TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 24. August 2010, von Kathrin Siller: "Killerspiele schaffen keine Verbrecher"

Computerspiele sind nicht das Problem. Es sind die Eltern, die ihre Kinder damit alleine lassen.

Innsbruck (OTS) - Das Spiel endet nie. Mit seiner virtuellen Figur kämpft man sich von Level zu Level und ist das letzte erreicht, gibt es noch immer Neues zu entdecken. Gleich wie die Online-Rollenspiele gestalten sich auch die Diskussionen darum: Sie enden nie. Studien, die die Wirkung der Spiele analysieren, zeigen ein Spektrum auf, das von nicht bis extrem aggressionsfördernd reicht. Immer wieder gibt es Vorstöße seitens der Politik, nach denen "Killerspiele" überhaupt verboten werden müssen. Denn genau sie sollen Schuld an der angeblich steigenden Verrohung der Jugend sein. Die Spiele bieten nämlich keine Möglichkeiten zur friedlichen Problemlösung, es geht nur darum, den Gegner so schnell wie möglich zu vernichten. Das lässt vielleicht abstumpfen, muss allerdings nicht zwangsläufig zu Aggressivität führen.
Gefragt sind aber vor allem die Eltern: Die europäische PEGI-Kennzeichnung für Computerspiele gibt ihnen beim Kauf z. B. Altersempfehlungen und Hinweise auf Gewaltszenen. Überdies können Eltern mit einem "KidTime"-Stick die Zeit, die ihr Nachwuchs am PC verbringt, steuern. Allerdings ist es sinnvoller, wenn Eltern versuchen, die Faszination nachzuvollziehen, hin und wieder sogar mitspielen. Damit lassen sich Aggression und latente Wut in geordnete Bahnen lenken. Das Problem liegt schließlich in dem Umfeld, in dem die Jugendlichen ihre virtuellen Kämpfe ausfechten. Ist ihr Leben bereits von familiärer Gewalt und fehlender Kommunikation geprägt, stimuliert jede Gewaltdarstellung ihr Aggressionspotenzial weiter. Häufig sind es gerade Kinder von bildungsfernen und desinteressierten Eltern, die sich in Spielewelten verlieren. Und gegen gleichgültige Väter und Mütter sind all die gut gemeinten Informationsanstrengungen wirkungslos.

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