WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wer hat Angst vorm Double Dip? - Michaela Lexa

Furcht ist nicht nötig. Das Ende der Welt ist nicht in Sicht

Wien (OTS) - Wahre Fluten an makroökonomischen Daten prasseln tagtäglich auf Anleger ein. Würden sie alle in eine Richtung weisen, wäre das auch nicht weiter schlimm. Doch die diversen Indikatoren fallen unterschiedlich aus. Während etwa vergangene Woche vom amerikanischen Arbeitsmarkt schwache Zahlen einlangten - 500.000 Menschen stellten erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenunterstützung, 12.000 mehr als von Analysten erwartet -, stieg der Index der wichtigsten Frühindikatoren leicht an. Doch damit ist die Verwirrung noch lange nicht perfekt: Der amerikanische ISM-Index für die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes ist im Juli gefallen, liegt aber mit 55,5 Punkten noch im expansiven Bereich (Werte ab 50 Zählern deuten auf eine Ausweitung der industriellen Tätigkeit). Dagegen notiert der deutsche ifo-Index auf einem Drei-Jahres-Hoch. Unterschiedliche Aussagen und doch wiegen die negativen offensichtlich stärker. Denn das Rezessionsgespenst geht um und der viel zitierte Double Dip hält die Börsen wieder mal in Atem.

Zu wundern braucht das niemanden. Denn was Anleger seit Mitte 2007 mitmachen mussten, war wahrlich kein Zuckerschlecken. Die Krisen griffen ineinander über und machten praktisch vor keiner Asset-Klasse Halt. Entsprechend tief sitzt die Verunsicherung, weshalb auf jede auch noch so unwichtige Negativ-Nachricht entsprechend reagiert wird. Diese unvergleichliche Flucht in Staatsanleihen, die die Renditen sinken und sinken lässt, kommt ja nicht von ungefähr. Und wir wollen an dieser Stelle auch nichts schönreden: Die Konjunkturentwicklung wird sich abschwächen, und wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch vereinzelt Quartale mit negativem Wachstum sehen. Darüber sind sich auch die Chefökonomen der österreichischen Banken einig, die wir zu einem runden Tisch gebeten haben. Aber: Sie sind auch der Meinung, dass die Welt nicht in eine erneute Rezession stürzen wird. Im zweiten Halbjahr werde die Konjunktur schwächeln, 2011 sollte sie dann wieder kräftiger werden. Zwar werden die Bäume nicht in den Himmel wachsen, aber die Menschheit wird sich auch mit kleineren Brötchen zufrieden geben.

Was sollten Anleger also tun? Zuerst: Nicht jeder noch so unwichtigen Makrozahl hinterherrennen, sondern verstärkt auf die aussagekräftigen Frühindikatoren achten. Zudem ist für das laufende Jahr Vorsicht angesagt, mit Neupositionierungen am Aktienmarkt sollte noch zugewartet werden. Aber fürchten Sie sich nicht zu Tode, es zahlt sich nicht aus, denn das Ende der Welt ist nicht in Sicht.

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