"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Politisch unkorrekt" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 23.07.2010

Wien (OTS) - Zwei Millionen Menschen jährlich sterben laut Weltgesundheitsorganisation an AIDS. Eine Million stirbt an den Folgen einer Malaria-Erkrankung. Bis zu drei Millionen erliegen weltweit der Tuberkulose. Fünf Millionen Menschen sterben an den Folgen des Rauchens. Allein in Österreich sind es 10.000 bis 14.000, und weitere achttausend gehen an den Folgen von übertriebenem Alkoholgenuss zugrunde.

Ein Life-Ball zur Bekämpfung der Malaria mit Bill Clinton und Whoopi Goldberg als Galionsfiguren? Ein "Menschenrechtsmarsch" zur Bekämpfung der Tuberkulose auf der Wiener Ringstraße? Eine Anti-Raucher-Konferenz mit 25.000 Besuchern wie diese Woche bei der AIDS-Tagung in Wien?

Alles nur Illusion. Wer fürchtet sich hierzulande schon vor Malaria, vor Tuberkulose oder vor Lungenkrebs? Hauptsache schrill und publicitywirksam, dann stellen sich Promis in den Dienst der (guten) Sache, dann fließen reichlich Dollars und Euro.

Gewiss ist alles Geld gut angelegt, das in die Bekämpfung von Krankheiten und in Prophylaxe fließt. Aber die Relationen sollten stimmen, auch wenn das angesichts der derzeitigen AIDS-Hysterie schwer fällt.

In der politischen und medialen Praxis entscheiden leider nicht echte Prioritäten über Erfolg oder Misserfolg, sondern ganz andere Kriterien: Wer lauter schreit, gewinnt. Am lautesten schreien meist jene, die bei einer objektiven Reihung nicht ganz oben stehen würden.

Was weltweit gilt, zeigt sich auch in Österreich und im Kleinen. Mit lautem Geschrei wollen Interessenvertretungen darüber hinwegtäuschen, dass es wichtigere Probleme als die ihrer Klientel gibt. Wenn gut verdienende Beamte oder Pensionisten auch nur vorübergehend auf Einkommenszuwächse verzichten sollen, ist gleich Feuer am Dach. Dabei droht gerade diesen Gruppen weder Arbeitslosigkeit noch sonstiges finanzielles Ungemach. Ähnliches gilt auch für die mit EU-Förderungen verwöhnten Bauern.

Panikmache und schrille Töne zu ignorieren, mag zwar auf den ersten Blick politisch unkorrekt wirken. Politik, Spender und Sponsoren sollten sich aber da wie dort nicht nach der Lautstärke von Schreihälsen und Aktivisten richten, sondern halbwegs objektiven Kriterien folgen.

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