WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein übler Verdacht schwingt immer mit - von Robert Lechner

Die Parteien müssen die Karten auf den Tisch legen

Wien (OTS) - Sind 450.000 Euro Jahreshonorar für eine Top-Anwaltskanzlei wirklich zu viel, wenn es um knifflige Fragen des Eisenbahnrechts geht? Oder schadet es dem Flughafen Wien tatsächlich, wenn sich echte PR-Profis für einige tausend Euro pro Monat darum bemühen, guten Wind zu erzeugen? Eine Antwort darauf zu finden, ist schwierig. Einen aussagekräftigen Return on Consulting gibt es nicht. Tendenziell haben externe Berater in vielen Fällen aber durchaus ihre Berechtigung.

Unabhängig davon, ob ein öffentliches Unternehmen oder nicht, die Millionen fließen nur so, um auswärtiges Know-how einzukaufen. Oft ist auch gar nichts anderes möglich. Rechts- und Strategieabteilungen sind selbst in großen Unternehmen zu dünn besetzt, um sämtliche auftauchende Probleme in Eigenregie lösen zu können. Zudem eignen sich Consulter hervorragend, um Teile der Verantwortung für schlechte Nachrichten abzuschieben.

Gerade die Diskussion um undurchsichtige Geldflüsse an Parteien zeigt aber, dass bei so manchem Beratungshonorar ein übler Verdacht mitschwingt. Und das nicht erst, seit immer mehr Details über das System KHG bekannt werden. Die Vermutung, dass das eine oder andere fürstliche Honorar eines Unternehmens über geschickt konstruierte Firmengeflechte letztlich in den Kassen der politisch tonangebenden Parteien landet, ist so alt, wie die Branche der Lobbyisten selbst.

Um die Lage in den Griff zu bekommen, gibt es zwei Auswege. Die völlige Privatisierung sämtlicher Unternehmen ist einer. Manager sind dann im engeren Sinn nur noch ihren Mitarbeitern, Kunden und Investoren verantwortlich. Direkte Polit-Interventionen können meist abgeschmettert werden. Die Lösungsvariante ist allerdings unwahrscheinlich, da Unternehmen wie die ÖBB viel zu viele Leistungen erbringen, die private Investoren nie dulden würden. Oder weil es bei Infrastruktur-Unternehmen wie dem Verbund oder dem Flughafen Wien durchaus strategisch Sinn hat, einen Teil im Eigentum der öffentlichen Hand zu belassen.

Es bleibt also nur der zweite und damit alternativlose Ausweg: Die Transparenzdatenbank für Parteien. Wie an dieser Stelle übrigens schon einmal erwähnt: Die Internetadresse www.parteienfinanzierung.at steht noch immer zum Verkauf.

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