Diabetes Dunkelziffer von 30% verursacht unnötiges Leid und Kosten

Wien (OTS) - Schätzungen zur Prävalenz des Diabetes für das Jahr 2010 ergeben ca. 285 Millionen Erkrankte weltweit. In Österreich sind rund 600.000 Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. Davon sind gegenwärtig nur 420.000 diagnostiziert. Das heißt, 180.000 Betroffene, rund 30 Prozent, wissen noch nichts von ihrer Erkrankung. Wird der Diabetes erstmalig diagnostiziert, bestehen in Österreich bei bereits etwa 20% der klinischen Neumanifestationen diabetische Folgeerkrankungen wie z.B. Schäden an der Augennetzhaut. Je früher die Erkennung der Erkrankung erfolgt, desto mehr Schädigungen können verhindert werden, die bekanntermaßen Augen, Nieren, Nerven sowie Gefäße (Herzinfarkt, Schlaganfall, etc.) betreffen.

Eine verstärkte Beschäftigung mit dem Thema ist daher unumgänglich. Neben einer möglichst frühen Entdeckung und Behandlung der Erkrankung gilt es, Ansätze in der Prävention zu unterstützen. Übergewicht und Bewegungsarmut stellen bereits bei Schulkindern die Weichen zur Entwicklung eines Diabetes. Während nur 3% aller Normalgewichtigen an Diabetes erkranken, liegt der Anteil der Übergewichtigen bei 9%, bei Menschen mit Adipositas sogar bei 15%.

Höhere Bewusstseinsbildung

Mehr Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung wäre durch eine Initiative, ähnlich den bereits vor Jahren durchgeführten PR-Aktionen "Schach dem Herztod" oder "Cholesterin 200", zu erreichen. Die ÖDG startet eine Aufklärungskampagne, welche der Bevölkerung die wichtigsten Symptome zur Erkennung eines Diabetes nahebringt. Die Kampagne beinhaltet eine Plakataktion gemeinsam mit der Weltdiabetesgesellschaft IDF (International Diabetes Federation), womit insbesondere Risikopersonen besser erreicht werden sollen. Die Plakate mit den Symptomen häufiger Harndrang, Antriebslosigkeit, Gewichtsverlust und übermäßiger Durst werden im öffentlichen Raum, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Ämtern, in Apotheken, bei Ärzten, etc. platziert, um möglichst viele Personen anzusprechen und können unter office@oedg.at bestellt werden

Weitere wichtige Warnsignale und erste Symptome sind: Juckreiz, Sehstörungen, unregelmäßige Periodenblutung bei Frauen, Abnehmen von Libido und Potenz bei Männern, erhöhte Infektanfälligkeit, schlechte Wundheilung und Hautinfektionen.

Ziel ist es, für die Diagnose Diabetes bzw. deren Ausschluss zu sensibilisieren und damit die Dunkelziffer an bisher unerkannt Erkrankten zu senken. So werden Krankheitsverläufe und deren Folgen gemildert und letztlich auch Kosten für die Behandlung von Komplikationen reduziert.

Förderung der Bewegung

Um eine Verringerung der Diabeteshäufigkeit zu erreichen, sind neben der Information und Aufklärung zudem neue Ansätze zur Förderung der Bewegung und gesunder Ernährung nötig. Diese reichen von einem Städtebau, der Bewegung und Sport begünstigt, über die Lebensmittelindustrie, das Problem des zuletzt eher reduzierten Bewegungsangebotes in den Schulen bis hin zum "Sport auf Rezept". Der vom Gesundheitsministerium initiierte "Aktionsplan Ernährung" sollte durch eine Initiative zur Bewegung ergänzt werden - letztere bringt für sich alleine betrachtet mehr Gewichts-reduktion und positive Beeinflussung des Stoffwechsels.

Der ÖDG-Nordic City Walk am 17. Oktober ist ein öffentlichkeitswirksamer Beitrag dazu. Er findet heuer bereits zum 5.Mal im Wiener Prater statt und konnte seit dem letztem Jahr mit Unterstützung der Sportunion Österreich auch auf Standorte in allen Bundesländern ausgedehnt werden. Im Wiener Prater startet der Walk um 10.00 Uhr, in Graz, Salzburg, Klagenfurt, Eisenstadt, Purgstall, Gmunden, Schwaz und Feldkirch-Altenstadt um 14.00 Uhr.

Neue Diabetes Strukturen, DMP

In der Verbesserung der Betreuung bereits erkrankter Personen gilt es, kürzlich geschaffene Strukturen wie das Disease Management Programm (DMP) "Therapie aktiv" für Personen mit Typ 2 Diabetes stärker zu nutzen. Dazu fordert die ÖDG eine Koordination der zurzeit in manchen Bundesländern nur zaghaft anlaufenden Beteiligung an diesem Programm und drängt auf deren gesundheitspolitisch bedeutende Umsetzung. Sowohl die Reduktion akuter als auch chronischer Diabetesfolgen sowie deren Kosten können damit positiv beeinflusst werden. Daten dazu liefern erste Ergebnisse der Umsetzung in der 1. Ebene (Ärzte für Allgemeinmedizin und Internisten), eine Studie in Salzburg und eine Evaluierung in der Steiermark. Regelmäßige präventive Augen- und Fußuntersuchungen konnten deutlich gesteigert und Parameter zur Verbesserung der Stoffwechsellage wie HbA1c und Blutfette bereits nach 1 Jahr gebessert werden. Eine eigene Fortbildung für DMP-Ärzte wird dazu ab sofort bei jeder Jahrestagung der ÖDG angeboten.

Die Entwicklung der 2. Ebene - die Ausbildung von spezialisierten Internisten und der Ausbau von Krankenhausambulanzen mit besonderem Augenmerk auf Fußsprechstunden - steht nun an. Als besonders wichtig erscheint der ÖDG, Ausbildungsstellen für das Zusatzfach Endokrinologie und Stoffwechsel zu erhalten bzw. zu vermehren. Damit in Verbindung steht die Besetzung von mehr leitenden Positionen (Primarärzte, Chefärzte) mit dieser Ausbildung, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Ohne Expertise und Interesse zum bzw. für den Diabetes wird eine qualitativ hochstehende Patienten-Versorgung nicht erreichbar sein.

Adäquate Ressourcen für die Blutzuckerselbstkontrolle erforderlich

Die sogenannte Blutzuckerselbstkontrolle (BZSK) soll für jeden Patienten mit Diabetes mellitus zur Verfügung stehen. Durch BZSK werden folgende Ziele verfolgt:

  • verbesserter Outcome (Senkung des HbA1c)
  • erhöhte Sicherheit (Reduktion von Hypoglykämien)
  • verbesserte Krankheitsbewältigung (Empowerment)

Die dafür notwendige Ausweitung der Blutzuckerselbstmessung wird vom Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger derzeit jedoch abgelehnt. Ein Schritt in die falsche Richtung.

Weltdiabetestag, 14. November

Um noch mehr Aufmerksamkeit für die Beschäftigung mit Prävention und Therapie des Diabetes zu wecken, werden am Weltdiabetestag heuer in Österreich gemeinsam mit vielen anderen Ländern weltweit bedeutende Gebäude, Sehenswürdigkeiten, etc. blau beuchtet. Viele Städte und Gemeindem haben bereits Vorbereitungen dazu getroffen und wirken dabei gemeinsam mit den lokalen Medien bewusstseinsbildend. Blau ist die Farbe des universellen Diabetessymbols, des "blue circle" der IDF, welcher alle mit dem Diabetes in Zusammenhang stehenden nichtkommerziellen Aktionen als "unite for diabetes" vereint.

Die UNO hat aufgrund der zunehmenden Zahl an global Betroffenen gemeinsam mit der WHO in ihrer Resolution 61/225 im Jahr 2006 den Weltdiabetestag zu einem "United Nations Day" erhoben, der fortan jährlich an dieses wichtige Thema erinnern.

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