- 03.09.2010, 10:14:24
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Caritas zur Pflege: Pflegerisiko solidarisch absichern!
Küberl und Landau: Pflegefonds umsetzen, Pflegegeldsystem reformieren
Wien (OTS) - "Unglaublich viele Probleme rund um die Pflege sind
noch zu wenig diskutiert und bei weitem nicht gelöst. ,Vieles ist
offen, nix ist fix` könnte man auf gut österreichisch sagen",
kritisiert Caritas-Präsident Franz Küberl anlässlich des Starts der
Caritas-Pflegekampagne 2010. Die Rahmenbedingungen im Bereich der
Pflege und Betreuung müssen deutlich verbessert werden, fordern
Küberl und Michael Landau, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien.
Küberl: "Die Herausforderungen der nächsten Jahre sind gewaltig, es
wird einen großen Zuwachs an hochbetagten Menschen geben und wir
müssen jetzt die strukturellen, qualitativen und finanziellen Fragen
lösen."
"Bei der Umsetzung des Pflegefonds müssen die Verantwortlichen von
Bund, Ländern, aber auch Sozialversicherungsträgern endlich handeln
und zwar jetzt und nicht irgendwann," so Caritasdirektor Landau. Die
Caritas fordert einen neuen Finanzierungs- und Ordnungsrahmen für die
Pflege. "Wir sehen in einem Pflegefonds ein geeignetes Instrument,
der die solidarische Absicherung des Risikos Pflege einführt, der den
Menschen Rechtsansprüche auf die Pflege und Betreuungsleistungen, die
sie benötigen, gewährt und der österreichweit einheitliche
Selbstbehalte vorsieht", so Küberl. Neben einer noch zu schaffenden
Vermögenszuwachssteuern oder einer reformierten, zweckgebundenen
Erbschaftssteuer müssen in diesen Fonds jene Mittel einfließen, die
derzeit in der Pflege zur Verfügung stehen. Im Rahmen des Pflegefonds
plädiert die Caritas außerdem für einen Innovationspool, der die
Entwicklung moderner Formen der Pflege und Betreuung sichert.
Welche Hilfe und Unterstützung jemand durch Sachleistungen oder
finanziell bekommt, hängt heute sehr stark davon ab, in welchem
Bundesland er wohnt, kritisieren die Caritasvertreter. Auch die
derzeitige Pflegefinanzierung ist massiv zersplittert. Bund, Länder,
Sozialversicherungen und Gemeinden, alle mischen mit und keiner hat
den Überblick und speziell die Gemeinden sind finanziell mit den
Herausforderungen in der Pflege überfordert.
Entlastungsoffensive für pflegende Angehörige
Hand in Hand mit der Neugestaltung des Pflegesystems muss eine
grundsätzliche Reform der Pflegegeldeinstufung gehen. Das betrifft
einheitliche Schulungs- und Qualitätsstandards für GutachterInnen,
verpflichtende Weiterbildungen, einheitliche Begutachtungsformulare
für alle Pflegegeldträger und eine bedarfsgerechte
Pflegegeldeinstufung, vor allem für Menschen mit Demenz, so die
Caritasvertreter.
ExpertInnen schätzen, dass die Zahl der Demenzkranken von derzeit
rund 100.000 in Österreich auf 270.000 bis 290.000 im Jahr 2050
steigen wird. Angesichts der Prognosen ist die Politik dringend
gefordert, heute die Weichen für die Zukunft zu stellen, damit alte
Menschen mit Demenz eine krankheitsgerechte und bezahlbare Pflege und
Betreuung stationär und zuhause erhalten. Landau: "Erforderlich ist
eine Entlastungsoffensive für pflegende Angehörige durch die
flächendeckende Schaffung vielfältiger Unterstützungsangebote wie
stundenweiser Pflege, Kurzzeitpflege oder Tageszentren, durch
Pflegeberatung und -anleitung durch eine diplomierte Pflegeperson vor
Ort, psychosoziale Beratungsangebote und nicht zuletzt durch eine
bessere Vereinbarkeit von Beruf und der Pflege von Angehörigen, etwa
durch flexible Arbeitszeitmodelle."
Im September macht die Caritas in ganz Österreich mit ihrer
Kampagne Caritas & Ich auf Pflegethemen aufmerksam. Die breite
Angebotspalette der Caritas im Bereich der Betreuung und Pflege alter
Menschen reicht von Beratung über Besuchsdienste, Hauskrankenpflege,
Unterstützung pflegender Angehöriger, betreubares Wohnen bis hin zu
Senioren - und Pflegehäusern und Hospizbegleitung. Insgesamt sind bei
der Caritas in diesem Bereich österreichweit rund 5.000
MitarbeiterInnen tätig, über 2.000 davon in der Erzdiözese Wien.
Rückfragehinweis:
Gabriela Sonnleitner, Caritas Österreich
Tel: 01/488 31 - 417 oder: 0664/82 66 909
Julia Eisinger, Caritas Erzdiözese Wien
Tel. 01/87812-223 oder: 0664/829 44 11
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