WirtschaftsBlatt-Leitartikel: US-Wirtschaft fällt als Börse-Motor aus - von Jochen Hahn

Die Wahrscheinlichkeit für eine Marktkorrektur ist gestiegen

Wien (OTS) - Enttäuschung. Eine komplette Handelswoche mussten Investoren an den Börsen Däumchen drehen, bis am vergangenen Freitag um 14.30 Uhr die heiß ersehnten US-Arbeitsmarktdaten über die Ticker der Nachrichtenagenturen ratterten. Eigentlich hätte der aktuelle Zustand des US-Jobmarkts den entscheidenden Anstoß für neue Jahreshochs an den Börsen geben sollen. Aber wie so oft wurden auch diesmal Wunschträume nicht wahr.

131.000 Stellen hat die US-Wirtschaft im Juli verloren, wobei die Werte für Juni nachträglich deutlich nach unten korrigiert werden mussten. Der US-Arbeitsmarkt bleibt in äußerst schwachem Zustand. Zwar verharrte die offizielle Arbeitslosenquote bei 9,5 Prozent, allerdings ist bekannt, dass diese Daten aus dem US-Arbeitsministerium deutlich unter der Wahrheit liegen. Denn in Krisenzeiten haben sehr viele die Arbeitsplatzsuche in den USA bereits aufgegeben und fallen demnach aus der Statistik.

Damit sollte unverbesserlichen Optimisten klar sein, dass die US-Wirtschaft von einem selbsttragenden Aufschwung weit entfernt ist. Zwar ist der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator, aber aufgrund des relativ robusten US-Wachstums seit Jahresbeginn müssten sich schon längst positive Auswirkungen am Jobmarkt messen lassen. Das ist auch Fed-Chef Ben Bernanke bewusst, dementsprechend rauchen bei der US-Notenbank schon seit Wochen die Köpfe, wie man den auslaufenden Konjunkturimpulsen neue hinterher werfen könnte, damit der Worst Case, ein Double-Dip der US-Wirtschaft, verhindert werden kann.

Genau ein solches ist die Horrorvorstellung für Anleger. Die Angst davor hat in den vergangenen Wochen die Märkte immer wieder gelähmt und neue Jahreshochs verhindert. Durch die Jobdaten wurden diese Sorgen neu aufgewärmt und ihnen wohnt mit ein bisschen negativer Fantasie auch das Potenzial inne, eine heftige Spätsommer-Korrektur an den Börsen auszulösen. Denn die beeindruckend positive Earnings Season ist aus den Köpfen von Börsianern schon wieder verschwunden. Und ohne Rückenwind von der US-Konjunktur fehlt jegliches weitere Kaufargument.

Das signalisiert auch die Charttechnik: Können Leitindizes wie der DAX ihre Jahreshochs nicht sehr bald und nachhaltig überwinden, drohen äußerst ungemütliche obere Umkehrformationen. Spätestens dann ist eine deutliche Korrektur unausweichlich.

Bleibt nur ein Strohhalm, an den sich Anleger klammern können: Ein schwacher US-Arbeitsmarkt schließt Zinserhöhungen aus. Und niedrige Zinsen sind bekanntlich mit ein Treibstoff für die Börsen.

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