www.farbe-bekennen.at 2: Forderungen für die bestmögliche "Stadtmedizin" in Wien

Hausarzt als Arzt des Vertrauens - Entschuldung der Krankenkassen als vordringliches Ziel

Wien (OTS) - Nicht nur die Politiker sollen Farbe bekennen,
sondern auch die Ärztekammer bekennt Farbe: Im Rahmen der Aktion www.farbe-bekennen.at hat die Ärztekammer einen umfassenden Forderungskatalog an die Parteien übermittelt. "Darin enthalten sind alle Grundsätze, Ideen und Forderungen der Ärztekammer, die unserer Meinung nach umgesetzt werden müssen, um auch in Zukunft eine moderne medizinische Versorgung nach State of the Art für die Bevölkerung sicherzustellen", betont dazu Ärztekammerpräsident Walter Dorner. ****

Im Forderungskatalog enthalten sind unter anderem die nachhaltige Sanierung des Wiener Kassensystems sowie die Umsetzung eines Stadtarztmodells.

Beim so genannten "Stadtarztmodell" soll der "Arzt des Vertrauens", der Allgemeinmediziner oder Facharzt sei kann, vom Patienten als erster Ansprechpartner konsultiert werden. "Er soll den zu behandelnden Menschen ganzheitlich ein Leben lang betreuen und daher umfassende Kenntnis über dessen Krankengeschichte und sein soziales Umfeld haben", skizziert der Obmann der Kurie niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, die Eckpunkte eines solchen Stadtarztes.

Die Sanierung des Wiener Kassensystems wiederum will Steinhart durch die Abdeckung aller den Krankenkassen übertragenen versicherungsfremden Leistungen erreichen. Allein der zu geringe Hebesatz bei den Pensionisten macht 2009 bei der Wiener Gebietskrankenkasse in etwa 710 Millionen Euro aus. Die Unterdeckung des Wochengeldes kostet der WGKK weitere 60 Millionen Euro pro Jahr. Steinhart dazu: "In Summe belaufen sich die Mindereinnahmen der WGKK durch alle versicherungsfremden Leistungen auf 899 Millionen Euro, während die Wiener Kasse gleichzeitig mit 109 Millionen Euro im Minus bilanzierte und in Summe einen Schuldenstand von mehr als 600 Millionen Euro aufweist."

Die WGKK bezahlt jährlich in etwa 20 Millionen Euro aus den Beiträgen der Versicherten allein an Zinsen für die notwendigen Kredite. "Diese Summe fehlt in der täglichen Versorgung der Patienten", kritisiert Steinhart, der die zukünftige Wiener Landesregierung auch auffordert, "sich im Sinne einer nachhaltigen Gesundheitspolitik auf Bundesebene für die vollständige Entschuldung der Wiener Gebietskrankenkasse einzusetzen".

Verlagerung von Planstellen in bevölkerungsreiche Bezirke

Eine weitere Forderung der Ärztekammer ist der Ausbau der niedergelassenen Versorgungsstrukturen in Wien. Hier weist Steinhart darauf hin, dass laut dem Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) auf Basis der Zahlen von 2006 Kassenplanstellen sowohl im allgemeinmedizinischen als auch im fachärztlichen Bereich in die bevölkerungsreichen Bezirke Wiens verlagert werden sollen: "Speziell in den boomenden Bezirken Favoriten, Simmering, Floridsdorf und Donaustadt benötigt es einen Ausbau der extramuralen Versorgung", meint Steinhart.

Die Planung der Entwicklung bei den niedergelassenen Kassenplanstellen hält jedenfalls in vielen Bereichen nicht mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt: "Speziell in Fächern wie der Kinder-und Jugendheilkunde, der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Frauenheilkunde und Geburtshilfe müssen wir bereits von einer absoluten Unterversorgung in der Bundeshauptstadt sprechen", betont Steinhart. Auch sei es notwendig, dass nach Inkrafttreten der Ärztegesetznovelle mit der Wiener Gebietskrankenkasse rasch der Abschluss eines Gesamtvertrags für die Ärzte-GmbHs realisiert werde, um so eine spürbare Entlastung bei den Frequenzen in den Spitälern zu erreichen.

Statt am Krankenbett mit Bürokratie befasst

Etwa 10,4 Prozent ihrer öffentlichen Arbeitszeit wenden Spitalsärzte für Forschung und Lehre auf, hingegen satte 34,2 Prozent für administrative Tätigkeiten. Auf diese durch Umfragen gestützte Tatsache einer überbordenden Bürokratie wies der Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres, hin. Auf der Strecke bleibe dabei der Patient, "der zu Recht den Arzt am Krankenbett beziehungsweise im Ordinationszimmer einfordert", so Szekeres. Stattdessen säßen Ärztinnen und Ärzte "in einem nicht mehr vertretbaren Ausmaß am Schreibtisch, um alle notwendigen Dokumentationsaufgaben wahrzunehmen".

Szekeres fordert deshalb für den Spitalsbereich die Aufnahme qualifizierter Mitarbeiter, die Dokumentationsarbeiten, die mit medizinischen Tätigkeiten nur am Rande zu tun haben, übernehmen könnten. Damit würden die Behandlung und vor allem der persönliche Kontakt zum Patienten verbessert werden, betont der Vizepräsident.

Weitere Forderungen der angestellten Ärzte betreffen den Abbau überlanger Arbeitszeiten in den Spitälern (Spitalsärzte arbeiten im Schnitt 56 Stunden pro Woche und damit deutlich mehr als der Durchschnitt der österreichischen Bevölkerung) sowie die Finanzierung der ärztlichen Fort- und Weiterbildung durch den Dienstgeber. Nur so könne der Einfluss der Pharmaindustrie auf ärztliche Fort- und Weiterbildung eingeschränkt werden, meint Szekeres, der auch darauf hinweist, dass diese Forderung im ursächlichen Interesse der Patienten liegen müsse. Patienten hätten nämlich ein Recht, von Ärztinnen und Ärzten betreut zu werden, die sich "unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen einzelner Firmen fort- und weiterbildeten und damit auf dem von der Ärztekammer geforderten State oft the Art verbleiben", sagt Szekeres. (hpp)

(S E R V I C E - Sämtliche Materialien, Termine und Links, auch zur Direktübertragung der vier Veranstaltungen, sind im Internet auf www.farbe-bekennen.at abrufbar.)

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