Grenzgänger brauchen kein Mitleid - von Gabriele Starck

Die Ereignisse am K2 polarisieren, sind sie doch Abbild der Sehnsüchte und Ängste des Menschen gleichermaßen.

Innsbruck (OTS/TT) - Das Sterben von Fredrik Ericsson am Berg, das Scheitern von Gerlinde Kaltenbrunner auf ihrem 14. und letzten Achttausender. Die Ereignisse am K2 haben in der Berichterstattung der vergangenen Tage österreichweit viel Raum eingenommen. Einigen war es zu viel - selbst in Tirol, wo Berge ein wichtiger Bestandteil des Lebens, vor allem aber der Freizeit sind. Wer sich derartig hohen Risiken aussetzt, kann dabei umkommen, gewiss. Mitleid ringt das nicht allen ab, muss es auch nicht.

Wer Menschen wie Kaltenbrunner oder andere Extremsportler allerdings als Verrückte abstempelt, macht es sich zu einfach. Die Grenzen auszuloten, sie manchmal zu überschreiten - ungeachtet aller Gefahren -, brachte die Menschheit dorthin, wo sie heute steht. Und selbst wenn bei Weitem nicht alle Entdeckungen positiv gewesen sind und das Betreten des Mondes oder die Besteigung aller Achttausender die Entwicklung der Menschheit vordergründig nicht vorantreibt: Neues erfahren zu wollen und dafür all seinen Verstand, seinen Mut und seine Kräfte einzusetzen, ist eine Besonderheit der Spezies Mensch.

Kaltenbrunner mag eine Grenzgängerin sein, doch sie weiß, was sie tut. Menschen wie sie leben ihre Leidenschaft. Reichtum scheffeln sie damit keineswegs. Sofern jemand nur für sich selbst die Verantwortung trägt bzw. es im Einverständnis mit seinem nächsten Lebensumfeld tut, kann es ihm selbst überlassen bleiben, wie weit er geht. Auch wenn er dazu grundsätzlich etwas egozentrischer veranlagt sein muss als der Durchschnitt.

Letztlich ist es egal, ob die Geschichte vom K2 einem Respekt abverlangt, ein Schaudern über den Rücken jagt oder Ärger empfinden lässt. Geschichten wie diese lassen den Menschen einfach nicht kalt, sind sie doch Abbild der Sehnsüchte, aber auch der Ängste, die das Leben begleiten.

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