Forum Alpbach: Ärztekammer warnt vor Folgen des Burn-outs bei Ärzten

Bis zu einem Fünftel zeigt bereits erste Symptome - Dorner: "Schuld sind überlange Arbeitszeiten, die überbordende Bürokratie sowie fehlendes Teamcoaching

Wien (OTS) - Bis zu 50 Prozent der Ärztinnen und Ärzte gelten als burn-out-gefährdet, bis zu ein Fünftel zeigt bereits Symptome von Burn-out. In kürzlich erfolgten Umfragen meinte bis zu einem Drittel der Befragten, den Arztberuf rückblickend nicht mehr ergreifen zu wollen. Und mehr als die Hälfte gab an, am Ende des Tages "völlig erledigt" zu sein. Auf diese dramatischen Zahlen verwies der Präsident der Wiener und der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner, bei einer Podiumsdiskussion gestern, Freitag, Abend, im Rahmen der diesjährigen Gesundheitsgespräche des Europäischen Forums Alpbach. ****

"Was mich besonders erschreckt ist der Umstand, dass Entmutigungserscheinungen sich häufig schon bei jungen Kolleginnen und Kollegen finden", betonte der Ärztekammerpräsident. Ursachen dafür seien vor allem die hohe psychische Belastung und Verantwortung, aber auch Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen oder anderen Berufsgruppen, weiters die Belastung durch viele nicht ärztliche Tätigkeiten sowie die immer mehr werdende Bürokratie.

Dorner: "Besonders gefährdet sind gerade die Besten: Ärztinnen und Ärzte mit hoher Einsatzbereitschaft, hoher Kompetenz und ausgeprägter Empathie, die sich besonders für die Patienten einsetzen." Mit der steigenden Burn-out-Gefährdung sinke dann natürlich auch die Qualität der ärztlichen Leistung: "Schlechtere Kommunikation mit den Patienten, erhöhte Fehleranfälligkeit sowie verminderte Effizienz sind nur besonders augenscheinliche Beispiele, die Folgen von Übermüdung, Erschöpfung und Frustration sein können."

Ärztinnen und Ärzte arbeiteten ständig in einer Situation, die mit dem englischen Ausdruck "High demand/low influence", also hohe Anforderungen bei gleichzeitig subjektiv erlebtem geringem Einfluss auf die Bedingungen, zu bezeichnen sind. Dazu komme der tägliche Umgang mit Krankheit, Leiden, Tod und Ängsten, der auch erfahrenen Ärztinnen und Ärzten zu schaffen mache.

Auch seien für Ärztinnen und Ärzte die Vorgaben des Systems "oft nicht wirklich nachvollziehbar". Wichtige gesundheitspolitische Entscheidungen würden oft aus anderen als fachlich-medizinischen Gründen getroffen. Und schließlich stelle sich - entgegen dem Klischee der "reichen Ärzte" - auch für viele Kolleginnen und Kollegen die Frage, inwieweit Verantwortung und Leistung in einem vertretbaren Verhältnis zur Entlohnung stünden.

Forderung nach begrenzten Arbeitszeiten

Um Übermüdung, Erschöpfung und Frustration rechtzeitig vorzubeugen, fordert Dorner daher eine Begrenzung der Arbeitszeiten "auf ein zumutbares Maß" durch genaue Überprüfung der Arbeitssituation, die Einhaltung der maximal zulässigen Arbeitszeiten im Spitalsbereich sowie die Möglichkeit vor allem für ältere Kolleginnen und Kollegen, die Anzahl der Nachtdienste zu begrenzen.

Eine effiziente Vorbeugung von Überlastungserscheinungen könne nur unter gemeinsamer Anstrengung aller Beteiligten erzielt werden. Dazu zählen laut Dorner auch die Entscheidungsträger in den Krankenhäusern, bei den Krankenhausträgern sowie den Krankenkassen und in der Gesundheitspolitik.

Viele Verbesserungen ließen sich schon erreichen, wenn den Teams und Abteilungen die Möglichkeit gegeben werde, gezielt und strukturiert an Verbesserungen im eigenen Einflussbereich zu arbeiten. Ohne strukturierte Begleitung sei eine Verbesserung für die Beteiligten oft gar nicht möglich, betonte der Ärztekammerpräsident. Und die in der Wirtschaft gängigen und bewährten Methoden, wie Teamcoaching oder begleitende Beratung, steckten im Gesundheitssystem "noch in den Kinderschuhen".

Zwangsläufig der Beginn einer Qualitätsdebatte

Abgesehen von der Begrenzung der Arbeitszeiten fordert Dorner die Reduktion nicht ärztlicher Tätigkeiten sowohl im Spitals- als auch im niedergelassenen Bereich. Die überbordende Bürokratie beeinträchtige nicht nur die Verfügbarkeit für die eigentliche ärztliche Tätigkeit, sondern führe auch zu Frustration und unnötigem Ressourcenverbrauch hoch qualifizierter Ärztinnen und Ärzte.

Die Leidtragenden der genannten Probleme in diesem Bereich sei zwar vorerst "nur" die Ärzteschaft, in weiterer Folge aber auch der Patient, der "mit frustrierten und ausgelaugten Ärztinnen und Ärzten konfrontiert ist, was zwangsläufig auch in eine Qualitätsdebatte führen wird". Es sei "ein Gebot der Stunde", hier Abhilfe zu schaffen, um für die Zukunft eine Gefährdung von Patienten auszuschließen. (hpp)

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