TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 30. Juli 2010 von Wolfgang Sablatnig "Echtes Sparen geht nur mit Flexibilität"

Der Wechsel von Soldaten in andere Ministerien sollte Vorbild für den ganzen Öffentlichen Dienst sein.

Innsbruck (OTS) - Kaum in einem anderen Bereich offenbart sich das Dilemma des öffentlichen Dienstes so deutlich wie beim Bundesheer. Verteidigungsminister Norbert Darabos rühmt sich, er nehme Verwaltungsreform ernst und habe allein in seiner Zentralstelle schon Hunderte Arbeitsplätze abgebaut. Gratuliere. Bloß bringt ihn das bei seinem 530 Millionen Euro schweren Sparpaket bisher kaum weiter. Denn echter Personalabbau ist im öffentlichen Dienst nicht vorgesehen. Stattdessen warten Hunderte Soldaten und Zivilbedienstete darauf, mit Hilfe des sogenannten "Personalproviders" einen neuen Job zu finden. An anderen Stellen im öffentlichen Dienst hingegen herrscht Personalmangel. Bei der Polizei etwa, auch in der Justiz. Und trotz Sparpaket könnten dort auch Leute unterkommen.
Die Pläne für den Wechsel von Hunderten Heeresangehörigen zur Finanz und ins Innenministerium oder von Postlern zur Polizei sollten da ein Vorbild sein. Der Verteidigungsminister kann sich über echte Einsparungen freuen, wenn die Beamten nicht mehr aus seinem Budget bezahlt werden. Und die Betroffenen bekommen wieder eine berufliche Perspektive. Denn das Dasein als "900er" - so die interne Bezeichnung imk Verteidgungsressort - ohne echte Aufgabe und Herausforderung schürt mehr Frust als es Lebensqualität fördert.
Dass derartige Projekte erst jetzt in größerem Rahmen anlaufen, zeigt, wie beharrend und reformbedürftig der Beamtenapparat insgesamt ist. Es würde schon weiterhelfen, die Voraussetzungen für eine Versetzung zu erleichtern. Schon dann könnten die Ministerien und Behörden schneller und flexibler auf neue Herausforderungen reagieren. Unterm Strich würden dabei auch Einsparungen zu lurkieren sein, ohne dass Kündigungen oder echter Personalabbau nötig wären.

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