sie ergriffen: Einmal mehr direkt in der Forderung nach Wiedereinführung der Studiengebühren. Zum anderen hat sie ihnen und damit auch ihrem Parteikollegen und Finanzminister Josef Pröll indirekt - nach ihrem Ja zum Budgetrahmengesetz allerdings zu spät - Engagement im Kampf um kommende Wissenschaftsbudgets avisiert.
Fundierter und überzeugender als eine Drohung wäre es ohnehin gewesen, mit dem aktuellen OECD-Bericht zu argumentieren, wonach Akademiker dem Staat einen finanziellen Nettonutzen bringen: Das Mehr an Steuereinnahmen und Sozialabgaben, das ein Universitätsabsolvent abführt, ist weitaus höher als die Kosten der öffentlichen Hand für dessen Ausbildung. Der Staat verdient am Akademiker - Österreich im OECD-Vergleich sogar überdurchschnittlich gut.
Doch Signale, mehr Geld in Forschung und Bildung zu pumpen, wie das Deutschland trotz seinen Sparpakets tut, gibt es nicht. So droht den Unis ein düstereres Zukunftsszenario als das von Karl und zugleich ein realistischeres: Die Zahl der Studierenden steigt, das Budget stagniert, und die Qualität von Lehre und Forschung sinkt. Das wäre der einzige Verdienst, aber der kann nicht gewollt sein, und er brächte auch kein Geld.

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