WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was Banker und Politiker verbindet - von Hans Weitmayr

"Das Glaubwürdigkeits-Problem der Banken ist gefährlich"

Wien (OTS) - Europas Banken haben Probleme: Bankensteuern, Basel III, PIIGS und - immer noch - Osteuropa. Allein glauben will es niemand, was paradox erscheint: Wer würde etwa daran zweifeln, dass die Stahlindustrie Probleme hat, wenn man sie gesondert besteuert oder die Eigenkapitalrichtlinien verschärft?

Erinnern wir uns ein paar Monate zurück, als Erste-CEO Andreas Treichl in einem Moment der Selbsterkenntnis erklärte, Banker hätten ein ähnliches Image wie Politiker. Das ist nur der erste Teil der Wahrheit - in Wirklichkeit leiden Banker zusätzlich an einem ähnlichen Glaubwürdigkeitsproblem. Das ist tragisch, sind Banken doch Unternehmen, denen Kunden ihr Erspartes, ihre Zukunft und nicht selten auch die ihrer Kinder und Enkel anvertrauen. Das wichtigste Gut der Branche? Vertrauen. Doch wie soll der Durchschnittskunde Menschen trauen, die zuerst von den unbeschränkten Möglichkeiten des Kapitalmarktes, dem unglaublichen Potenzial im Osten schwärmen, nur um wenige Jahre später um staatliche Hilfe anzusuchen? Wie soll er Bankern trauen, die Staatsgelder, wie Raiffeisen-General Christian Konrad, nur über ihre Leiche annehmen wollen, um kurz darauf genau um solche anzusuchen? Was soll sich der Kunde denken, wenn er Wochen später von Milliardengewinnen ebendieser Banken liest? Milliardengewinne, die der Kunde über Staatshilfen- und -garantien ermöglicht, während er selbst auf seinem Sparbuch gerade die Inflation abgegolten bekommt. Von Hypo-Desastern und ähnlichen Skandalen ganz zu schweigen.

All das sind natürlich polemische Fragen und jede einzelne lässt sich nüchtern beantworten. Nur kommen diese Antworten in der Bevölkerung nicht an. Das könnte sich für Banken als gefährlich erweisen - gerade für die österreichischen, deren Krisenanfälligkeit doppelt so hoch ist wie die der Konkurrenz. Denn wenn Osteuropa Probleme bekommt, geraten die Österreicher aufgrund ihrer hohen Exposures ins Schleudern; wenn die PIIGS-Nöte wieder akut werden, bekommen sie Schwierigkeiten, schlicht, weil sie Banken sind. Das bedeutet wiederum, dass sie, eher früher als später, auch im Ringen um Basel III auf Unterstützung von Wahlvolk und Steuerzahler angewiesen sein könnten. Doch diese werden erst dann helfen, wenn sie eines tun: Den Banken glauben, dass sie tatsächlich Probleme haben.

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