Erholung des Geschäftsklimas in Mittelosteuropa verliert an Schwung

Direktinvestoren melden weitere Verbesserung bei der aktuellen Geschäftsentwicklung / Zukunftsperspektiven der MOE-Beteiligungen werden vorsichtiger bewertet als im April

Wien (OTS) - Die aktuelle Erhebung des Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa zeigt eine Verbesserung des Geschäftsklimas im Vergleich zur Erhebung im April. Zugleich verliert der wirtschaftliche Aufschwung in der für Österreich so wichtigen Region laut Einschätzung der Direktinvestoren vorerst an Dynamik.

Die rund 400 MOE-Headquarters in Österreich zeigen sich in der Anfang Juli durchgeführten Umfrage mit der Aktuellen Geschäftslage ihrer 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region überwiegend zufrieden. 37 % der Befragten beurteilen die derzeitige Geschäftssituation als positiv, dem stehen 21 % negative Meldungen gegenüber. Der Saldenwert (positive abzüglich negativer Meldungen) des Indikators verbessert sich um insgesamt 6 Prozentpunkte seit der Erhebung im April. Der Indikator der Geschäftserwartungen hingegen verschlechtert sich geringfügig: Während im April noch 40 % der befragten Direktinvestoren eine Verbesserung der geschäftlichen Situation ihrer Beteiligungen in den nächsten sechs Monaten erwarteten, sind dies im Juli nur noch 36 %.

Das Geschäftsklima für die Region, welches sich aus den beiden Indikatoren Aktuelle Geschäftslage und Geschäftserwartungen zusammensetzt, hellt sich damit insgesamt im Juli gegenüber April weiter auf. So steigt der Indikator um 2 Prozentpunkte und erreicht den höchsten Wert seit Oktober 2008. Nach Zunahmen von zuletzt 6 Prozentpunkten im Jänner bzw. 5 Prozentpunkten im April handelt es sich aber um einen vergleichsweisen moderaten Anstieg. Die Dynamik des konjunkturellen Aufschwungs in Mittelosteuropa scheint sich aus Sicht der Direktinvestoren abzuschwächen.

Polen glänzt, Dämpfer für jüngste EU-Staaten

Seit nunmehr sieben Erhebungen (d. h. seit Jänner 2009) herrscht in Polen das günstigste Geschäftsklima in Mittelosteuropa. Im Juli legt der Geschäftsklima-Indikator um weitere
4 Prozentpunkte zu und erreicht somit einen Saldenwert von 45 Prozentpunkten. In Bulgarien hingegen herrscht derzeit das ungünstigste Geschäftsklima in Mittelosteuropa. Bulgarien und Rumänien sind darüber hinaus die einzigen Länder in der Region, bei denen sich alle drei Kernindikatoren (Aktuelle Geschäftslage, Geschäftserwartungen und Geschäftsklima) gegenüber April verschlechtert haben. Das langfristige Vertrauen der Investoren scheint dennoch ungebrochen. Es wird weiter investiert: Der Saldenwert für den Indikator Erweiterungsinvestitionen - der die Expansionsbereitschaft der Direktinvestoren bei bestehenden Standorten widerspiegelt - steigt in Bulgarien um 8 Prozentpunkte. Dies ist die zweitgrößte Steigerung in der Gesamtregion.

Ukraine im Aufwind

In der krisengeschüttelten Ukraine scheint sich eine positive Trendwende abzuzeichnen. Zwar wird die Aktuelle Geschäftslage von den Direktinvestoren weiterhin als schwierig beurteilt: Der Indikator bleibt per Saldo mit -15 Prozentpunkten im negativen Bereich. Dies stellt jedoch gleichzeitig eine Steigerung von 24 Prozentpunkten gegenüber der Erhebung im April dar und ist damit die erste nennenswerte Verbesserung seit Juli 2008. Auch bei den Geschäftserwartungen geben sich die Direktinvestoren mit Beteiligungen in der Ukraine in der aktuellen Erhebung optimistischer. 43 % der Befragten erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten, nur 4 % eine Verschlechterung. Dementsprechend ist ein zügiger Ausbau bestehender Beteiligungen geplant: Mehr als ein Fünftel aller Niederlassungen sollen in den nächsten zwölf Monaten vergrößert werden. Eine ähnliche Entwicklung wird für den Nachbarn Russland beobachtet. Auch hier plant ein Fünftel der befragten Direktinvestoren einen Ausbau ihrer Beteiligungen, begünstigt durch das gute Geschäftsklima in Russland (Saldenwert von +35 Prozentpunkten), welches sich im Juli nochmals deutlich aufhellt.

Finanzdienstleistungsindustrie: Versicherungen optimistischer als Banken

Ein Blick auf die Finanzdienstleistungsindustrie zeigt, dass die Banken in ihren Einschätzungen und Erwartungen im Vergleich zu den Versicherungen vorsichtiger sind. So beurteilen die Banken nicht nur ihre Aktuelle Geschäftslage deutlich zurückhaltender als die Versicherungen, sie setzen auch bei ihren Geschäftsperspektiven die Erwartungen nicht so hoch an. Insgesamt verfügen damit die Versicherungen per Saldo über ein deutlich besseres Geschäftsklima in Mittelosteuropa als die Banken. Das günstigste Geschäftsklima herrscht derzeit jedoch in der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft, der entsprechende Indikator steigt um 18 Prozentpunkte auf einen Saldenwert von 39 Prozentpunkten. Dabei zeigen sich die Unternehmen dieser Branche nicht nur mit der aktuellen Geschäftssituation ihrer Betriebe vor Ort sehr zufrieden, sondern blicken auch überaus zuversichtlich in die Zukunft.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa (MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400 Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.

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