WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schlaff spielt bei RHI die Reise nach Jerusalem - von Hans-Jörg Bruckberger

An der Börse sollte auch ein Martin Schlaff umdenken - und reden!

Wien (OTS) - Postenschacher, Strategiewechsel und Interventionen
des Eigentümers: Dafür stehen staatsnahe Betriebe. Und dafür stehen sie auch zu Recht in der Kritik. Spätestens, wenn sie börsenotiert sind, wie etwa ein Flughafen Wien. Der Anleger muss fürchten, dass "sein" Konzern nicht unbedingt von den besten Köpfen geführt wird. Und selbst wenn, ist der wechselhafte politische Wille eine ständige Unbekannte. Gelobt sei demgegenüber der private Kernaktionär. So denken viele Investoren. Dass ein solcher mitunter aber um nichts besser ist, beweist die RHI.

Seit dort Martin Schlaff - jener geheimnisumwitterte Wiener Geschäftsmann, der im Visier der israelischen Justiz steht und deshalb dem "gelobten Land" fern bleibt - als Großaktionär das Sagen hat, wird in der Vorstandsetage - welch Ironie - die Reise nach Jerusalem gespielt. Dieses alte Kinderspiel, bei dem um Stühle herumgetanzt wird. Zunächst kam dem Konzern rund um die Schlaffsche Machtübernahme sein Saniererduo, Helmut Draxler und Eduard Zehetner, abhanden. Dann folgten die bereits unter Schlaff installierten Manager Andreas Meier, Stefano Colombo und jetzt eben Thomas Fahnemann. Und da reden wir nur von CEOs bzw. CFOs - und noch nicht einmal anderen Vorständen, Aufsichtsräten sowie darunter agierenden Managern. Und das alles in wenigen Jahren: Schlaff hat ja erst Ende 2006 die Kontrolle bei der RHI übernommen.

Der überraschende Abgang Fahnemanns hat offiziell "persönliche Gründe". Hinter vorgehaltener Hand wird über Differenzen mit dem Aufsichtsrat, sprich Schlaff, in Bezug auf die weitere Strategie des Feuerfest-Riesen gemunkelt: Dieser hätte Fahnemanns Expansionspläne nicht goutiert. Natürlich ist das sein gutes Recht, zumal die RHI ja nicht gerade in Geld schwimmt und wohl eine Kapitalerhöhung benötigt hätte. Bleibt die Frage, wie es jetzt weitergeht. Irgendeine Langfrist-Strategie und Fantasie braucht der Konzern. Auf seinen Lorbeeren ausruhen kann sich selbst ein Weltmarktführer nicht. Und die jüngste, durch Sparmaßnahmen geschriebene Erfolgsstory lässt sich auch nicht ewig fortschreiben.

Das Schlimmste aus Anlegersicht ist aber diese Unsicherheit. Ist Schlaff doch nur ein Finanzinvestor, der via Dividenden oder gar Verkauf abcashen will, und kein langfristiger Stratege? Der große Mann bleibt wie immer im Hintergrund und schweigt. Das mag bei vielen Geschäften eine Stärke sein, am Kapitalmarkt ist es aber eine Katastrophe.

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