"KURIER-Kommentar" von Gert Korentschnig: "Keine Kasperln"

Kunst ist fast immer auch politisch. Leider ist Politik nur selten kunstvoll.

Wien (OTS) - Wenn ein Künstler Politiker wird, ist das Ergebnis ernüchternd. Politische Arbeit ist zäh, nur selten kunstvoll, die gestalterischen Möglichkeiten sind nicht annähernd so groß, wie sich naive Geister das vorstellen. Die Blockaden sind noch massiver als in der Kunst, die ihrem Wesen nach zumeist politisch ist. Dass sich Franz Morak als Staatssekretär lange nicht unwohl fühlte, bestätigt als Ausnahme nur die Regel.
Viel g'scheiter ist es, wenn sich Künstler politisch engagieren, ohne ihre Profession aufzugeben. Politisch engagieren, nicht parteipolitisch, was manche österreichische Schmalspur-Bonos oft verwechseln.
Das Original, der Sänger von U2, sagt dem russischen Präsidenten ebenso die Meinung wie dem amerikanischen. Er mischt sich in Afrika ein. Und bei der UNO.
Nun sind Bonos Ziele ebenso banal wie viele Wünsche in Fragebögen:
Weltfrieden, keine Armut, Gesundheit für alle. Aber einem Künstler zuzuhören, kann Politikern zumindest für Minuten ein anderes Bild vermitteln. Schade, dass so wenige diese Chance nützen.
Künstler werden als Kasperln und Aufputz für Gästelisten empfunden. Wenn man sie finanziell unterstützt, haben sie aufzutanzen. Niederösterreich ist eines der wenigen Bundesländer, wo man dieses Gefühl nicht hat.

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