Leitl bei Welser Messe: "Österreichs Betriebe sind die besten sozialen Netzwerker Europas"

Jetzt auf Flexibilisierung, Wachstum und Bildung setzen

Wien (OTS/PWK657) - "Unsere Betriebe haben die österreichische Wirtschaft und ihre Beschäftigten umsichtig und erfolgreich durch die wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen zwei Jahre gesteuert", betonte Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), bei der heutigen Eröffnung der Welser Messe: "Bei den letzten verfügbaren Monatswerten Ende Juli 2010 liegt Österreich mit einer Gesamtarbeitslosenquote von 3,9 % erstmals seit vielen Jahren wieder an der europäischen Spitze (Durchschnittswert der EU 15: 9,5 %)." Die vorgemerkten Arbeitslosen sind per Ende Juli gegenüber dem Vorjahr um 21.000 oder 9 % zurückgegangen. Die gemeldeten offenen Stellen sind um 8.200 oder über 30 % gestiegen. Auch beim Abbau der Erwerbslosenquote hat Österreich gemäß Eurostat die beste Vorstellung in der EU geliefert, bei der Jugendarbeitslosigkeit liegt es an drittbester Stelle in der EU. "Unsere Betriebe sind damit die besten sozialen Netzwerker Europas", so Leitl.

"Trotz des tiefen Wirtschaftseinbruchs im Krisenjahr 2009 haben die Unternehmen ihre Beschäftigten nicht einfach auf die Straße gesetzt, sondern durch maximales Ausnutzen des geringen, aber doch vorhandenen Flexibilitätsspielraum dafür gesorgt, dass Österreich bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Europameister ist", so Leitl. "Während das Bruttosozialprodukt 2009 um 3,6 % schrumpfte, ging die Zahl der Beschäftigten nur um 1,4 % zurück. Wäre auch die Beschäftigung um 3,6 % geschrumpft, hätte es ca. 80.000 Arbeitslose mehr gegeben."

Dass es nicht zu diesem Horrorszenario gekommen ist, lag am Festhalten der Betriebe an Beschäftigten trotz Unterauslastung ebenso wie an der Reduktion von Überstunden, vermehrtem Urlaubskonsum, flexiblen Arbeitszeiten und Kurzarbeit. Nun ist die Zahl der Personen in Kurzarbeit, die am Höhepunkt der Krise rund 57.000 betragen hatte, wieder im Sinkflug - sie betrug Anfang Juli rund 8.300.

Auch bei der Lehrlingsausbildung hätten die Betriebe verantwortungsvoll gehandelt und sich aktiv um die Ausbildung der künftigen Fachkräfte bemüht statt, wie anderswo praktiziert, eine "hire-and-fire"-Politik zu betreiben. "93 Prozent der insgesamt mehr als 115.600 Lehrlinge werden von der Wirtschaft ausgebildet. Unsere Betriebe stehen dazu: Jeder Jugendliche in Österreich muss eine Jobchance haben."

Der Wirtschaftskammer-Präsident verwies auch darauf, dass die Zahl der Beschäftigten nun wieder im Aufwind ist und per Stichtag 31. Juli 3.487.825 betrug - das ist der zweithöchste Stand aller Zeiten. Umso wichtiger sei es, dass den Unternehmen Betriebe angesichts des gerade erst einsetzenden Wirtschaftsaufschwungs nicht neue Knüppel in den Weg gelegt werden: "Auch wenn die Wirtschaft jetzt wieder in Gang kommt und auch bei unserem wichtigsten Handelspartner Deutschland der Konjunkturmotor laut brummt: Die Gefahr einer neuerlichen Konjunkturabschwächung ist nicht gebannt."

Das umsichtige Verhalten, das die Betriebe in der Wirtschaftskrise an den Tag gelegt haben, sei nun von den Partnern auf der Arbeitgeberseite gefordert. "Trotz aufziehender Krise haben die Betriebe durch großzügige KV-Abschlüsse die Kaufkraft im vergangenen Jahr gesichert. Nun sind die Gewerkschaften an der Reihe, ihren Teil zu einem nachhaltigen Aufschwung beizutragen", forderte Leitl, dass die gesetzlichen Möglichkeiten bei der Arbeitszeitflexibilisierung voll ausgeschöpft werden müssen. "Wer sich da verweigert, gefährdet Arbeitsplätze."

Vehement abzulehnen seien neue bzw. höhere Steuern. "Gerade jetzt geht es darum, Kaufkraft zu erhalten und nicht wegzusteuern. Statt an der Steuerschraube zu drehen, müssen die öffentlichen Haushalte durch die Umsetzung längst überfälliger Reformen etwa im Pensions- und Gesundheitssystem sowie in der öffentlichen Verwaltung entlastet werden."

Seitens der öffentlichen Hand mahnte Leitl zusätzliche gezielte Wachstumsimpulse etwa durch den Ausbau der Förderung der thermischen Sanierung, die Einführung eines Handwerkerbonus und die Umwidmung der derzeitigen Mittel für die vorzeitige AfA in eine Investitionszuwachsprämie ein. Alle diese Maßnahmen könnten ohne budgetäre Zusatzbelastung umgesetzt werden und würden dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum auf 2 Prozent plus zu steigern, die Beschäftigung zu erhöhen und damit zusätzliche Steuern und Abgaben als wichtigsten Beitrag zur Budgetsanierung einzunehmen.

Im Bereich der Pensionen sei etwa ein echtes Anreizsystem notwendig, das die Erwerbstätigen motiviert, länger zu arbeiten, es den Betrieben ermöglicht, ältere Mitarbeiter länger in Beschäftigung zu behalten und das auch die Pensionsversicherungsträger entlastet. Nach dem von der WKÖ ausgearbeiteten Modell könnte ein Arbeitsnehmer mit Anspruch auf Pension (z.B. eine Frühpension), der sich mit seinem Arbeitgeber auf eine Weiterführung des Dienstverhältnisses über den errechneten Pensionstermin hinaus einigt, 25 Prozent seines Pensionsanspruchs zusätzlich zu seinem weiterlaufenden Lohn erhalten. Gleichzeitig bekäme der Arbeitgeber 25 Prozent des Pensionsanspruchs als Lohnunterstützung. Der Pensionsversicherungsträger wiederum würde sich 50 Prozent der Pensionszahlung ersparen.

Gefordert seien auch die verbesserte Eingliederung sowohl von Arbeitslosen als auch von Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich durch entsprechende Qualifikation bzw. Höherqualifikation. Leitl: "Wir müssen am richtigen Ort, nämlich bei der Bürokratie, sparen, aber nicht bei Forschung, Aus- und Weiterbildung. Die Qualifikation unserer Beschäftigten ist das Fundament einer erfolgreichen Zukunftsentwicklung von Österreich." (SR)

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