Aids: Religionen wollen sich stärker Randgruppen öffnen

Bilanz zur interreligiösen Vorkonferenz zur Welt-Aids-Konferenz

Wien, 18.07.10 (KAP) Die Kirchen und Religionsgemeinschaften müssen sich künftig noch viel stärker als bisher für gesellschaftliche Randgruppen wie Drogensüchtige, Prostituierte oder Homosexuelle öffnen. Das sei eines der zentralen Ergebnisse der am Samstag in Wien abgehaltenen, internationalen Vorkonferenz der Religionsgemeinschaften zur Welt-Aids-Konferenz, wie der evangelische Pfarrer Jochen Kramm vom lokalen Organisationskomitee am Sonntag im "Kathpress"-Gespräch betonte. Zwar würden die Kirchen und Religionen bereits jetzt sehr viel im Kampf gegen HIV bzw. Aids leisten, man könne sich mit dem Erreichten aber nie zufrieden geben.

Mehr als 250 Teilnehmer aus aller Welt waren zur "Multi-Faith Pre-Conference" gekommen. Das Veranstaltungsmotto schloss sich an das Thema der Welt-Aids-Konferenz "Rights here, right now" an:
"Rechte hier und jetzt", aber mit dem Zusatz: "Was hat der Glaube damit zu tun?"

Die Kirchen müssten ihre "Komfortzonen von Gleichgesinnten" verlassen, um jene Gruppen zu erreichen, die nach wie vor sehr stark von HIV bzw. Aids betroffen seien, sagte Kramm: "HIV-Positive und Aids-Kranke brauchen nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch soziale und spirituelle Begleitung."

Pflichten aus Tradition und Lehre

Bei der Konferenz sei deutlich geworden, dass alle Kirchen und Religionen aufgrund ihrer Tradition und Lehre in der Pflicht stünden, sich für die von HIV/Aids Betroffenen einzusetzen. Das umfasst laut Kramm nicht nur die unmittelbare Hilfe, sondern auch den Einsatz gegen Armut und für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Weiters brauche es innerhalb der Religionen noch viel mehr Information und Aufklärung über HIV bzw. Aids; dies betreffe u.a. auch die religiösen Führungskräfte.

"Klar gegen Diskriminierung und Stigmatisierung"

"Bei der Vorkonferenz ist klar herausgekommen: Wir Kirchen müssen uns gegen Diskriminierung und gegen Stigmatisierung einsetzen", berichtete Heinz Hödl vom lokalen Organisationskomitee und Leiter der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO), gegenüber "Kathpress". "HIV und Aids - das ist keine Strafe Gottes, das ist für uns alle klar. Wenn man das Virus hat, dann ist das keine Sünde, und wir dürfen niemals jemanden verurteilen."

Das Treffen sei ein Erfolg gewesen: Das Ziel, mit einer gemeinsamen Veranstaltung vor der Welt-Aids-Konferenz ein Zeichen zu setzen, sei aufgegangen, so Hödl. Es sei deutlich geworden, dass Religionen zum Weltkongress durchaus etwas beizutragen hätten: "Wir wollen gehört werden und wir sollen auch gehört werden."

O-Töne von Heinz Hödl sind in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar.

Mehr auf www.kathpress.at (forts. mgl.) gpu/ssc/jop/

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