Lutherischer Weltbund: Angst vor Zerreißprobe wie bei Anglikanern

LWB-Präsident Hanson warnt bei Vollversammlung in Stuttgart vor Spaltungen: "Christen sollten sich in ihren unterschiedlichen Ansichten zur Homosexualität oder zur Frauenordination gegenseitig respektieren und nicht untereinander bekämpfen"

Stuttgart, 22.07.10 (KAP) Der Konflikt zwischen den schrumpfenden liberalen Kirchen des Nordens und jenen des Südens, die wachsen und in der Auseinandersetzung mit dem Islam und den diversen Sekten auf ein kämpferisch konservatives Profil setzen, prägt die 11. Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds (LWB) in Stuttgart. Die Diskussionen über Homosexualität und Frauen im Bischofsamt sorgen auf der Weltkonferenz der Lutheraner für Unruhe und Besorgnis unter den Mitgliedern. Befürchtet wird eine ähnliche Zerreißprobe, wie sie die anglikanische Kirche prägt, und das nur wenige Jahre vor dem großen Jubiläum "500 Jahre Wittenberger Thesenanschlag und Reformatisonsbeginn" im Jahr 2017.

Der ehemalige vatikanische "Ökumene-Minister" Kardinal Walter Kasper ging in Stuttgart in einem Gastvortrag über die ökumenische Bewegung der letzten 40 Jahre auf diese heißen Eisen nicht ein. Kasper strich stattdessen die Erfolge heraus.

Nach Einschätzung des Generalsekretärs des Lutherischen Weltbundes, Ishmael Noko, gibt es wegen der unterschiedlichen Auffassungen in moralischen Fragen unter den verschiedenen lutherischen Kirchen keine wirklich großen Spannungen. Der aus Zimbabwe stammende Theologe sagte am Mittwoch auf der LWB-Vollversammlung, die lutherischen Kirchen seien nachdrücklich aufgefordert worden, "angemessene Schritte im Blick auf die Ordination von Frauen zu unternehmen und gegebenenfalls für eine Politik der Gleichstellung zu sorgen". Der kirchliche Dachverband repräsentiert 70 Millionen Christen in 79 Ländern.

Kardinal Kasper, früherer Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, bezeichnete die ökumenische Bewegung der letzten 40 Jahre als Erfolgsgeschichte. "Wir haben keinen ökumenischen Winter", sagte Kasper vor den rund 400 Delegierten der Vollversammlung unter großem Applaus. Angesichts der großen Herausforderungen wie Klimawandel, weltweitem Hunger und Zugang zu sauberem Wasser müssten die Christen noch intensiver zusammenarbeiten.

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