AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer zum Ableben von Hermann Leithenmayr: "Ein mutiger, konsequenter Arbeitnehmer-Vertreter"

Linz (OTS) - "Hermann Leithenmayr war geradlinig, hartnäckig, zäh und verantwortungsbewusst." So charakterisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer den verstorbenen ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden der Steyr-Werke, Hermann Leithenmayr. In die Gewerkschaftsgeschichte ging dieser mit einem der längsten Streiks seit 1945 ein.

"Leithenmayr war als Gewerkschafter äußerst mutig und konsequent. Das bewies er vor allem bei einer der längsten Arbeitsniederlegungen in der österreichischen Nachkriegsgeschichte, dem Streik in den Steyr-Werken im Jänner 1990", erinnert Kalliauer an eine der herausragenden gewerkschaftlichen Leistungen des verstorbenen Arbeitnehmervertreters.

Der gelernte Kraftfahrzeugschlosser wurde 1967 in den Betriebsrat der Steyr-Werke und 1982 in den Vorstand der Arbeiterkammer OÖ. gewählt. Ein Jahr später wurde er Zentralbetriebsratsvorsitzender der Steyr-Daimler-Puch-AG - eine in den Folgejahren sehr schwierige Position für Gewerkschafter, die nur mit Ausdauer, Kompetenz und Hartnäckigkeit bewältigt werden konnte.

Denn es folgten Mitte der 80er-Jahre die "Krise" der Verstaat-lichten Industrie, eine denunzierende öffentliche Auseinandersetzung um die ÖIAG und (halb)öffentliche Großbetriebe, massive Auftragsrückgänge in Steyr, die Zerstückelung des Unternehmens und der Verkauf einzelner Firmensparten (Nutzfahrzeuge, Traktoren, Wälzlager, Werkzeugbau) und - was Hermann Leithenmayr besonders schmerzte und eine große Herausforderung war - jährlich wiederkehrende Kündigungswellen von jeweils mehreren Hundert Arbeitnehmern.

Leithenmayr nahm sich kein Blatt vor den Mund und schreckte auch nicht davor zurück, eigene Parteikollegen "ins Visier zu nehmen". 1986 zum Beispiel organisierte er mit 4.000 Arbeitern und Angestellten einen Protestmarsch zu einer Wahlkundgebung mit Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky.

Ein Streik ist nur das allerletzte Mittel in der Bandbreite der gewerkschaftlichen Proteste - und wird nur dann eingesetzt, wenn alle anderen Mittel nicht zum gewünschten Erfolg führen. In Steyr war es im Jänner 1990 soweit: Nach insgesamt 4.500 Kündigungen brachte die damalige Unternehmensleitung das Fass ein weiteres Mal zum Überlaufen, indem Invalide, Ältere und Kranke, aber auch Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauenspersonen auf die Kündigungsliste gesetzt wurden. Der Betriebsrat beschloss einstimmig Kampfmaßnahmen und organisierte punktuelle Streiks, die schließlich zum Stillstand der gesamten Produktion führten. Nach fünf Tagen war das Streikziel erreicht und die Kündigungsliste wurde zurückgenommen.

Mit Hermann Leithenmayr verlieren die österreichische Gewerkschaftsbewegung und die Arbeiterkammer eine herausragende Persönlichkeit, die für viele ein Vorbild war. Leithenmayr hatte jene Eigenschaften, die man von Gewerkschaftern erwartet - einerseits kämpferisch zu sein, anderseits aber auch verantwortungsbewusst Kompromisse eingehen zu können.

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