AK fordert bessere Basisbildung für Erwachsene in Österreich

Fundierte Daten über Lese- und Schreibkenntnisse von Erwachsenen sind Voraussetzung um Analphabetismus zu bekämpfen

Wien (OTS) - "Fundierte Daten wären die Voraussetzung für gezielte Maßnahmen gegen Analphabetismus", sagt AK Präsident Herbert Tumpel anlässlich des UNESCO Welttages der Alphabetisierung. Nur gibt es in Österreich kaum gesicherte Daten über das Ausmaß von Analphabetismus, denn bis jetzt hat sich Österreich noch nie an internationalen Vergleichsstudien beteiligt. "Die Schätzungen reichen von 300.000 bis zu einer Million. Das zeigt, wie wenig wir über die Betroffenen wissen. Analphabeten können am gesellschaftlichen Leben nur sehr eingeschränkt teilnehmen und müssen sich auch in der Arbeitswelt mühselig durchschlagen", so Tumpel. Die größte Gruppe der AnalphabetInnen sind dabei die sogenannten "funktionalen" AnalphabetInnen: Sie können zwar einigermaßen lesen und schreiben, verstehen aber den Sinn nicht und können den Inhalt des Gelesenen nicht umsetzen. Die AK unterstützt daher das Vorhaben der Regierung, sich an der kommenden PIAAC Studie der OECD (Programme for the International Assessment of Adult Competencies, also "PISA für Erwachsene") zu beteiligen, damit Erwachsene mit Basisbildungsdefiziten gezielt unterstützt werden können. Vorarbeiten laufen bereits.

"Die Ergebnisse der PISA Studien für SchülerInnen haben in Österreich große Diskussionen ausgelöst. Es ist nun aber höchst an der Zeit, dass Österreich auch bei den Lese- und Schreibkenntnissen der Erwachsenen nicht länger im Dunkeln tappt. Eine Beteiligung an der PIAAC Studie ist daher unverzichtbar", betont Tumpel. Für die Betroffenen macht Analphabetismus den Alltag schwer und die Suche nach einem Arbeitsplatz oft aussichtslos. Um ausreichende und gezielte Basisförderungskurse anbieten zu können, müsse man zuerst wissen, wie groß das Problem ist und wo genau angesetzt werden muss. Wenn man Untersuchungsergebnisse aus anderen Ländern auf Österreich umlegt, muss man von bis zu 20 Prozent der erwachsenen Wohnbevölkerung ausgehen, die einen Basisbildungsbedarf aufweisen (dazu zählen auch grundlegende Kenntnisse im Umgang mit EDV und Internet). Die historische Chance, dass Österreich erstmals an einer Alphabetisierungsstudie für Erwachsene teilnimmt, muss unbedingt genutzt werden.

In diesem Zusammenhang bewertet Tumpel die jüngsten Initiativen der Unterrichtsministerin in der Basisbildung als positiv: "Dass in Zukunft Kurse und Lehrgänge im Bereich Basisbildung in Österreich ohne Gebühren angeboten werden sollen, ist ein ganz großer Schritt in die richtige Richtung." Bisher gibt es nur vereinzelt Förderungen und regionale Initiativen. In Wien fördert etwa der WAFF (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) das Nachholen von Bildungsabschlüssen und die AK Wien Basisbildungskurse mit dem 100 Euro AK Bildungsgutschein. Immer wieder bieten auch die Volkshochschulen geförderte Lehrgänge an. "Das sind aber nur Tropfen auf den heißen Stein. Wir brauchen jetzt den großen Wurf. Zusätzlich muss auch das Nachholen des Hauptschulabschlusses reformiert und erleichtert werden", so Tumpel. Lehrpläne und Prüfungsmodalitäten, die für 14-jährige gemacht wurden, eignen sich nicht für Erwachsene, "wer in Österreich den Hauptschulabschluss nachholen will, braucht sinnvolle, erwachsenengerechte Lehrpläne. Jeder sollte das Niveau der 8. Schulstufe erreichen."

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