Sehenden Auges in die Katastrophe - von Alois Vahrner

Nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg müssen solche Megaveranstaltungen generell auf den Prüfstand.

Innsbruck (OTS/TT) - Die Szenerie am Loveparade-Festgelände in Duisburg am Samstag war mehr als nur beklemmend: In der etwa 150 Meter langen Unglücks-Tunnelröhre kämpfen Notfallmediziner um das Leben Hunderter Verletzter, gleichzeitig müssen immer neue Todesopfer abtransportiert werden. Die Sirenen der Krankenwagen und Polizeifahrzeuge sowie Hubschraubergedröhn mischen sich mit der überlauten Rave-Musik auf dem Festgelände, wo die Party noch lange einfach weiterläuft, als wäre nichts geschehen.

Im Nachhinein gesehen war ausgerechnet diese Entscheidung der Veranstalter ihre einzig richtige. Wäre die Loveparade nach der tödlichen Massenpanik im Zugangstunnel abrupt abgebrochen worden, hätte wohl eine noch viel schlimmere Katastrophe gedroht.

Manche Besucher haben in Internetforen bereits im Vorfeld vor einer Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg gewarnt - und leider Recht behalten. Jede Veranstaltung mit 300.000 Feiernden, bei denen auch sehr viel Alkohol und Drogen im Spiel sind, birgt an sich schon genug Gefahren. Wenn aber laut Schätzungen bis zu 1,4 Millionen Besucher (!) aufs Festgelände wollen, das überdies nur durch zwei relativ enge Zugangstunnel erreichbar ist, dann wird solch Horror ganz schnell Realität. Vorerst 19 Tote und wohl auch viele, die bis an ihr Lebensende behindert bleiben werden, sind das erschütternde Ergebnis.

Klar ist: Es wird trotz des angekündigten Endes für weitere Loveparades auch künftig solche oder ähnliche Massenveranstaltungen geben. Es bleibt zu hoffen, dass - wie damals auch in Tirol nach der Tragödie am Bergisel - die richtigen Lehren für noch viel mehr Sicherheit gezogen werden. Zumindest das kann und muss die Katastrophe von Duisburg bewirken.

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